Der Mann und die Handtasche

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Foto: Thinkstock

Bloggerin Adriana über Männer und Taschen

Manchmal, das gebe ich zu, nötige ich meinen Freund dazu, mich beim Kleidershoppen zu begleiten. Seine Begeisterung hierfür hält sich, wie ihr euch denken könnt, in Grenzen. Was soll er da? Na, mich beraten. Sagen: „Schatz, das steht dir ausgezeichnet!“ – aber natürlich nur, wenn dem auch so ist!

Manchmal, das gebe ich zu, nötige ich meinen Freund dazu, mich beim Kleidershoppen zu begleiten. Seine Begeisterung hierfür hält sich, wie ihr euch denken könnt, in Grenzen. Was soll er da? Na, mich beraten. Sagen: „Schatz, das steht dir ausgezeichnet!“ – aber natürlich nur, wenn dem auch so ist!

Würde ich also jemals bei einer Sendung wie „Shopping Queen“ mitmachen, würde ich meinen Freund an einen Lügendetektor anschließen. Noch war das nicht nötig, wir waren ja nur wegen ein paar Hosen auf Shopping-Tour. Die kann er, für einen Mann, sehr gut bewerten. Sitzen sie zu eng, zu weit, machen sie einen schönen Po? Manchmal bin ich der Meinung, er würde das als günstige und legale Ausrede nehmen um mir in der Öffentlichkeit auf den Hintern starren zu dürfen. Ich beklage mich nicht. Während wir also durch einen hoffnungslos überfüllten Laden watschelten, bemerkte ich die Gesichter von mindestens drei weiteren Herren, die als Shopping-Begleitung herhalten mussten, und die vermutlich eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt ohne Narkose vorgezogen hätten.

Marc, mein Freund, schien zumindest noch leicht amüsiert, als ich ihn auf dem Sofa vor den Umkleidekabinen parkte und mit drei Hosen hinter dem Vorhang verschwand. Statt über die Accessoires wie Schuhe zu meinen Hose nachzudenken, konnte ich mich der Frage nach dem „Warum?“ nicht entziehen? Warum sind Männer so genervt? Sicher, es ist nicht ihr liebstes Hobby, aber es ist auch kein Gang zur Schlachtbank, oder? Was ist es also, was sie so sehr an uns Frauen im Shopping-Wahn nervt?Ich startete also einen Feldversuch mit meinem Freund. Was würde er wie lange aushalten und wann würde seine Stimmung unweigerlich den Tiefpunkt erreichen?Zuerst die klassische Frage: Welche Hose soll es werden? Alle drei führte ich ihm vor, bei allen drei zeigte er sich begeistert, gab sogar sinnvolle Tipps wie: „Dazu kannst du deine roten Turnschuhe nicht anziehen.“ Oha, er kannte den Inhalt meines Schuhschranks auswendig. Guter Mann! Ich nahm mir vor, ihm bei Gelegenheit mal zu einem Fußballspiel zu begleiten. So als Ausgleich.Selbst bei der Wahl des Schmucks stellte er sich gut an, seine Laune war vielleicht nicht die Beste, aber es ging noch ohne Zickereien. Ist mein Mann also vielleicht die große Ausnahme? An der Schlange zur Kasse wurden wir Zeugen eines handfesten Streits des Pärchens vor uns. Worum es genau ging, konnten wir nicht so genau feststellen. Es fing mit dem Stress beim Shoppen an, aber bevor wir uns versahen, warf sie ihm etwas von wegen Socken unter der Couch und nassen Handtüchern auf dem Badezimmerboden vor.

Er hingegen regte sich über ihre Haare im Abfluss und die rosa Duftkerzen auf. Aha. Und dann, ganz ohne Vorwarnung, passierte es. Ich konnte aus dem Augenwinkel Marcs panischen Blick sehen, der dem des jungen Mannes vor mir verdächtig ähnlich sah. Seine Freundin hatte irgendwo weiter hinten noch ein Schnäppchen erkannt, drehte sich mit den Worten „Halte mal meine Handtasche!“ zu ihm hin und schoss quer durch den Laden davon.

Der Mann, der auch eine Handtasche abstellen kannUnd dann sah ich das Ausmaß des Horrors wie eine Massenkarambolage. Der Mann und die Handtasche. Marc drehte sich etwas verschämt weg, und vermied es, den armen Jungen anzusehen um ihn vielleicht noch mehr Peinlichkeit zu ersparen. Tatsächlich. Es gibt keine Möglichkeit, aber wirklich GAR keine Möglichkeit für einen Mann cool oder männlich zu wirken, während er eine Frauenhandtasche in der Hand hält. Nein, nicht mal eine Männerhandtasche sieht an ihm gut aus.Zuerst versuchte er, sie so lässig wie einen Turnbeutel zu halten, aber das erinnerte eher an Jorge aus „Let’s dance“ als an einen coolen Sportler. Der Versuch, sie lässig über der Schulter zu tragen, machte es dann noch schlimmer. Sogar Bruce Darnell würde an dieser Stelle aufgeben. Marc starrte auf seine Schuhspitzen, versuchte unsichtbar zu werden. So sieht er sonst nur aus, wenn meine Mutter ihn zur Hochzeitsplanung befragt ...„Marc, wärst du so gut und könntest kurz meine Taschen halten? Bin gleich wieder da.“ Entsetzen in seinem Gesicht, das tapfere Nicken, als er meine Tasche annimmt und ich hinter einem Regal mit Leggins verschwinde. Von hier aus beobachte ich ihn. Die beiden Männer tauschen einen Blick aus – so ähnlich muss es sich angefühlt haben, in den Krieg geschickt worden zu sein, möchte man meinen. Aber nein, sie sollen nur lässig eine Frauenhandtasche halten.

Es gelingt ihnen beiden nicht. Also stellt mein Freund die Tasche auf den Boden und tut so, als hätte er damit rein gar nichts zu tun. Stattdessen tippt er eifrig Dinge in sein Handy, als würde er nur rein zufällig neben dieser Handtasche stehen. Als es an der Kasse ein Stück nach vorne geht, schiebt er sie lässig und fast beiläufig mit seinem Fuß nach vorne. Fast bin ich stolz auf ihn. Denn auch aus der Entfernung sehen Handtaschen an Männern einfach unglaublich daneben aus. Aber mein Freund, der meinen Schuhschrank auswendig kennt und mir gute Tipps beim Schmuckkauf gibt, schafft es den peinlichen Moment mit seiner Lässigkeit zu überspielen – einfach herrlich. Voller Stolz marschiere ich an den anderen Damen und Herren vorbei, hebe meine Tasche auf und stelle mich neben ihn. Er lächelt erleichtert und scheint nicht zu verstehen, wieso ich ihn so stolz betrachte. Ja, ein echtes Prachtexemplar. Mein Mann kann – auch eine Handtasche abstellen.

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