Der Ohrgasmus

der ohrgasmus
Dirty Talk
Foto: Thinkstock

Kolumne: Sex to go

Dirty Talk ist Sex für Fortgeschrittene. Man muss schon Mumm haben, um so richtig unanständige Sachen zu sagen, aber die Überwindung lohnt sich: Nichts wirkt so erregend wie verbales Befeuern im Bett, findet Sophie Andresky.

Ein Mann, der klemmig schweigt, „da unten“ sagt oder von seinem „Kleinen“ spricht, fällt bei mir direkt durchs Raster. Nicht mein Beuteschema. Aber wenn einer die richtigen Worte findet, wird aus dem Sex viel mehr als eine rein körperliche Angelegenheit: ein Brainfuck. Sex für die Ohren ist eine Spielart für erwachsene Lover, also sollte man sich dabei auch so aufführen, schließlich sind wir keine kopulierenden Pokémons.

Was man beim Sex nicht sagen sollte, erfahren Sie in der Galerie (10 Bilder).

Babysprache kann ich nur ertragen, wenn sie sich auf flauschige Kätzchen bezieht. Wer im Bett „ein Stößerchen machen“ oder „das Popöchen bumfiedeln“ möchte, der soll sich bitte im Kaufhaus in der Schnullerabteilung amüsieren, aber nicht in meinem Bett. Auch superkreative oder zu blumige Wortakrobaten irritieren mich eher. Ich muss einfach zu viel überlegen, was es bedeuten soll, dass gleich „die Lanze an die Pforte klopft“.

Eine Möse ist eine Möse

Und wenn jemand das „Pfläumchen buttern“ möchte, denke ich an den Obstkuchen meiner Oma. Mit Streuseln. Der war köstlich, aber nicht unbedingt erotisierend. Auch auf fernöstliche Exotik stehe ich nicht wirklich. Wer es unbedingt asiatisch braucht, um in Stimmung zu kommen, der soll mich vor dem Sex zum Sushi einladen, aber wenn mich jemand auffordert, ihm „die Pandabärin, die die Bambusstange besteigt“, aufzuführen, der kann seine Frühlingsrolle gleich wieder einpacken.

Noch schlimmer ist nur Eso-Talk. Bitte, liebe Esoterikerinnen: Wiegt euch nackt im Wind auf La Gomera oder behandelt eure Menstruationsschmerzen mit Edelstein-Amuletten, aber sprecht nicht über Sex, als sei es eine Messe für die große Muttergöttin. Eine Möse ist eine Möse, von mir aus auch eine Vagina oder eine Muschi, aber keine Yoni, da höre ich nämlich Klangschalen scheppern und rieche Yogamatten und denke an unrasierten Buschwuchs.

Vulgär und ein bisschen obszön

Wer Yoni sagt, der umarmt im Wald auch Bäume und entschuldigt sich bei seinem Radieschen, bevor er reinbeißt. Gossenjargon dagegen weiß ich durchaus zu schätzen. Vulgär oder sogar ein bisschen obszön darf das verbale Befeuern gern sein. Etwas wie „Dein Fötzchen ist so geil“, höre ich schon nicht ungern. Allerdings macht meine Lust eine Vollbremsung, wenn es ins Beleidigende abdriftet. „Mach’s mir, du kleine Schlampe“, geht bei mir also gar nicht.

Forciertes Bettgeflüster kann durchaus eine knifflige Angelegenheit sein. Deshalb ist Reden vor dem Reden eine gute Idee. Man muss ja nicht gleich mit seinem Porno-Repertoire herausplatzen, sondern kann sich erst mal verständigen, welches Niveau beide sexy finden. Auch sich zum Vorglühen etwas Heißes vorzulesen, bevor man selbst zum Talkmaster wird, kann Hemmungen senken.

Dirty Talk als Vorspiel-Variante

Und falls einem mittendrin nichts mehr einfällt: Zu sagen, was man gerade macht oder erlebt, ist schon die halbe Kunst. Ein gestöhntes „Ich fick dich“ oder „Du bist so nass/hart/geil“ wirkt oft Wunder. Ein praktischer Nebeneffekt ist übrigens auch, dass man, wenn es mal wirklich etwas zu klären gibt, viel ungenierter über Sex sprechen kann. Außerdem bleibt die Aufmerksamkeit beieinander.

Wenn ich die Stimme meines Partners beim Vögeln höre, kann ich gar nicht abdriften zu Anthony Thet aus der letzten „X Factor“-Staffel, der doch schon einige Hauptrollen in meinen erotischen Träumen hatte. Und das Heißeste am schmutzigen Geplauder: Dirty Talk ist eine Vorspiel-Variante, die man auch in aller Öffentlichkeit tun kann. Gibt’s da noch eine?

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