Davos – Paradies für Singles

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Singlereisen

Baggern auf Brettern – oder was ist ein Ski-Urlaub speziell für Singles? SHAPE-Autorin Christine Bredow hat eine Woche lang in der Schweiz den Selbstversuch gewagt. Ihr Fazit: viel Sport, Spaß und noch mehr Flirts.

Los geht's am Montagmorgen

Sehen Sie, was unsere Autorin in Davos erlebt hat (15 Bilder).

Ich sitze im Büro und starre sehnsüchtig zum Fenster raus. Draußen schneit es die dicksten Flocken, die ich je gesehen habe. Dazu scheint die Sonne, meine Ski stehen frisch gewachst im Keller – ich muss dringend in die Berge! Schnell eine SMS an alle Freunde: „Wer hat Lust auf eine Woche Winterferien?“

Na toll: Die Damen wollen lieber in die Karibik, mein bester Kumpel turtelt frisch verliebt auf den Malediven. Mal sehen, was das Internet so hergibt. Ich tippe ein: „Singles“ und „ Schnee “. Schon kommt der erste Vorschlag: „Kuscheln am Kamin in Courchevel“.

Nette Idee, nur: mit wem? Weiter: „Ski-Party in Sölden“. Klingt gut, doch primär möchte ich ja Ski fahren. Aber da: „,Sportclub Derby‘, Davos. Reserviert für Singles und Alleinreisende zwischen 25 und 45“. Bingo, das ist es!

Grüezi im Club

Eine Woche später checke ich nach einer gemütlichen Zugfahrt durch die tief verschneite Graubündner Berglandschaft im recht mondänen „Sportclub Derby“ ein. Der Schnee unter meinem Südbalkon glitzert in der Sonne , die Bergluft ist frisch und klar. Kein Wunder: Davos ist die höchst gelegene Stadt Europas und befindet sich auf 1.560 Metern. Gleich geht’s zum „Welcome-Abend“.

Mir ist etwas mulmig. Was, wenn es peinliche Kennenlern- gibt? Aber meine Sorge ist unbegründet: Unten im Salon ist die Stimmung entspannt und Teamer (so heißen hier die Mitarbeiter) Steffen hält eine Rede. Er erklärt die einzelnen Skikurse, das Rahmenprogramm und schließt ab mit den Worten: „Ich wünsche euch eine tolle Woche und viel Spaß auf der Piste !“

Beim anschließenden Drink an der Bar sondiere ich die Lage: 78 Singles haben eingecheckt, das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30, das Verhältnis Männer zu Frauen ist ausgeglichen, viele Studenten und Akademiker. Perfekt. Das finden auch die drei Jungs, die mir freundlich zuprosten: Andreas aus Berlin, Kai aus Marl, Tom aus Köln. Scheint lustig zu werden!

Ski Royal

Am nächsten Morgen nehmen wir alle gemeinsam um 9 Uhr den Ski -Bus zur Parsennbahn und fahren hoch aufs Weissfluhjoch. Die Aussicht auf die umliegenden Dreitausender ist fantastisch! Steffen erklärt das Terrain: „Wir befinden uns hier auf 2.662 Metern Höhe. Die Region Davos bietet 56 Liftanlagen in fünf Skigebieten : Parsenn, Jakobshorn, Pischa, Madrisa und Rinerhorn.“ Und er fügt grinsend hinzu: „Der Nachbarort Klosters ist übrigens der Lieblingsort der englischen Royals. Also nicht wundern, wenn ihr Prinz Charles oder Camilla trefft.“

Ich will direkt losdüsen, aber zuerst müssen wir uns aufwärmen. Im Duett mit Teamer Julian trägt Steffen ein selbst erfundenes Lied vor, wir sollen dazu gleichzeitig mit den Hüften wackeln, den Armen kreisen und versuchen mitzusingen – köstlich! Dann werden wir in Gruppen aufgeteilt. Das „ Wellness -Team“ fährt auf leichten Pisten. Das Motto der „Kamikaze-Crew“ lautet: „Wer nicht stürzt, geht nicht ans Limit.“ Oops! Ich entscheide mich für Gruppe drei: „Schön und schnell“.

Unter Steffens Anleitung erkunden wir bis mittags das weitläufige Skigebiet, dann gönnen wir uns auf der „Parsennhütte“ eine Brotzeit. Bei strahlendem Sonnenschein und 360-Grad-Panoramablick (www.parsennhuette.ch).

Vorglühen mit Glühwein

Am Nachmittag ist „freies Skilaufen“ angesagt. Ich fahre zusammen mit Andreas und Kai, die am Vormittag – als echte Kerle – natürlich im Kamikaze-Team waren.

Punkt 16 Uhr finden wir uns alle wieder im „Derby“ ein. „Glühweinparty zum Warmwerden“, heißt es. Prima Idee, nach dem zweiten Glas habe ich meine Bekanntschaften schon auf zehn aufgestockt. Dazu laufen Après-Hits von DJ Ötzi bis Coldplay. Quasi nahtlos geht es von da weiter zum Dinner (lecker: Davoser Quarkknödel!), danach hat Steffen eine Überraschung für uns.

Ein Kennenlern- – wusste ich’s doch! Aber es ist eigentlich ziemlich lustig: Die Teamer halten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Snowboarder“ oder „Skifahrer“, „ Single “, „Vergeben“ und „???“, und wir sollen uns unter das jeweilige Schild stellen. Sehr interessant. Vor allem, dass auch bei den Fragezeichen etliche Kandidaten stehen. Zu guter Letzt setzt Steffen noch eins drauf und präsentiert Tafeln mit „Etage 1/2/3“ etc. Da klinke ich mich dann doch lieber aus und gehe ins Bett. Übrigens allein.

