Davor haben Kerle Angst

davor haben kerle angst
Maenner Aengste
Foto: Thinkstock

Männer und ihre Ängste

Männer sind das furchtlose Geschlecht? Von wegen! Joy-Autor Maximilian Reich rückt mit der nackten Wahrheit raus und verrät, was Typen das Fürchten lehrt.

1. Ihr Geburtstag

Jedes Mal, wenn meine Freundin Geburtstag hat, fallen mir bloß Kosmetikgutscheine, Plüschpantoffeln oder das 3-teilige Topfset von HSE24 ein. Das Problem ist, dass Männer und Frauen einfach total unterschiedlich wünschen . Wenn ein Mann einen iPod will, sagt er: „Schatz, ich wünsche mir einen iPod.“ Dann zieht die Frau los und kauft einen Norwegerpullover. Warum, weiß ich nicht, aber ich habe mittlerweile zwei davon.

Eine Frau, die gerne Konzertkarten hätte, sagt stattdessen: „Überrasch mich.“ Die Konzertkarten sind ihr nicht so wichtig. Aber es soll mit Liebe ausgesucht werden, einen tieferen Sinn haben und Emotionen wecken. Und was muss ich jetzt für so ein Liebes-Sinn-Emotions-Dings in der Suchleiste von amazon.de eingeben? Pragmatiker soll Romantikerin beschenken – das ist wie Prosecco beim Fußballgucken mit den Kumpels. Unmöglich! Also bitte: Gebt uns einen Hinweis, was ihr wollt.

2. Ein Arbeitskollege

Ich hasse Jonas. Jonas ist ein Arbeitskollege meiner Freundin und angeblich „wahnsinnig witzig“, hat einen „soooo süßen Hund“ und war „35. beim Berlin-Marathon“. Aha. 40 Arbeitsstunden in der Woche scharwenzelt dieser 35. um meine Freundin, lädt sie zum Mittagessen ein, hilft ihr beim Papierstau – und ich kann nur Daumen drehen und beten, dass sich Sonja nicht in ihn verliebt.

Dieses Ohnmachtsgefühl ist das Schlimmste. Wenn wir abends ausgehen, wird Sonja öfter mal angeflirtet. Aber dann stelle ich mich einfach dazwischen. Diesmal ist der Gegner unsichtbar, das ist ein ungleicher Kampf. Neulich habe ich gelesen, dass sich jedes dritte Paar am Arbeitsplatz findet . Hab ich schon erwähnt, dass ich Jonas hasse?

3. Der BH-Verschluss

Wir reden hier natürlich von der Königsdisziplin: einhändig und ohne hinzugucken. Das ist nicht ganz ohne. Allerdings habe ich während meiner Pubertät so viele BHs meiner Mutter um mein BVB-Kopfkissen geschnallt und wieder geöffnet, dass ich behaupten kann, es recht zuverlässig hinzubekommen. Trotzdem werde ich immer ein bisschen nervös, wenn meine grobschlächtigen Fleischerfinger zu den feinen Ösen wandern.

Immerhin eine Sache, die ich mit Naomi Campbell gemeinsam habe. Neulich habe ich gelesen, dass sie auf Modeschauen immer noch aufgeregt ist – obwohl sie den Job schon seit 20 Jahren macht. So ähnlich fühle ich mich auch. Jedes Mal denke ich mir: „Jetzt bloß keinen Fehler machen.“ Schließlich darf nur ein Arzt zu einer Frau sagen: „Machen Sie sich bitte obenrum frei.“

4. Der Jahrestag

Weil es so sicher ist wie Schnee auf der Zugspitze, dass wir ihn vergessen werden. Oder anders gesagt: Dass wir daran denken, kommt so selten vor wie der Halleysche Komet. Denn wenn ich aufwache, denke ich an die unangenehme U-Bahn-Fahrt ins Büro, an Termine, an meinen nörgelnden Chef. Da schießt mir eher selten der Gedanke in den Kopf:

„Oh, es war heute vor sieben Jahren, ein Dienstag, im Kino, Reihe F, Sitz 48, als ich das erste Mal ihre Hand hielt.“ Jahrestage sind für uns nur Blätter im Kalender. Einen Tag vorher oder nachher bin ich nicht weniger froh, damals ihre Hand gehalten zu haben. Deshalb vergessen wir Jahrestage häufig. Und dann seid ihr wütend und wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, das wiedergutzumachen. Der pure Stress.

