• Gewinnspiele
  • Promi-News
  • Partner
    Anzeige: Finanzen.de
  • Produkttest
 WUNDERWEIB » DIÄT & GESUND » Gesundheit » Depression

Interview mit Dagmar Ruhwandl, Fachärztin für Psychatrie und Psychotherapie


Burnout: Ursachen, Therapie und Zahlen


von ANNA BRÜNING
Fast jeder kennt jemanden, der betroffen war oder ist: Burnout ist zum Volksleiden geworden. Unter steigenden Arbeitsbelastungen, der Informationsflut und dem gesellschaftlichen Druck brechen immer mehr Menschen zusammen. Besonders Frauen sind betroffen. Oft sind langwierige Therapien die Folge - das schadet auch der Wirtschaft. Wir haben bei Expertin Dagmar Ruhwandl nachgefragt, wieso heute kaum noch jemand entspannt ist, was wir gegen den Stress tun können und welche Tipps sie für den Alltag hat.
burnout therapie
Foto: Marijan Murat
Dagmar Ruhwandl ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Lehrbeauftragte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU München und Geschäftsführerin von Burnoutprävention-Consulting.

WUNDERWEIB: Wieso steigt die Zahl der Burnout-Fälle so immens?

Dagmar Ruhwandl: "Unsere Arbeitswelt hat sich verändert. Immer mehr Menschen arbeiten in Dienstleistungsberufen, immer weniger in landwirtschaftlichen Betrieben oder im produzierenden Gewerbe. Kommunikationsfähigkeit wird dadurch zum entscheidenden Faktor für Erfolg. Selbst Ingenieure oder Handwerker haben heutzutage viel mit anderen Menschen zu tun – über Zeitzonen und Kulturen hinweg – und sind dadurch stärker gefährdet, auszubrennen. Zudem steigt der Zeit- und Leistungsdruck durch die Globalisierung. Die einfachen Aufgaben übernehmen Computer und Maschinen – die komplexen, die viel Konzentration fordern, bleiben bei den Menschen. Diese Arbeitsverdichtung belastet."

Woher kommt der Druck, alles perfekt machen zu wollen? Und wieso sind Frauen meist perfektionistischer als Männer?

Dagmar Ruhwandl: "Perfektionismus liegt bei manchen in den Genen, bei anderen in der Familiengeschichte begründet. Doch auch der gesellschaftliche Druck spielt eine große Rolle: Früher wäre es undenkbar gewesen, die Kinder jeden Nachmittag zum Tennis, in die Musikschule, zum Schwimmen, usw. zu fahren; heute ist der perfekt durchorganisierte Tag mit Job und Familie gesellschaftlicher Konsens. Wer nicht gestresst ist, gilt als Exot! Frauen sind besonders unter Druck, da sie zwei Rollenmuster verbinden wollen: Sie möchten die perfekte Hausfrau sein, wie es die eigene Mutter war und die große Karriere machen, so wie der Vater es vorgelebt hat. Dass die Mutter keinen Fulltime-Job und der Vater sich nicht um den Haushalt gekümmert hat, wird oft vergessen. Diese doppelten Ansprüche sind nicht umsetzbar."

Wer ist besonders gefährdet?

Dagmar Ruhwandl: "Es gibt zwei Persönlichkeits-Typen, die besonders gefährdet sind:

  • Menschen, die es schätzen, wenn „alles beim Alten“ bleibt. Sie brauchen feste Muster und Gewohnheiten, um sich wohlzufühlen – Veränderungen empfinden sie als belastend.
  • Menschen, die viel Dynamik im Leben brauchen, Veränderungen mögen und immer unter Strom stehen – aber nicht regenerieren können. Diese Menschen wollen und machen viel, können danach aber die Kraft nicht mehr so leicht zurück gewinnen. Die Anzahl der Arbeitsstunden spielt keine große Rolle. Andere Parameter im Job sind wichtiger: Wertschätzung, Sinnhaftigkeit, Freiheiten und das Verhältnis zum Vorgesetzten. Nach der Arbeit ist die Regenerationsfähigkeit entscheidend.

burnout therapie
Foto: Fotolia
Irgendwann geht gar nichts mehr. Holen Sie sich schon vorher Hilfe, um es nicht soweit kommen zu lassen.

