
Akupunktur gehört zu der 3000 Jahre alten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). "Viele Untersuchungen beweisen inzwischen, dass diese Methode bei vielen Erkrankungen hilft - oft auch dann noch, wenn die bisherige Behandlung nichts gebracht hat", sagt Dr. Helmut Rüdinger (64).
Er ist zweiter Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) und Lehrbeauftragter für Akupunktur an der Universität Hamburg.
Bei der Heilmethode wird die Haut an bestimmten Punkten mit feinen Nadeln stimuliert.
Sie bleiben 20 bis 30 Minuten in der Haut, während der Patient auf einer Liege entspannt. Die Punkte liegen auf Linien (Meridianen), in denen nach der TCM-Lehre die Lebensenergie Qi fließt. Der Experte: "Ist der Fluss dieser Energie gestört, können Beschwerden oder Krankheiten entstehen. Die Nadel-Therapie hebt solche Energieblockaden wieder auf. Viele Patienten spüren schon beim ersten Mal Linderung." Bei diesen Beschwerden wirkt die sanfte fernöstliche Heilmethode besonders gut:
Kopfschmerzen/Migräne: Heilung für die Nerven
In großen Studien wurde die Wirksamkeit besonders bei Kopfschmerzen nachgewiesen. "Wo Schulmediziner nicht weiter wissen, ist Akupunktur sehr erfolgreich", so Dr. Rüdinger. "Sie macht das Nervensystem wieder für heilsame Reize empfänglich." Meist wird zweimal pro Woche akupunktiert. Im Durchschnitt sind 15 Sitzungen nötig. Bei Migräne kann Akupunktur die Zahl der Attacken halbieren.
Rücken- und Gelenkschmerzen: 70 Prozent Erfolgsquote
In Krankenhäusern und Arztpraxen behandelt man Rücken- und Gelenkbeschwerden z. B. mit entzündungshemmenden Spritzen, Schmerzmitteln oder Massagen. Leider oft ohne Erfolg. Der Experte: "Aber das Nadeln ist bei 70 Prozent der chronischen Beschwerden erfolgreich. Bei akuten Beschwerden, wie z. B. Hexenschuss oder Gelenk-Verstauchung, sind es sogar 80 Prozent."

Heuschnupfen und Asthma: Hilfe für das Immunsystem
Neue Studien zeigen, dass Akupunktur auch gegen Allergien hilft. Dr. Rüdinger: "Bei Heuschnupfen setzt der Arzt Nadeln an Punkte, die das Immunsystem stärken, z. B. im Nacken- und Ellenbogenbereich. Meistens bessert sich der Heuschnupfen schon nach etwa acht Behandlungen.
Besonders wirksam ist eine zusätzliche Ohr-Akupunktur." Bei allergischem Asthma werden verschiedene Punkte stimuliert, die gezielt die Lunge stärken.
Regelbeschwerden: Hormone werden reguliert
Ein Ziehen im Unterleib, Krämpfe, Unruhe oder auch Übelkeit - das kennen viele Frauen. Und viele von ihnen begleitet das monatlich vor oder während der Regel, auch bis in die Wechseljahre, ohne dass Schulmediziner etwas dagegen tun können. Aber Akupunktur kann oft weiterhelfen.
Der Experte: "Die Therapie regt das Qi an, stillt effektiv Schmerzen, beruhigt die Nerven, entspannt die Muskeln und reguliert den Hormonhaushalt. Besonders gut kann man deshalb schmerzhafte, zu starke und/oder zu häufige Blutungen behandeln, außerdem das prämenstruelle Syndrom (PMS), für das vor allem Nervosität, Brustspannen oder Schwindel drei bis vier Tage vor der Regel typisch sind." Wie viele Nadel-Behandlungen nötig sind, ist individuell und richtet sich nach der Stärke der Beschwerden.
Wechseljahre: Warum auch die Nieren behandelt werden
Weil Akupunktur den Hormonhaushalt reguliert, hilft sie auch bei Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen. Nach der TCM-Lehre ist in den Wechseljahren oft auch die Lebenskraft der Nieren gestört, und das schwächt Eierstöcke und Gebärmutter. Akupunktur-Ärzte stimulieren deshalb meist auch das Nieren-Qi.
Schwindel/Tinnitus: Der Arzt sucht die Ursache
Diese Beschwerden sind nach Auffassung der TCM oft ein Signal für körperliche oder seelische Überlastung. Akupunktur-Ärzte fahnden mit ausführlichen Fragen und genauen Untersuchungen nach der möglichen Ursache. Stress, Sorgen oder auch Trauer können Organe wie Leber oder Nieren belasten.
Bei der Akupunktur werden dann die entsprechenden Haut-Punkte stimuliert. Löst Stress Schwindel oder Tinnitus aus, geben Akupunktur-Ärzte auch Tipps für gute Entspannungs-Methoden, wie z. B. Qigong.

Wo finde ich einen guten Arzt?
Damit Mediziner sich "Akupunktur-Arzt/-Ärztin" nennen dürfen, müssen sie eine Prüfung vor der Landesärztekammer bestehen. Am besten gehen Sie zu einem Arzt, der das sogenannte B-Diplom hat.
Adressen findet man im Internet auf der Seite www.daegfa.de. Nach Postleitzahlen sind die geprüften Mitglieder der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur mit ihren Diplomen aufgelistet.
Wann zahlt die Krankenkasse?
Eine Akupunktur-Sitzung kostet je nach Dauer und Aufwand zwischen 30 und 70 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in einigen Fällen, z. B. bei chronischen Rückenschmerzen oder chronischen Knieschmerzen durch Arthrose.
Manche Kassen übernehmen auch in anderen Fällen zumindest einen Teil der Kosten. Auf jeden Fall sollte man sich vorher bei der Kasse erkundigen.
Veröffentlicht in tina