5. Die Frage: „Welches Kleid steht mir besser?“

Jenny und ich waren zu einer Hochzeit eingeladen. Zwei Tage vorher stand sie vor dem Spiegel und probierte zwei Kleider an. Plötzlich drehte sie sich zu mir und fragte: „Welches Kleid gefällt dir besser?“ Ich antwortete: „Das linke.“ Ich Depp. Ich hatte keine Ahnung, dass Jenny das rechte Kleid extra für die Trauung gekauft hatte und nun bestätigt werden wollte. Ich hatte eine 50:50-Chance – und habe verloren.

Diese Frage ist wie russisches Roulette, bloß mit tagelangem Sexentzug statt einem schnellen Tod durch eine Kugel. Zu meiner Verteidigung: Sich Mode-Ratschläge von einem Geschlecht zu holen, für das T-Shirts mit der Aufschrift „Notarzt – ausziehen und hinlegen“ entworfen wurden, ist, wie ein Schwein um Börsentipps zu bitten. Der kluge Mann kennt daher nur eine Antwort: „Beide gleich.“ Und die kluge Frau fragt am besten erst gar nicht.

6. Ihr Vater

Sonjas Eltern feiern im April Silberhochzeit und sie findet, das wäre eine gute Gelegenheit, ihre Eltern kennenzulernen. Ich hingegen finde, das wäre ein guter Moment für eine Blinddarmentzündung. Gegen ihre Mutter habe ich nichts, aber ich kann mir Schöneres vorstellen, als von einem 50-jährigen Mann, der aussieht wie ein James-Bond-Bösewicht, verhört zu werden, ob ich gut genug bin für seine Prinzessin.

Per Waterboarding zum Beispiel. Schließlich ist das, als würde man Gollum den Ring entreißen und ihn anschließend überzeugen wollen, wie gut das runde Stück Gold bei einem selbst aufgehoben sei. Na ja, mal gucken. Neulich kam schon die Einladung mit einem Foto der Eltern. Jetzt weiß ich auch, warum Sonja immer möchte, dass ich mir einen Dreitagebart stehen lasse. Noch so ein Nachteil von Schwiegervätern: Sie beeinflussen den Männergeschmack ihrer Töchter.

7. Die gemeinsame Wohnung

Während ich diesen Text schreibe, liegen meine Schuhe auf dem Tisch, die Chipstüte krümelt neben mir auf dem Sofa und die Bierflasche wird auf dem Holztisch bestimmt einen Ring hinterlassen. Ich liebe es! Meine Bude ist der einzige Ort, wo ich sein kann, wie ich möchte. Wenn irgendwann eine Frau einzieht, ist mit der Freiheit Schluss.

Dann wird der Löwe domestiziert, bekommt Haussocken verpasst und muss um die Fernbedienung kämpfen. Diese Vorstellung drückt mir die Luft ab. Trotzdem: Jeden Tag neben der Liebe seines Lebens aufzuwachen ist sicher wunderbar, aber gewöhnungsbedürftig. Frauen, hört auf den Tipp, den mir ein Safariranger gab: sehr behutsam in das Revier des Tieres eindringen, sonst fühlt es sich angegriffen.

8. Der erste Sex mit ihr

Wenn ich das erste Mal mit einer neuen Freundin schlafe, kann ich es nicht genießen. Stattdessen denke ich die ganze Zeit: „Mag sie es lieber romantisch oder lieber hart?“ „Ist das Tempo richtig?“ „War ihr Exfreund besser als ich?“ „Ist mein Penis kleiner als seiner?“ „Ist sie von meinem Körper enttäuscht?“ „Was, wenn ich zu früh komme?“ Der erste Sex ist jedes Mal wie ein Pokerspiel, bei dem beide all-in gehen. Man hat lange Zeit geblufft und gelockt – und nun ist der Moment der nackten Wahrheit gekommen. Jeder muss seine Karten offenlegen und keine Schwäche bleibt dem Gegenüber verborgen. Ist doch wohl verständlich, dass uns da ein bisschen die Düse geht.

