Das Geheimnis ewiger Liebe

das geheimnis ewiger liebe
Das Geheimnis ewiger Liebe
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Experten und Paare über Liebesglück

67 Prozent der Frauen glauben an die Liebe fürs Leben ... und wir alle träumen von ihr. Aber was lässt sie Wirklichkeit werden? Glück – oder die richtige Strategie? Experten und langjährige Paare verraten ihre Formel für das ganz große Liebesglück.

Die Liebe des Lebens

Es sind vor allem die Frauen, die schon in einer Partnerschaft leben, die fest überzeugt sind: Das ist es! 74 Prozent der liierten Frauen – egal ob verheiratet oder unverheiratet – glauben, dass ihre Beziehung die Liebe ihres Lebens ist. Bei den Singlefrauen sind immerhin 54 Prozent sicher, den Mann für die ewige Liebe noch zu finden.

Bei mir, der Autorin dieses Artikels, hat es auch etwas länger gedauert: Als ich meinen Mann kennenlernte, war ich Anfang und er Ende 30. Bevor wir ein Paar wurden, arbeiteten wir zusammen an einem Projekt. Dabei lernten wir uns gut kennen: Er merkte schnell, dass ich impulsiv bin und auch mal ausflippen kann. Ich lernte an ihm zu schätzen, dass er sehr zuverlässig und humorvoll ist. Wir quatschten viel und stellten dabei fest, dass wir ähnliche Wünsche hatten: Familie, Kinder, eine tolle Wohnung und Reisen .

Eine erwachsene Beziehung führen

Mit Anfang 20 hätte mich das nicht interessiert, da war ich mit Abenteurern und verruchten Typen zusammen. Letztlich habe ich erst durch die Erfahrung mit diesen Männern herausgefunden, wie sexy Zuverlässigkeit, Scharfsinn und Ironie sind. Heute führe ich das, was ich eine erwachsene Beziehung nennen würde. Das klingt zwar total unromantisch, aber wir lieben uns und ich bin sicher, dass wir auch noch mit 70 zusammen händchenhaltend auf dem Sofa sitzen werden.

Doch wie schafft man es, dass die Beziehung nicht doch irgendwann zwischen Alltag und Gewohnheit zerbricht? Jahrelang untersuchten Partnerschafts-Psychologen vor allem die gescheiterten Beziehungen. Wo lagen die Fehler? Was kann man beim nächsten Mann besser machen? Inzwischen gibt es einen neuen Trend: Es werden momentan funktionierende Beziehungen erforscht, um herauszufinden, warum das eine Paar gute Chancen hat, eine dauerhafte und glückliche Partnerschaft zu führen, während sich das andere Paar voraussichtlich in der nächsten Zeit trennen wird.

Die Quelle des persönlichen Glücks

Die aktuelle Studie „Zwischen Herz und Verstand“ des Instituts für Demoskopie Allensbach hat ergeben, dass für 77 Prozent, bei Paaren wie auch Singles, eine erfüllte Partnerschaft die wichtigste Quelle des persönlichen Glücks ist. Dabei kam ebenfalls heraus, dass immerwährende Leidenschaft nicht der Hauptpunkt für eine glückliche Beziehung ist, vielmehr finden 65 Prozent der Befragten, dass Harmonie im Alltag und gegenseitige Unterstützung wichtiger sind.

Harmonische Partnerschaft positiv für Sexualleben

Zu Recht, denn dass wiederum Paare, die eine harmonische Partnerschaft führen, auch zufriedener mit ihrem Sexualleben sind, stellte schon 1997 die amerikanische Psychologin und Pionierin auf dem Gebiet der positiven Beziehungsforschung, Judith Wallerstein, in ihrem Buch „Gute Ehen“ fest. Ihre Befragung vieler Paare ergab, dass es immer wieder Sex-Flauten gibt, aber dauerhaft Nähe und Intimität entscheidend für eine funktionierende Partnerschaft sind.

Mit der Partnerschaftsqualität befasst sich auch die groß angelegte deutsche „Pairfam“-Studie. Sie ist ein Kooperationsprojekt der TU Chemnitz, der Universität Bremen und der LMU München und läuft noch bis 2022. Deutschlandweit werden 12.000 Personen jährlich zu partnerschafts- und familienrelevanten Themen befragt. Dabei ist das Ziel nicht vorrangig, ein Rezept für die ewige Liebe zu finden, sondern zu erkennen, wie sich Partnerschaften im Laufe der Zeit verändern.

