Das schrecklichste Date meines Lebens

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Date
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Erstes Date: 5 Leserinnen berichten

Manchmal geht das erste Treffen mit einem Kerl gehörig daneben. Fünf Leserinnen über ihr schrecklichstes Horror-Date – und was sie daraus gelernt haben. Plus: Wie Du Kerle künftig charmant(er) abservierst.

„Er wollte mir beim Sex mit einem anderen Mann zusehen!“

Susanne aus Hamburg, 32, Bankangestellte 

Oberflächliche Partybekanntschaften hatte ich endgültig satt. Und deshalb kam mir Max gerade recht. Der Unternehmensberater schien ein grundsolider Typ zu sein. In seinem Dating-Profil stand: „Vertrauen, Offenheit und Familie sind mir am wichtigsten.“ Hach, wie bodenständig! „Lust auf ein Picknick an der Elbe?“ , schrieb er nach ein paar Tagen. Die hatte ich! Als ich ankam, erwartete mich das volle Programm: Karodecke, Weinflasche, Käseplatte, Obst. Wir aßen, tranken, lachten.

Als er mir zum dritten Mal Chardonnay nachschenkte, wurde er auf einmal ernst: „Du, eine Sache möchte ich dir lieber gleich sagen“, fing er an. „Ich habe da eine etwas spezielle Vorliebe.“ Okay ... „Wenn es mit uns ernster werden sollte, würde ich dir gerne beim Sex zusehen – und zwar, während du mit einem anderen Mann schläfst.“ Ähhh ... „Hast du vielleicht einen Exfreund, der Spaß daran hätte? In meiner letzten Beziehung haben wir das auch so gemacht und ...“ Es dauerte keine Sekunde, bis er mir tatsächlich zusehen konnte. Und zwar, wie ich aufsprang und mich wortlos aus dem Staub machte.

„Seine Ego-Show ging wirklich gar nicht ...“

Betty aus München, 22, Schülerin an der Berufsoberschule 

Als ich die neue Shisha-Bar um die Ecke betrat, lösten sich alle meine ursprünglichen Pläne in Luft auf. Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin ausführlich quatschen, aber beim Anblick dieses dunkelhaarigen Typen mit Teddy-Gesicht konnte ich mich auf nichts mehr konzentrieren. Klar sagte ich sofort Ja, als Christian fragte, ob wir brunchen gehen wollen. Der nächste Samstag: ich in meinem blauen Lieblingskleid im Straßencafé, er ... nicht da. 17-mal checkte ich mein Handy, ob er geschrieben hatte. Nichts. Nach 20 Minuten kam er. Und wie.

Sein weißer Mercedes röhrte so laut, dass ich am liebsten unter den Tisch gerutscht wäre. Er parkte direkt vor unserem Tisch (im Halteverbot, klar) und stieg mit diesem typischen „Na, Puppe! Da guckste, was?“-Blick aus. Dann sprach Christian ausschließlich über Christian. Christians Job als Controller. Wie viele Überstunden Christian machen muss. Warum Christian zu wenig Zeit für seine Freunde hat ... Am Anfang sagte ich zwischendurch noch „Ja, das kenne ich auch“, irgendwann futterte ich einfach still zwei Croissants.

Schließlich raffte ich mich ein letztes Mal auf: „Gibt es denn etwas, das du von mir wissen willst?“ Die Antwort kam prompt: „Du, ich frag dann schon.“ Daraufhin erzählte er, dass sein Vater eine Firma in Indien und ein „putziges Dienstmädchen“ habe. „Das musst du dir mal vorstellen: Die ist nur 1,50! Wenn ich meinen Dad besuche und die meinen Koffer trägt, dann siehst du die kaum noch!“ (Er konnte sich kaum halten vor Lachen). „Weißt du was?“, sagte ich ruhig und stand auf. „Ich ertrage es auch nicht mehr! Gib wenigstens ordentlich Trinkgeld gleich. Und tschüss.“ Damit war es mir am Ende doch noch gelungen: Ich hatte ihn zum Schweigen gebracht.

