Deshalb steckt Gähnen an

deshalb steckt gaehnen an

Geheimnisse des Alltags

Warum besteht beim Gähnen Gruppenzwang? Und warum wirkt der dann doch nicht bei jedem? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das an Spiegelneuronen und an unserem Einfühlungsvermögen liegt.

Der Kollege im Büro reckt und streckt sich mit einem herzhaften Gähnen - und kurz darauf können wir auch nicht anders. Diese Situation kennen wir doch alle, denn 40 bis 60 Prozent müssen mitgähnen. Aber was steckt dahinter? Laut Dr. Ferdinand Binkofski von der Lübecker Universitätsklinik für Neurologie neigen wir dazu, Bewegungen , die wir selbst gut kennen, automatisch nachzuahmen, wenn wir sie bei anderen beobachten". Der so genannte "natürliche Imitationsreflex" eben.

Die Affen von ParmaDie Vorgeschichte: Ein Team von Hirnforschern um die Italiener Vittorio Gallese und Giovanni Rizzolatti entdeckte schon 1992 in Parma bei Versuchen mit Affen zufällig die geheimnisvollen Hirnzellen . Die "mirror neurons" spiegeln die Bewegungen anderer wider und bilden die Grundlage für Intuition und Empathie. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Spiegelneuronen auch im menschlichen Gehirn vorhanden sind.

Wir lächeln auch gerne zurückDiese Nervenzellen können einerseits von sich aus eine Bewegung auslösen, nehmen andererseits aber auch die Bewegung anderer wahr und geben dann den Nachahmungsimpuls.

Aber nicht alles, was wir sehen, regt uns zur Imitation an. Meist ahmen wir genau das nach, was wir selbst oft und gerne tun - wie das Kratzen am Kopf, das Zupfen am Ohr oder das Lächeln.

Imitationsimpuls nicht immer aktiv Zum Glück bleiben uns im täglichen Leben peinliche Kettenreaktionen beispielsweise in wichtigen Meetings erspart. Das liegt daran, dass der Verstand den Imitationsimpuls meistens unterdrückt. Sind wir nicht ganz bei der Sache oder erschöpft, haben wir die Spiegelneuronen weniger gut im Griff.

Die Sache mit der IntuitionEin Forscherteam um Steven Platek von der Drexel University in Philadelphia hat untersucht, warum manche besonders empfänglich für den Ansteckungseffekt sind und andere immun zu sein scheinen. Dafür wurden Probanden Videos von gähnenden Menschen gezeigt. Das überraschende Resutat: Die Testpersonen, die gegenüber gähnenden Mitmenschen resistent waren, setzten sich auch in anderen Situationen schlecht in andere Menschen hinein.

Mitgähnen und sich miteinander verbündenWer jedoch während des Tests häufig mitgähnte, erfasste die Stimmungslage seines Gegenübers intuitiv. Durch das gemeinsame Gähnen eröffnet sich unbewusst eine Chance, sich mit dem anderen zu identifizieren und auch zu solidarisieren, vermuten die Forscher - das wäre auch ein evolutionärer Vorteil.