Eheschließungen haben an Bedeutung verloren

Waren Eheschließungen noch vor 60 Jahren wichtig, um überhaupt mit einem Partner zusammenleben zu können, haben sie heute an Bedeutung verloren. Was jetzt zählt sind Gemeinsamkeiten, das soziale Umfeld – und die Hauptrolle spielt die momentane Lebenslage, die sich heute viel schneller ändert als früher.

Liebe ist der Anfang, aber nicht mehr der zentrale Angelpunkt in einer Beziehung. Frau und Mann lernen sich kennen, ziehen zusammen und heiraten vielleicht. Mit Glück und Verstand finden wir vorher heraus, dass der Märchenprinz zwar letztlich vielleicht doch ein Spießer, aber trotzdem genau der Richtige ist.

Weniger Romantik und mehr Realität

Das hat zwar keine Hollywood-Qualitäten, aber es gibt einen guten Grund, warum Filme wie „Pretty Woman“ genau in dem Moment zum Abspann übergehen, in dem Richard Gere in seinem weißen Rolls Royce wie der Ritter zu Pferd Julia Roberts erobert hat. Vielleicht lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende – das beste Rezept dafür, so sagen einhellig die neuen Studien, ist eine „normale“ Beziehung mit Höhen und Tiefen, doch ganz ohne das Drama, das das Thema für Hollywood erst interessant macht.

Das Fazit lautet also: Es ist ratsam, weniger verklärte Romantik und mehr Realität in einer Partnerschaft zu suchen. Ganz nach dem Motto:Wenn die Schmetterlinge im Bauch erst mal gelandet sind, beginnt die Liebe so richtig!

„Wir sind Seelenverwandte!“

Doris (37) und Manuel (37), 10 Jahre, München

„Wenn mir früher jemand erzählt hätte, dass es so etwas wie Seelenverwandtschaft gibt, wäre von mir nur ein müdes Augenrollen gekommen“, lacht Doris. Seit 2009 ist sie mit Manuel verheiratet, im Juli erwarten sie ihr erstes Kind .

„Auch wenn unsere Sternzeichen – Manuel ist Steinbock und ich Widder – überhaupt nicht zusammenpassen, sind wir absolut eins. Das war nicht immer so: Am Anfang stritten wir uns wegen jedem noch so kleinen Detail. Ich konnte nicht glauben, dass es jemanden gibt, der noch dickköpfiger ist als ich. Manuel war es! Aber nach jedem noch so heftigen Zoff wurde wieder deutlich: Wir lieben uns. Die Konflikte machten uns erst richtig klar, dass wir zusammengehören.“

Zuerst bei sich selbst die Schuld suchen

Wie sehr, das äußert sich heute schon in Kleinigkeiten: „Oft beendet der eine den angefangenen Satz des anderen oder beantwortet Fragen, die noch keiner gestellt hat. Was aber nicht heißen soll, dass wir jetzt immer einer Meinung sind.“ Im Laufe der Jahre haben Doris und Manuel erkannt, dass, wenn ein Problem auftaucht, nicht der andere unbedingt daran Schuld trägt, sondern sich vielleicht etwas bei einem selbst geändert hat.

Jeder versucht also zuerst, bei sich den Fehler zu finden, und dann reden sie darüber. „Und wenn wir doch streiten, wissen wir, dass es kein Angriff auf die eigene Person ist, sondern der andere nur eine unterschiedliche Meinung hat. Wir akzeptieren die Eigenarten des anderen und sehen darin seine Einzigartigkeit. Das ist für uns das A und O für unser Liebesglück – und wir sind sehr gespannt, wem unser Baby charakterlich ähnlicher sein wird ...“

„Jeden Tag reden, eine Stunde lang“

Olga (29) und André (32), 10 Jahre, München

Das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ hält Olga für Schwachsinn. „Wir besprechen wirklich alles. Wenn wir uns zum Beispiel nachmittags nicht einig sind, ob Noah, unser ältester Sohn zu viele Gummibärchen kriegt, dann wird das abends, wenn beide Kinder im Bett sind, ausdiskutiert. Das klingt vielleicht übertrieben, aber wenn man über die kleinen Unstimmigkeiten nicht redet, dann entsteht irgendwann eine Mauer aus Schweigen und das ist der Todesstoß für jede Beziehung“, ist die junge Lehrerin überzeugt.