Wenn Cowboys carven

Am nächsten Morgen melde ich mich mit Marga und Kati aus Kiel zum „Kurzschwung“-Kurs an. Die ideale Basis fürs Buckelpistenfahren. Skilehrerin Renate erläutert: „Beim Kurzschwingen braucht man den richtigen Rhythmus. Denkt euch einfach ein Lied und fahrt im Takt dazu. Der Oberkörper bleibt ruhig, nur die Beine bewegen sich. Und die Stöcke werden ganz bewusst eingesetzt. So, als wolltet ihr Bierdeckel aufspießen.“

Aha. Aber was für ein Lied nehme ich nur? Mir fällt bloß ein Partykracher von gestern ein, „Cowboy und Indianer“ von Olaf Henning. Hey, funktioniert erstaunlich gut! Im Laufe des Vormittags folgen noch einige Balance- und Koordinations-Übungen wie Fahren ohne Stöcke, mit Stöcken nach oben oder auf einem Bein.

Und siehe da: Am Nachmittag sausen wir souverän die steilsten Pisten hinab! Abends lädt Steffen zum Workshop ein. Er hält einen Vortrag, welcher Ski für wen richtig ist und worauf man bei den Schuhen achten sollte. Ich lerne: Meine bequemen Ski-Boots sind nicht optimal, weil der Fuß zu viel Spiel hat. Sprich: Ich verliere beim Drehen Schwung und muss mehr arbeiten. Ich mag sie trotzdem, meine Schmeichel- Schuhe .

Fall-Studien

Am vierten Tag steht das Skigebiet am Jakobshorn auf dem Programm. Einige machen Skikurse, andere fahren schon pärchenweise. Ich schließe mich vormittags einer Schneeschuh- Wanderung an und nehme danach Snowboardstunden bei Julian. Eine Herausforderung!

Zuerst lerne ich, sicher auf dem Brett zu stehen. Dann übe ich, auf der Kante zu rutschen, und zum Schluss schaffe ich sogar kleine Kurven. Wie oft ich dabei hingefallen bin, verrate ich lieber nicht. Aber es macht riesigen Spaß!

Wellness-Wonnen

Am späten Nachmittag ist Treffpunkt für alle im „Panoramarestaurant Jakobshorn“. Es gibt Käsefondue. Wunderbar, wie im „Asterix“-Comic plumpst ständig jemandem das Brot in den Topf. Beim ersten Mal passiert noch nichts, beim zweiten Fauxpas muss man ein Lied singen, der dritte kostet eine Lokalrunde. Gefährlich! Wie gut, dass wir um 20 Uhr die letzte Gondel nehmen müssen.

Heute werden keine Kurse angeboten, daher lege ich eine Skipause ein und gehe mit Andi ins „Erlebnisbad eau-là-là“. Eine Oase mit vier Pools, drei Saunas , Jacuzzi und Dampfbad. Behandlungen werden auch offeriert: Ich gönne mir eine Fußmassage , er wählt die Ganzkörper-Variante (je 66 Euro/55 Minuten). Danach relaxen wir auf der Sonnenterrasse mit Aussicht auf das Jakobshorn. Und den Blick auf Andis Sixpack gibt’s als nette Dreingabe dazu (www. eau-la-la.ch, Eintritt 6 Euro, mit Spa 17 Euro).

Kaffee, kuscheln, Karaoke

Der Rest des Tages gehört den drei großen „K“. Am Nachmittag testen wir beim Après-Spa das Davoser Kult-Getränk „Kaffee Pflümli Schümli“ im „Bolgen Plaza“. Die Skihütte am Fuß des Jakobshorns ist DER Treffpunkt zum Feiern, Chillen und Kuscheln im Strandkorb … (Korbmiete: 3 Euro für eine Stunde, www.bolgenplaza.ch). Das bringt uns in die richtige Stimmung für das Highlight der Woche: den „Singstar-Contest“ im „Derby“. Genau mein Ding, ich liebe Karaoke! Leider gibt es nach jedem gemeisterten Lied eine Caipirinha von Steffen. Fatale Kombi.

Uf widerluege, Davos!

Oje. Beim Frühstück wird mir klar: Ich hab gestern Abend nicht nur Elvis Presley zum Besten gegeben („Love Me Tender“), sondern mich auch an „My Way“ von Frank Sinatra und sogar „Somethin’ Stupid“ von Robbie Williams und Nicole Kidman versucht. Auch noch mit Andreas im Duett. Nie wieder Cocktails! Aber immerhin haben wir einen Trostpreis für den lustigsten Auftritt gewonnen: einen Gutschein für zwei Cappuccinos an der Hausbar.

Heute geht’s noch einmal auf die Piste. Diesmal im Pischa-Gebiet zum Tiefschnee- Training . Abends erwartet uns dann das legendäre Farewell-Candlelight-Dinner. Der Küchenchef kocht dafür noch mal richtig auf und kredenzt Spezialitäten der Region: Bündner Carpaccio (hauchdünnes Fleisch mit Kapern , Parmesan und Zwiebeln), Maluns (eine Art Kartoffelrösti mit Apfelmus) und Hexen-Polenta (mit Rosinen). Sie wird bei Vollmond gekocht und soll magische Wirkung haben …

An der Bar heißt es dann Abschied nehmen, großer Austausch von Mail-Adressen, Handynummern und Visitenkarten. Fazit meiner Single -Skireise: die ideale Urlaubsart für Sportliche und perfekt, um jede Menge nette Leute kennenzulernen. Ob Andreas und ich uns wiedersehen werden? Ich denke schon. Er hat nämlich demnächst rein zufällig geschäftlich in München zu tun. Und sonst vertraue ich einfach auf die Magie der Polenta.

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