
In Deutschland werden immer mehr Frauen mit einer Partydroge willenlos gemacht. Die Täter bestellen sich die K.O.-Tropfen einfach im Internet.
Eigentlich soll es ein schöner Abend werden, als Vanessa vor sechs Monaten gemeinsam mit Bekannten einen Club in Hamburg besucht. Vanessa (31) bestellt einen Wodka, tanzt ausgelassen - doch plötzlich wird ihr schwindelig. "Ich fühlte mich wie in Watte gepackt", erinnert sich die 31-Jährige heute. Ihr ist übel, kalter Schweiß steht auf ihrer Stirn. "Bloß nichts anmerken lassen", denkt sie und schleppt sich in Richtung Toilette.
Das Letzte, an das sie sich erinnert, sind die Blicke der anderen Gäste, dann wird alles schwarz. Als Vanessa am nächsten Morgen aufwacht, liegt sie, nur mit T-Shirt und Jacke bekleidet, in ihrer Wohnung auf dem Bett. Sie ist schwach, ihr Unterleib schmerzt - und ihr Slip liegt zerrissen neben ihr auf dem Boden.
K.O.-Tropfen: So können Sie sich schützen
K.O.-Tropfen1. Achten Sie darauf, woher Ihr Getränk kommt Schauen Sie dabei zu, wenn Ihr Getränk eingeschenkt wird, und gehen Sie mit an den Tresen, wenn Sie eingeladen werden - so wissen Sie genau, was in Ihrem Glas ist. K.O.-Tropfen2. Behalten Sie Ihr Glas im Auge Passen Sie immer auf Ihr Getränk auf. Falls Ihr Lieblingslied gespielt wird und Sie unbedingt tanzen möchten, sollten Sie es einer Freundin anvertrauen. K.O.-Tropfen3. Bleiben Sie zusammen Wenn Sie mit Freunden unterwegs sind, sollten Sie gemeinsam zur Party gehen - und diese auch wieder gemeinsam verlassen. Falls Sie sich nicht gut fühlen: Lassen Sie sich nach Hause begleiten. K.O.-Tropfen4. Informieren Sie andere Geben Sie Freunden oder dem Personal Bescheid, wenn Ihnen plötzlich übel, schwindlig oder dämmrig wird bzw. Sie anders als sonst auf Alkohol reagieren. K.O.-Tropfen5. Rufen Sie den Notarzt Falls Sie glauben, dass Sie unter dem Einfluss von K.0.-Tropfen stehen, sollten Sie sofort den Notarzt rufen. Die Tropfen können im Zusammenspiel mit Alkohol zum Beispiel zu Atemstillstand führen. K.O.-Tropfen6. Äußern Sie Ihren Verdacht klar Nicht immer denken Ärzte daran, dass noch mehr als Alkohol im Spiel sein könnte. Bitten Sie darum, dass Sie auf K.O.-Tropfen getestet werden. K.O.-Tropfen7. Beweise sichern Lassen Sie Freunde Gläser mitnehmen, aus denen Sie getrunken haben. Falls Sie nicht direkt zum Arzt gehen wollen, sollten Sie selbst eine Urinprobe nehmen und diese in den Kühlschrank stellen. K.O.-Tropfen8. Lassen Sie sich beraten Frauennotrufe und -beratungsstellen unterstützen, informieren und vermitteln. Eine bundesweite Übersicht finden Sie unter www.frauen-gegen-gewalt.de |
An das, was in der Club-Nacht vor sich ging, kann sich Vanessa nicht erinnern - die Ungewissheit ist das Schlimmste. Das Problem: K.O-Tropfen sind in höheren Dosen nur bis zu 72 Stunden im Blut oder im Urin nachweisbar, in kleineren Dosen nur um die 8 Stunden nach Einnahme. Die Täter sind deshalb im Nachhinein extrem schwer zu überführen.
Erst drei Tage nach der Tat traute sich Vanessa, zu ihrem Frauenarzt zu gehen. Er stellte keine Verletzungen im Intimbereich und keine Spermaspuren fest - sie ist nicht vergewaltigt worden. "Aber ich frage mich: Hat er mich begrapscht? Wollte er mehr? Hat er Fotos gemacht? Und wenn ich unterwegs bin, schaue ich mir die Männer an, die mir auf der Straße entgegenkommen, und rätsele: War es der? Oder der?"
Eine Anzeige hat Vanessa nicht erstattet. "Das hätte doch nichts gebracht", sagt sie. Nun macht sie eine Therapie, muss lernen, wieder Vertrauen zu anderen zu fassen. Und sie muss lernen, dass sie nicht ein willenloses Opfer, dass ihr Körper ihr Eigentum ist. Noch ist allzu oft die Angst ihr Begleiter, wenn sie abends ausgeht.
Veröffentlicht in Laura