„Ich sage ihm jeden Tag, wie sehr ich ihn liebe“

„Wir kommen meistens auf eine Stunde Dialog pro Tag, ein bestimmtes Rede-Ritual haben wir aber nicht – außer dass ich ihm täglich sage, wie sehr ich ihn liebe.“ Die heißeste Diskussion führten die beiden vor vier Jahren, als es um die Frage des zukünftigen Wohnortes ging. André war in Koblenz bei der Bundeswehr und hatte die Möglichkeit, Berufssoldat zu werden. Olga fand die Stadt schrecklich und wollte nach München zurück und ihr Studium beenden.

„Wir haben die Vor- und Nachteile immer wieder durchgekaut. Soziale Sicherheit in Koblenz für André, in München die Möglichkeit für mich, als Lehrerin nach dem Studium verbeamtet zu werden. Nach langen Diskussionen gab mein Mann mir zuliebe die Bundeswehr auf und startete in München einen Neuanfang.“ Heute arbeitet er ebenfalls als Lehrer, mit dem Nebeneffekt, dass die beiden noch mehr Zeit zum Reden haben – und noch enger zusammengerückt sind.

„Wir sind immer noch so verliebt wie früher“

Luise (69) und Reiner (74), 46 Jahre, Kürten

Für mich war sofort klar, das ist ein toller Mann, den will ich heiraten“, erinnert sich Luise an ihre erste Begegnung mit Reiner. 1965 war das, Freunde hatten sie einander vorgestellt.

Sie bekam, was sie wollte: Schon 1966 heirateten die beiden, im selben Jahr eröffneten sie ihre eigene Bäckerei. Reiner arbeitete in der Backstube, Luise im Verkauf. Ein Jahr später wurden sie Eltern von Zwillingen. „Da war kaum Zeit zum Nachdenken, wir haben nur gearbeitet“, erinnert sich Luise.

Trotz Konflikten ein gemeinsames Ziel vor Augen haben

Trotz gelegentlicher Konflikte im Laden einte beide der Wille, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. „Wir wussten, wofür wir kämpfen: eine gemeinsame Existenzgrundlage – und unsere Zukunft. Und wir haben es geschafft. Das gab unserer Beziehung das Fundament. Neben den Kindern natürlich, fünf Stück sind es am Ende geworden. Wir versuchten, ihnen Werte wie Liebe, Respekt und Familiensinn mitzugeben. Alle fünf haben studiert, tolle Jobs und eigene Familien – nur Bäcker ist keiner geworden. Wir sind sehr stolz auf sie und waren ihnen glaube ich ein gutes Vorbild mit unserer Beziehung – die war für die Sechziger nämlich sehr modern, da wir beide gearbeitet haben.“

Inzwischen sind beide Rentner, aber Langeweile gibt es nicht. Luise singt im Chor, spielt Tennis, Reiner bastelt an seiner Modelleisenbahn oder fotografiert. „Trotzdem finden wir noch Gründe zum Streiten“, lacht Luise. „Wenn wir beide vor unseren PCs sitzen, weiß immer der jeweils andere, wie es besser geht, und am Ende funktioniert nichts mehr. Nicht zu fassen, dass wir nach 46 Jahren noch solche Dickköpfe sind. Erst neulich sagte Reiner hinterher zu mir: ‚Du bist die sturste Frau, die ich kenne, aber ich könnte keine andere lieben.‘“

„Der Erste kann der Richtige sein“

Jenny (26) und Flo (28), 11 Jahre, München

Flo ist mein erster Mann und er wird auch mein einziger bleiben“, sagt Jenny voller Überzeugung. Begonnen hat es als Teenager-Liebe, die gelernte Bewegungspädagogin war damals erst 16.

„Ich flirtete, bin aber nie fremdgegangen“

„Natürlich hatte ich mit Anfang 20 durchaus mal Zweifel, ob das passt – und ich nicht was versäume. Beim Weggehen mit Freundinnen flirtete ich und spielte mit dem Feuer. Zum Glück bin ich nie fremdgegangen. So viele meiner Freundinnen sind Singles – ich sah, wie schwer es für sie ist, einen Mann zu finden, der auch nur einigermaßen zu ihnen passt. Wenn ich mal wieder eine Albtraumstory, die sie mit Männern erlebt hatten, mitbekam, wusste ich, wie glücklich ich mich schätzen kann, die Liebe meines Lebens schon gefunden zu haben.“

Natürlich gibt es bei aller Harmonie auch mal Zoff. „Wenn Flo abends nur zu Hause sitzen möchte, dann pflaume ich ihn schon an oder gehe dann trotzig allein weg. Trotzdem weiß ich: So einen wie ihn finde ich nie wieder – und er auch nicht so eine tolle Frau wie mich.“

„Bis heute haben wir noch Dates!“

Anja (40) und Uwe (38), 18 Jahre, Guldensberg

Seit 14 Jahren sind die beiden schon verheiratet – und es gibt nur eine Regel: Jeden Sonntag bereitet Uwe das Frühstück für die Familie. Da besteht Teilnahmepflicht, auch wenn die Söhne Jerome (20) oder Pepe (15) in der Nacht davor unterwegs waren und nicht viel Schlaf bekommen haben. Ansonsten herrscht bei Anja kein strenges Regime.