„Er wollte sich schon mal umsehen, obwohl er noch in festen Händen war“

Anna aus Bonn, 28, PR-Beraterin 

Verkupplungsaktionen sind so gar nicht mein Fall. Doch meine langjährige Freundin Nina schwärmte mir so von ihrem Bekannten vor, dass ich meine Prinzipien über Bord warf. Der Alex sei „supercool“ und „total lustig“, sagte sie. Na gut, geben wir dem Alex mal eine Chance. Er wollte mich in Bonn besuchen kommen und ich hatte geplant, ihm die Stadt zu zeigen. Doch als er aus dem Zug stieg, änderte ich mein Vorhaben sofort. Ich war schockiert! Das sollte der Typ sein, den mir Nina auf Fotos gezeigt hatte?

Alex trug ein hellblaues, ärmelloses (!) Hemd, eine weiße Dreiviertelhose mit Tunnelzug und einen Rucksack, den sich normalerweise nur Schulkinder mit Stolz auf den Rücken schnallen. Und, nun ja, hat der Alex wohl in letzter Zeit ein bisschen zu viel Sahnetorte gegessen? Das klingt sicher schrecklich oberflächlich, aber ich wollte wirklich nicht mit ihm gesehen werden! Also schleuste ich ihn direkt in die U-Bahn und fuhr mit ihm in die Rheinauen, wo wir uns auf eine einsame Bank setzten. Nach kurzer Zeit kannte er nur noch ein Thema: seine Ex. Beziehungsweise seine So-gut-wie-Ex.

„Wir versuchen es gerade noch ein letztes Mal miteinander. Aber, ganz ehrlich, ich glaube, das wird nichts mehr. Deswegen schaue ich mich jetzt schon mal um ...“ WIE BITTE?! Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, mir anzuhören, was alles in der Beziehung von Alex und seiner On/Off-Freundin schiefgelaufen war. Ganz ehrlich: Ich war wahnsinnig froh, als seine Bummelbahn um kurz nach 21 Uhr endlich langsam aus dem Bahnhof ruckelte. Alex fand es übrigens unverschämt, dass er nicht bei mir übernachten durfte – sagte mir Nina ein paar Tage später. Worauf ich ihr deutlich zu verstehen gab, dass ich unsere Freundschaft ernsthaft überdenken müsste, wenn sie nochmal versuchen würde, mich zu verkuppeln.

„Der Kerl war ein Traumtyp – bis er den Mund aufmachte...“

Nancy aus Essen, 29, Eventmanagerin 

Na, das ist aber ein Schnuckelchen! Dachte ich mir, als ich Kostas zum ersten Mal in die Finger bekam – virtuell, über die Handy-Flirt-App „Tinder“. Groß, dunkle Locken, Dreitagebart – passt! Ihm ging’s offenbar ähnlich, denn wir verabredeten uns schon für den nächsten Tag auf ein After-Work-Bierchen. Beim Begrüßungsküsschen kitzelten seine Bartstoppeln an meiner Backe, er roch frisch geduscht – ja, so konnte es weitergehen! Ging es aber nicht.

Denn dann begann er zu erzählen: „Ich lasse mich so treiben.“ – „Ja, ich bin schon 32, aber ich habe es trotzdem gar nicht so eilig, mein Studium abzuschließen“ – „Ist doch toll, wenn man um 12 aufstehen und sich dann erstmal ein Tütchen drehen kann ...“ „Und wo soll’s bei dir hingehen, wenn du groß bist?“, fragte ich schließlich. „Taugt dir etwa mein Lifestyle nicht?“, wollte er wissen und bestellte das dritte Colabier.

„Ich stehe eben eher auf Kerle, die wissen, was sie wollen“, sagte ich. Darauf er: „Du willst eine Beziehung, oder?“ Und ich: „Mit dir eher nicht so.“ Damit war die Sache für mich gegessen. Nicht für Kostas: „Also, Lust auf Eis?“ „Nö, lass mal stecken“, anwortete ich, kniff ihm zum Abschied in seine Dreitagebart-Backe und ließ ihn – ja, sorry – eiskalt sitzen.