9. Ihr Aussehen

Kennen Sie die die Damokles-Legende? Ich erklär sie kurz: Damokles beneidete den Herrscher Dionysos um dessen Leben, woraufhin dieser Damokles einen Platz an seiner Tafel anbot. Über den Kopf des Buben hängte er ein Schwert, das nur an einem Pferdehaar baumelte. Daraufhin verzichtete Damokles lieber auf das königliche Leben und zog den sorgenfreien Alltag vor.

Mit Frauen verhält es sich genauso. Ich hatte mal eine Freundin, die modelte. Weiche Haut, große Augen, Kurven wie der Nürburgring. Fand ich spitze. Und die restlichen drei Milliarden Männer ebenfalls. Und sie alle machten ihr Komplimente. Ich hatte keine ruhige Minute, wenn sie alleine ausging. Ich war sicher: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unter all ihren Verehrern mal einer auftauchen würde, den sie interessanter findet als mich. Nicht umsonst heißt es: Besser geht’s immer.

10. Die beste Freundin

Ich war mal mit einer Frau zusammen, die hatte eine beste Freundin. Nennen wir sie einfach Emelie. Sie mochte mich nicht besonders. Leider hat meine damalige Freundin mit ihr über alles gesprochen. ÜBER ALLES. Also ganz bestimmt auch über die Nacht, als ich zu früh kam, oder meine Angst vor Hunden (hey … nur vor großen!).

Emelie war eine tickende Zeitbombe und jedes Mal, wenn unsere Clique zusammensaß, fühlte ich mich beklommen und unsicher. Oder anders gesagt: Ich hatte eine Scheißangst, dass die Bombe explodiert und Emelie gegenüber den anderen etwas verrät. Stellen Sie sich vor, Sie haben Nacktfotos auf Ihrem Laptop und nun wird Ihnen dieser geklaut und Sie fürchten jeden Tag, die Aufnahmen könnten irgendwo auftauchen …

11. Ihre Vagina

Bevor Sie lachen: Schon mal was von der „Vagina dentata“ gehört? Eine alte Legende über Vaginen mit Reißzähnen, die ihre Sexualpartner kas-trieren. Quatsch natürlich, aber daran sehen Sie, wie viel Ehrfurcht Männer vor der Vagina haben. Wir fürchten, was wir nicht kennen. Egal, ob äthiopisches Essen, das Gertrudenberger Höhlensystem oder eben Muschis. Wir wollen immer Bescheid wissen, damit wir stets Herr der Lage sind.

Bei der Vagina stochern wir aber leider völlig im Dunkeln. Klitoris, Klitorisvorhaut, innere und äußere Schamlippen – wir haben absolut keine Ahnung, welchen Zweck diese Organe haben oder wie sie funktionieren. Sonst wüssten wir ja auch, ob die Größe nun eine Rolle spielt oder nicht. Wir können bloß auf Erfahrungen aus alten Liebschaften zurückgreifen und hoffen, dass der nächsten Vagina das Gleiche gefällt.

12. Eine feste Beziehung

Dinge, die ich in meinem Leben noch erleben möchte: einen flotten Dreier, Sex mit einer Unbekannten auf einer Flugzeugtoilette, ein Jahr in Brasilien leben, mit einer Südländerin schlafen. Während Frauen zu Beginn einer neuen Beziehung von gemeinsamen Nachmittagen bei Ikea, kuscheligen Kaminabenden und Frühstück am Bett träumen, denke ich an all die Dinge, die ich noch vorhatte, und dass ich sie nun wohl nie werde machen können. Natürlich ist eine Beziehung etwas Wunderschönes. Aber erst mal fühlt es sich an wie ein kleiner Tod.

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