Der Traummann kann warten!

der traummann kann warten

Kolumne: pssst ...

Warum es gut ist, wenn wir uns erst mal in die Falschen verlieben – JOY-Redakteurin Sandra Szjwach zieht Bilanz über ihre Nieten.

„Entspann dich, der Richtige kommt schon noch!“ Wie oft habe ich mir als bindungswillige Single-Frau diesen Satz in gönnerhaftem Ton anhören müssen. Heute (nicht mehr solo und viel erfahrener) weiß ich: Es ist durchaus gut, wenn Mr. Right erst mal Platz macht für all die Blender, Egomanen und Durchgeknallten dieser Welt, die sich den Weg in unser Herz erschleichen.

Woher sollten wir auch sonst wissen, dass der wahnsinnig kreative Schriftsteller mit Schreibblockade und chronischer Ebbe auf dem Konto wenig Potenzial hat, uns dauerhaft glücklich zu machen.

Oder Oliver. Nach den vier Monaten mit ihm erkannte ich ein für allemal, dass man bei Männern, die wöchentlich unter die Selbstbräunerdusche gehen und deren Schuhregal das Empire State Building mickrig aussehen lässt, immer nur eine Nebenrolle spielt – und zwar die einer Anziehpuppe.

Lachanfall nach dem Sex

Beim nächsten, Tom, hätte mich schon sein marineblauer Goldknopfblazer stutzig machen sollen. Doch ich willigte ein, als er sich – nachdem wir uns auf einer Party vorgestellt worden waren – gleich frech bei mir zum Essen einlud. Appetit hatte er wohl, aber weniger auf den Zander in Orangensauce.

Wir kamen nicht mal zur Vorspeise, dafür herrschte er mich eine Sekunde nach dem (erbärmlichen!) Sex an: „Jetzt steh aber auf und koch mir was, ich hab Hunger!“ Erst starrte ich ihn ungläubig an, dann bekam ich einen Lachanfall.

Ähnlich erging es mir mit Paul. Der blässliche Eventmanager entpuppte sich im Bett überraschenderweise als Möchtegern-Pornodarsteller , der stupide das Kamasutra durchexerzierte und sich dabei laut stöhnend selbstverliebt in meinem Spiegelschrank anschmachtete. Zum Glück sah ich ihn nur einmal wieder: Jahre später als dümmlich lächelndes Unterwäschemodel in der Wurfsendung von Lidl.

Erst der 13. ist Mr. Right

Ebenso wenig taugten: Weichspüler Lars, von dem ich drei Monate lang nur „Ja, Mäuschen“ und „Bist du süß, Mäuschen!“ zu hören bekam; Gefühlskrüppel Thomas, den ich für ein „Ich hab dich lieb“ wohl hätte foltern müssen, und Bindungsphobiker Max, dem meine Zahnbürste im Bad neben seiner schon zu viel Nähe war – nach einem halben Jahr! Im Nachhinein kann man sich über solche Storys ja wirklich amüsieren (und so manchen Mädelsabend bereichern), aber damals – gebe ich zu – war mir nicht immer nach Lachen zu Mute.

Heute weiß ich, dass man mit jeder abgehakten Niete näher ans Ziel kommt, den Richtigen zu entdecken. Zwei Berliner Psychologen haben jetzt herausgefunden, dass es durchschnittlich zwölf Männer (egal, ob lange Beziehungen oder One-Night-Stands) braucht, bis eine Frau genau weiß, was beziehungsweise wen sie will – und wen nicht.

Die Nummer 13 wäre dann also spätestens Mr. Right. Falls Sie jetzt auch gleich fieberhaft loszählen (wie ich’s getan habe), kann ich Sie beruhigen: Die Wissenschaft kann sich auch mal irren. Sollte sich mein aktueller Schatz tatsächlich als der absolut Richtige erweisen, dann hätte ich es jedenfalls schon etwas früher geschafft ...

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