„Aus Verzweiflung musste ich mich einfach betrinken“

Lisa aus Mannheim, 27, Steuerfachangestellte 

Schon klar, Alkohol ist keine Lösung. Doch an folgendem Abend hatte ich keine bessere Idee. Aber von vorn: Alles begann mit einer dreistündigen Autofahrt von Mannheim nach Köln. Denn dort wohnt Peter. Zumindest nenne ich ihn jetzt einfach so. Drei Wochen zuvor hatte er mich über Facebook angeschrieben. Sein Profilbild war der Hammer: ein blonder Surfertyp mit Lausbubenlächeln. Aber warum kam mir der Kerl so bekannt vor? Egal. Ich wollte ihn treffen, das war nach dem dritten Telefonat klar. Schließlich war es so weit.

Und. Er. Stank. „Sorry, komm gerade vom Fußballtraining“, sagte er. „Mach’s dir bequem, bin kurz duschen.“ Ich legte meinen Autoschlüssel auf den Esstisch und guckte mich um. Dann wurde mir klar, woher ich ihn kannte: Er war mal Kandidat bei „Big Brother“ gewesen! Dutzende grauenhafte Poster und Autogrammkarten hingen an den Wänden. Ich musste mich setzen. Aufs Sofa. Doch dort saß bereits Sponge-Bob. Lebensgroß. Der Typ kann unmöglich cool sein!

Dann kam „Peter“ aus der Dusche und bewies, dass meine Intuition richtig war. Nur so viel: Er imitierte den ganzen Abend Otto Waalkes – und klopfte mir bei jedem vermeintlichen Brüller auf die Schulter. Und ich? Hielt mich am Sekt fest. Vermutlich habe ich eine Flasche alleine getrunken. Um 5 Uhr morgens wachte ich in seinem Bett auf. Ein Blick zur Seite. Oh Gott. Ich schnappte meine Autoschlüssel und war raus. Auch wenn ich noch 4 Stunden auf meiner Rückbank schlafen musste, ehe ich mich ans Steuer setzen konnte...

Die Expertin

„Eine halbe Stunde sollten sie einem Date geben – und dann, wenn nötig, die Reißleine ziehen“

Nina Deißler ist Flirt-Coach und Buchautorin („Dating für Frauen“, Humboldt- Verlag, um 13 Euro). Hier erklärt sie, wie Sie aus miesen Dates stilvoll flüchten.

JOY: Wie schnell merkt man eigentlich, dass ein Date in die Hose geht?

Nina Deißler: Oft schon nach ein paar Sekunden. Unterbewusst hat jeder Mensch sehr genaue Vorstellungen davon, wie unser potentieller Partner sein sollte – auch wenn wir uns immer vormachen, dass dem nicht so ist. Ist unser Gegenüber dann tatsächlich komplett anders, drückt das natürlich die Stimmung.

Nehmen wir an, ein Date läuft nicht gerade optimal. Wann ist der richtige Zeitpunkt, es zu beenden?

Eine halbe Stunde sollten Sie der Sache geben – und dann, wenn nötig, die Reißleine ziehen. Wichtig ist, dass Sie ein offensichtlich mieses Date nicht durchziehen, weil Sie denken, das gehört sich so. Man verschwendet ja nicht nur die eigene Zeit, sondern auch die des anderen.

Und wie sage ich das meiner Verabredung am besten?

Zum Beispiel so: „Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, aber ich habe das Gefühl, wir haben nicht so viel gemeinsam.“ Damit kann ein Mann ganz gut umgehen, weil es keine Schuldzuweisung ist. Der sagt sich dann: „Na gut, ich bin wohl einfach nicht ihr Typ.“

Das kann aber ganz schön viel Überwindung kosten, oder?

Sicher. Aber es wäre viel unfairer, so zu tun, als wäre nichts. Außerdem gehen Sie mit einem unguten Gefühl auseinander. Und wahrscheinlich macht er sich dann Hoffnungen. So geben Sie ihm die Chance, sein Gesicht zu wahren.

Und falls man sich vorher schon informieren will: Tricks zum Leute Googlen!

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