Das Internet macht Vieles leichter: schnellere Informationen, leichtere Kommunikation. Dennoch fühlen wir uns dadurch stärker belastet. Wieso?

Dagmar Ruhwandl: "Die Informationen werden verdichtet. Vor langer Zeit konnte man sich nur mit Rauchzeichen verständigen, heute prasseln unzählige Informationen aus verschiedensten Kanälen auf uns ein. So kommt man zwar schneller an eine Telefonnummer, muss aber viel mehr Informationen verarbeiten. Ein ,Web-Jahr' entspricht der Informationsflut von etwa drei bis fünf Jahren aus der Zeit, in der es noch kein Internet gab."

Einen Gang runterschalten? Gern! Doch dann bricht das Chaos in der Wohnung aus und der Chef ist sauer, weil Aufgaben nicht fertig werden. Wie geht es richtig?

Dagmar Ruhwandl: "Wer weniger tun will, muss klare Prioritäten setzen. Was ist wirklich wichtig, was kann ich von meiner Liste streichen? Und auch: Kann ich mich nicht an ein bisschen Chaos gewöhnen? Viele Dinge, gerade im Haushalt, sollte man grundlegender angehen. Wer sich ärgert, jeden Tag saugen zu müssen, kann die Regel einführen, dass Schuhe vor der Tür ausgezogen und abgestellt werden. Auch ein klärendes Gespräch mit dem Chef wirkt oft Wunder. Wer selbst nicht mehr priorisieren kann, wer alle Aufgaben erledigen muss, braucht Hilfe von außen. Eine Putzfrau für die Hausarbeit, oder auch nette Kollegen, mit denen man die Arbeit teilen kann. Dabei gilt: Je ausgeglichener man ist, desto mehr Aufgaben gehen einem leicht von der Hand. Für Menschen, die schon völlig ausgebrannt sind, sind selbst Kleinigkeiten nicht mehr zu schaffen."

Wo ist der Unterschied zwischen einem Burnout und einer Depression?

Dagmar Ruhwandl: "Burnout ist keine Diagnose, sondern nur ein Grund, zum Arzt zu gehen. Die häufigsten Diagnosen, die bei Burnout-Symptomen gestellt werden, sind somatoforme Störungen, Angststörungen oder Depressionen. Tatsächlich ist ,Burnout' die gesellschaftsfähigere Formulierung – eine Krankheit ist es aber nicht." Ob man selber betroffen ist kann man zum Beispiel hier testen.

Müde und erschöpft, keine Lust, rauszugehen – solche Tage kennt jeder. Wann wird es gefährlich?

Dagmar Ruhwandl: "Jeder hat seine eigenen Mechanismen, um zu regenerieren und Kraft zu schöpfen. Wenn diese Methoden plötzlich nicht mehr funktionieren und nichts dabei hilft, ein normales Wohlfühl-Level zu erreichen, sollte man aufhorchen. Es ist sinnvoll, sich früh Hilfe zu holen. Das kann eine professionelle Beratung sein, die präventiv schon mit wenigen Sitzungen das Problem löst, oft hilft auch schon das offene Gespräch mit einem guten Freund oder einer guten Freundin. Machen Sie ein verlängertes Wochenende, an dem Sie nur Dinge tun, auf die Sie Lust haben – auch das hilft vielen, um sich endlich mal wieder wohlzufühlen. Wer zu lange wartet, muss mit längeren Therapie-Zeiten rechnen. Wenn Patienten zu mir kommen, die bereits aus psychischen Gründen krankgeschrieben sind, dauert die Behandlung etwa eineinhalb bis zwei Jahre."

Kann man nach einem heftigen Burnout wieder zurück in den alten Job?

Dagmar Ruhwandl: "Ja, das ist sogar die Regel. Die Denkmuster ändern sich durch die Behandlung – dann geht man ganz anders mit dem Job um. Es ist sehr selten, dass jemand nicht zurück will oder kann. Bei Härtefällen kommt es vor, dass sogar eine Frührente unumgänglich ist. Das ist zum Glück sehr selten. Manche wechseln die Abteilung oder übernehmen neue Aufgaben, generell ist eine Rückkehr aber problemlos möglich."

FOTOGALERIE

7 Tipps zur Vorsorge

Burnout: Schnelle Hilfe, bevor es zu spät ist

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

Dagmar Ruhwandl ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Lehrbeauftragte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU München und Geschäftsführerin von Burnoutprävention-Consulting. Uns hat sie die besten Tipps verraten, um ein Burnout zu verhindern.

