Der erste Streit ist zukunftsweisend

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"Du bist viel zu süß, um sich jemals mit Dir zu streiten"
Foto: stock.xchng

Beziehungsstress

Wie sich Paare zoffen, hängt auch davon ab, wie lange sie zusammen sind. Eine Frau und ein Mann über das erste Mal − vom ersten Streit bis zum "Du verstehst mich einfach nicht!"

Sie sagt:

"Eine Beziehung ohne Streit ist wie ein Hund ohne Gebiss. " Harmlos und niedlich. Aber auch ungesund, nicht lebensfähig. Er und ich, wir werden deswegen irgendwann streiten müssen. Mit jeder Woche, die wir Händchen haltend verbringen, rückt auch Tag X näher. Wie wird unser erster Streit wohl ablaufen?

Wird er schreien? Das wäre nicht so schlimm. Schlimmer wäre, wenn er nichts sagen würde. Die meisten Männer seien so sozialisiert, sagen Psychologen: Entweder, sie sagen gar nichts. Oder sprechen ein Machtwort. Weil ein Mann immer so tun muss, als wüsste er über alles Bescheid. Deswegen nimmt er auch kaum ernst, was seine Partnerin sagt, wenn sie sich den Frust von der Seele redet. Mich macht so was erst richtig sauer.

Wenn er nur abwiegelt, sehen wir uns nach dem ersten Streit vermutlich nie wieder. Bestenfalls ist es aber wie neulich im Autoscooter: direkter Kurs aufeinander zu. Keiner will nachgeben, und es kracht. Beide werden durchgeschüttelt und müssen danach lachen. Und beschließen: beim nächsten Mal lieber im selben Scooter zu sitzen. Weil es einfacher ist, wenn die Richtung dieselbe ist − immer weiter rein in die Beziehung.

Er sagt:

"Der erste Streit in einer Beziehung ist so etwas wie eine Kristallkugel − er ermöglicht einem einen Blick in die Zukunft." Nicht die kleinen gekicherten "Du bist sooo doof"−Kabbeleien. Nein, der erste richtige Streit mit bösen Worten, mit Schreien, Heulen, oder eben vielleicht auch: Schweigen. Schweigen, weil man weiß, dass so vieles gerade auf der Kippe steht. Holt man jetzt den großen Hammer raus und kloppt alles kaputt und − das war es dann?

Spricht man Dinge aus, die man nachher nie mehr zurücknehmen kann? Oder lenkt man ein − bestenfalls, weil man ihre Perspektive versteht, schlimmstenfalls, weil einem die junge Beziehung zu egal ist, um sich richtig zu streiten?

Mit Frauen zu streiten ist gar nicht so leicht: Waren es eben noch die herumliegenden Zeitungen, um die es ging, ist es in der nächsten Minute der beste Freund. Oder der Geburtstag ihrer Mutter. "Von Frauen wird stärker erwartet, dass sie den Beziehungsmanager spielen", sagt der amerikanische Psychologe Tim Smith. Sie müssen viel öfter das ansprechen, was in der Beziehung schief läuft. Dabei verlieren sie aber gerne den Fokus, reden sich in Rage.

Oder weinen. Was einen richtigen Streit fast unmöglich macht − Tränen schwemmen alle Argumente weg. Aber selbst, wenn der erste Krach nicht gut läuft: Er ist irgendwann vorbei. Und die Zukunft, in die er einen hat blicken lassen, hat gerade erst angefangen.

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