Diagnose Hörsturz – das stille Leiden

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Wir lieben es, den Geräuschen zu lauschen - wichtig, dass unser Gehört gut funktioniert.
Foto: Corbis

Wenn sich das Ohr taub anfühlt

Wie der Infarkt im Innenohr entsteht, welche Therapien am besten helfen.

Das Gefühle kam ganz ohne Vorwarnung. Birgit Dreyer verspürte morgens beim Frühstücken plötzlich einen starken Druck auf ihrem linken Ohr. Kurz danach konnte die 67-Jährige kaum noch hören. Als die Beschwerden nach ein paar Stunden nicht nachließen, fuhr die Rentnerin zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO). Die beunruhigende Diagnose: Hörsturz!

Wie kann ich einen Hörsturz bemerken?

Der Hörsturz kündigt sich fast immer durch einen starken Druck, meist auf nur einem Ohr, an. Es folgt eine starke Einschränkung des Hörvermögens, das betroffene Ohr fühlt sich seltsam taub an. Damit einhergehend können Schwindel und quälende Geräusche, der sogenannte Tinnitus, auftreten.

Wie entsteht das Taubheits-Gefühl?

Hauptursache ist ein sogenannter Ohr-Infarkt, eine Durchblutungsstörung in den kleinsten Gefäßen des Innenohrs. Dort sitzen die Haarzellen. Über diese Sinneszellen werden akustische Reize aufgenommen. Bekommen sie zu wenig Blut und Sauerstoff, werden die Schwingungen der Töne nicht mehr ans Gehirn weitergeleitet.

Folge: Der Betroffene hört schlecht. Wenn die Haarzellen über einen längeren Zeitraum nicht mehr arbeiten, sterben sie ab und sind nicht mehr zu retten. Doch früh behandelt kehrt das Hörvermögen in mehr als 80 Prozent der Fälle vollständig zurück. Sobald man ein plötzliches Taubheitsgefühl verspürt, ist es daher wichtig, am besten sofort, spätestens aber nach zwei Tagen, zum Facharzt zu gehen.

Kann Stress das Gehör schädigen?

Experten sind sich sicher, dass seelischer Stress dazu führt, dass die Zellen des Innenohrs zerstört werden. Hervorgerufen wird der Stress beispielsweise durch übermäßige Anstrengung, zu viel Lärm oder traumatische Erlebnisse. Verstärkt werden können die Beschwerden durch Virus-Infekte, hohe Cholesterin-Werte, Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen. Wer also das Rauchen aufgibt, senkt nicht nur sein Bluthochdruck-Risiko, sondern ist auch weniger anfällig für einen Hörsturz.

Wie wird die Krankheit am besten behandelt?

Mithilfe eines Hörtests (Audiogramm) stellt der Arzt zunächst fest, ob das Ohr bereits geschädigt ist. Es gibt verschiedene Therapien. Welche die richtige ist, entscheidet der Arzt individuell. Die wichtigsten Behandlungsverfahren:

1. Infusion-Therapie: Hier wird zwei Wochen lang täglich per Tropf ein sogenannter Plasmaexpander zugeführt. Dieser sorgt dafür, dass sich das Blut verdünnt. Zusätzlich werden Präparate verordnet, die die Durchblutung anregen.

2. Kortison-Therapie: Bewährt hat sich in vielen Fällen das Verabreichen von Kortisonpräparaten, zum Beispiel per Spritze. Dafür muss der Arzt nach einer örtlichen Betäubung mit einer feinen Nadel durch das Trommelfell piksen. So gelangt der Wirkstoff in höherer Konzentration ins Mittelohr, kann per Diffusion in das Innenohr gelangen. Durch die Injektion werden Entzündungen gestoppt, die häufig für die Durchblutungsstörung im Ohr verantwortlich sind. Zudem klingen Schwellungen ab und der Druck auf dem Ohr lässt deutlich nach.

Bei etwa acht von zehn Betroffenen bessert sich das Beschwerdebild eines Hörsturzes schon innerhalb der ersten drei Tage. Nur in seltenen Fällen kann es zu einem Loch im Trommelfell oder zu Leiden wie Mittelohrentzündungen kommen. Aber auch hierfür gibt es zum Glück sehr effektive Heilverfahren.

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