1. Gestehen Sie sich die Situation ein! Es ist wichtig, offen mit Ihrer Überlastung umzugehen. Sprechen Sie mit Freuden darüber und lassen Sie Hilfe zu, anstatt alles in sich hineinzufressen!

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

2. Setzen Sie Prioritäten! Niemand kann alles perfekt machen. Streichen Sie Dinge, die nicht unbedingt erledigt werden müssen von ihrer To-Do-Liste.

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

3. Sie haben mal Yoga oder Meditation gelernt? Dann lassen Sie diese Entspannungsmethode wieder aufleben! Auch autogenes Training hilft. An jeder Volkshochschule können Sie verschiedene Entspannungsmethoden erlernen. Probieren Sie es aus!

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

4. Überlegen Sie, in welcher Lebensphase es Ihnen richtig gut ging und woran das lag. Waren Sie im Sportverein oder im Chor? Hatten Sie mehr Kontakt zu einer bestimmten Freundin? Versuchen Sie, diese Dinge wieder in Ihr Leben zu integrieren.

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

5. Nehmen Sie Hilfe an! Nachbarn und Freunde können mehr entlasten, als man denkt. Auch eine Putzhilfe oder kirchliche Einrichtungen helfen. Machen Sie eine Liste, wer was für Sie tun kann und wie viel es kostet. Wagen Sie dann den ersten Schritt und tun Sie das, was Ihnen am leichtesten fällt, zuerst. Es kann auch ein Wohlgefühl sein, wenn andere Menschen Aufgaben übernehmen!

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

6. Gönnen Sie sich Kommunikations- und Informationspausen. Schalten Sie beispielsweise einen Tag lang das Handy aus.

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

7. Fragen Sie sich immer, woran es liegt, dass Sie gestresst sind. Jeder Mensch ist anders; finden Sie selbst heraus, wo bei Ihnen die Ursachen stecken und was helfen könnte!

Schnelle Hilfe, bevor es zum Burnout kommt: Sieben Tipps der Expertin

Weitere hilfreiche Tipps und Informationen finden Sie im Buch "Erfolgreich ohne auszubrennen" von unserer Expertin Dagmar Ruhwandl (Klett-Cotta, 14,95 Euro).

TEXTGALERIE

Die neue Volkskrankheit: Alles über das Burnout-Syndrom


Veröffentlicht in WUNDERWEIB
Tags:   Stress |  Burn Out |  Psyche
Burnout muss nicht sein!
Luxus im Spa genießen

Wellness

Ab und zu brauch man einfach eine Auszeit: Ab ins Spa!

Auszeit im Spa
Stress-Symptome entschlüsselt

Geheime Warnzeichen

Stress-Symptome: Oft will der Körper uns mitteilen, wann es ihm zu viel wird.

Stress-Symptome
Alles über Stresstypen

Umgang mit Stress

Stresstypen: Und wie gehen Sie mit Stress um?

Die fünf Stresstypen
Die besten Anti-Stress-Lebensmittel

Die Top 10

Kennen Sie schon die Top 10 der besten Anti-Stress-Lebensmittel?

Anti-Stress-Food

Kommentare: Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Sport gegen Stress

Bewegung hilft!

Gegen Stress hilft es, Sport zu treiben. Wir verraten, warum das so ist.

Beugen Sie vor
Gesund statt gestresst

50 Gesundheits-Tipps

Ist Ihr Körper gesund, verspüren Sie viel weniger Stress.

Zu den Tipps
Was ist Stress?

Zu viel macht krank

Stress gehört zwar zum Leben, zu viel davon macht jedoch krank.

Alles über Stress
Wenn Stress uns krank macht

Begleiterscheinung

Krank durch Stress: Das sind die Begleiterscheinungen.

Krank durch Stress
Das Schutzschild gegen Diabetes

Fit mit Magnesium

Studien zeigen, wie wichtig Magnesium ist.

Zum Magnesium
Multitalent Magnesium

Rundum fit!

Neue Studien zeigen, wie wichtig der Mineralstoff für uns ist.

Zum Magnesium
Wundermittel Magnesium

Von Kopf bis Fuß

Von Rückenschmerzen bis Diabetes: Das Wundermittel Magnesium hilft.

Zum Wundermittel