„Für uns ist es wichtig, dass jeder seinen Freiraum hat und man dem anderen vertraut“, erzählt die dreifache Mutter. Anja geht regelmäßig mit ihren Freundinnen ins Kino oder zum Essen. Uwe spielte schon immer Squash, und wenn es in seinem Job besonders stressig war, dann geht er eine Runde zum Joggen, um den Kopf frei zu bekommen.

Distanz im Alltag hält die Liebe frisch

„Ich finde Paare schrecklich, die alles zusammen machen. Gerade weil wir auch allein etwas unternehmen und erleben, haben wir dem anderen etwas zu erzählen.“ Diese „Distanz“, im Alltag sehen sich die beiden oft nur zwischen Tür und Angel, hat für Anja einen wichtigen Bonus: „Wir verabreden uns immer noch zu richtigen Dates “, lacht sie.

„Da erzählt Uwe mir dann, was es Neues in seinem Job gibt. Gerade vor zwei Tagen erst fragte er mich nach meiner Meinung zu einer wichtigen Entscheidung, die bei ihm im Büro ansteht. Das liebe ich, da mein Job im Moment Mika und der Haushalt sind und ich so ein bisschen Arbeitsluft schnuppern kann“, erzählt Anja. Zum Glück passen die großen Jungs gerne auf ihren kleinen Bruder Mika (1) auf und lassen deshalb die Eltern regelmäßig aus dem Haus ...

„Wir machen alles zusammen“

Maike (32) und Felix (39), 4 Jahre, München

Vor sieben Jahren lief mir Felix im Büro auf dem Flur entgegen. Er hatte seinen ersten Tag und fragte mich nach dem Weg zur IT-Abteilung. Ich dachte, der ist aber süß!“, erzählt Maike. Die beiden fanden sich auf Anhieb sympathisch, doch sie waren zu diesem Zeitpunkt in festen Beziehungen – so wurde es „nur“ Freundschaft .

„Felix und ich lagen von Anfang an auf einer Wellenlänge und wir konnten über alles quatschen“, erzählt Maike. „Aber eingestanden, dass da vielleicht mehr sein könnte, haben wir uns nicht. Wir wollten unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen.“ So diskutierten sie stundenlang über ihre gemeinsame Leidenschaft, US- Serien wie „Prison Break“ oder „Lost“.

Aus Freundschaft wurde eine Beziehung

Sie schütteten sich das Herz aus, wenn es in ihren Beziehungen mal knirschte. Und es knirschte immer öfter, bei beiden. Erst trennte sich Maike, kurz darauf Felix. Damit war der Weg frei: Die beiden wurden ein Paar. „Als wir verkündeten, dass wir jetzt zusammen wären, kam von unseren Freunden und Familien nur ein ,na, endlich‘. Im gemeinsamen Alltag wurde uns aber erst so richtig bewusst, wie sehr wir harmonieren. Wir genießen es, gemeinsam in der zu Küche stehen, um mehrgängige asiatische Menüs zu kochen, und danach stundenlang eingekuschelt auf dem Sofa Serien zu gucken.“

Die Zweisamkeit konnten die beiden aber nur einen Monat genießen, da Felix ein Jobangebot in München angenommen hatte. Von da an lagen über 700 Kilometer zwischen ihnen. Sie telefonierten täglich und die Freitagabende verbrachte immer einer im Zug.

„Nach einem Jahr war klar: So wollen wir nicht weitermachen. Ich suchte mir einen Job in München und wir zogen zusammen. Wir haben es nie bereut. Felix ist nicht nur mein Liebhaber, er ist auch mein bester Freund, mein Kletterkumpel, mein Diskussionspartner – wir wären auch ohne Liebe das perfekte Paar, das ist ein ganz wichtiger Punkt! Nächstes Jahr im Mai wollen wir uns in unserer Heimatstadt Oldenburg das Jawort geben.“

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