
Definition, Ursachen und Krankheitsverlauf
Gefühlsblindheit beschreibt ein Leben auf emotionaler Distanz. Gefühle bewegen die Welt. Doch mindestens zehn Prozent der Bundesbürger haben damit ein großes Problem. Sie können Gefühle nicht richtig wahrnehmen, ausdrücken und nachvollziehen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Nie lässt ein romantischer Abend ihr Herz höherschlagen, sie verstehen nicht, wenn andere weinen, und bleiben unbeteiligt, obwohl es Grund zum Jubeln gibt. Die Unfähigkeit, sich in das Innenleben der Mitmenschen hineinzuversetzen, führt vor allem in Partnerschaften zu gravierenden Konflikten. Auslöser können unverarbeitete Schicksalsschläge sein, die eine traumatische Belastungsstörung auslösten. Auch eine Kindheit ohne liebevolle Zuwendung, in der kaum über Seelisches gesprochen wurde, vermuten Psychologen als Ursache für das distanzierte Verhalten.
Messungen der Gehirnaktivität ergaben, dass wahrscheinlich die Signalübertragung vom "limbischen" Gefühlszentrum zur Hirnrinde gestört ist. So wird die bewusste Wahrnehmung von Empfindungen verhindert. Gefühlsblinde sind häufig distanziert und unbeteiligt. Gespräche über Emotionen werden möglichst umgangen. Sie reden dagegen lieber über fachliche Themen. Die Betroffenen erkennen, dass eine Kluft sie von anderen Menschen trennt. Sie versuchen, darüber hinwegzutäuschen und nicht aufzufallen. Viele stehen deshalb unter ständiger Anspannung. Nicht selten kommt es zu Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Depressionen und Alkoholismus.

Behandlung
Gefühlsblindheit ist nicht vom einen auf den anderen Tag zu behandeln. Gesprächs-, Verhaltens- und Gruppentherapien helfen, Betroffenen wieder einen Zugang zur Gefühlswelt zu verschaffen.

Vorbeugen und Selbsthilfe
Wenn es sich bei der Ursache für Gefühlsblindheit um Schicksalsschläge handelt, die eine traumatische Belastungsstörung auslösten, ist eine Vorbeugung nicht möglich, da man auf Schicksalsschläge keinen Einfluss hat. Um Kinder vor einer späteren Gefühlsblindheit zu schützen, sollte man bereits sehr früh mit ihnen über Seelisches sprechen und in einfühlsamen und spielerischen Gesprächen fragen, was sie beschäftigt und bewegt. Außerdem ist es sehr wichtig, die Gefühle von Kindern ernst zu nehmen und liebevoll mit ihnen umzugehen. Je früher ein normaler Umgang mit Gefühlen erlernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, später an Gefühlsblindheit zu leiden.
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