Die dicksten Diät-Lügen

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Diät-Hungrige stehen ständig auf der Waage. Falsch! Messen Sie lieber Taille und Hüfte, die zeigen Erfolge besser an
Foto: Paul Maguire, fotolia

Zucker geht auf die Hüften. Mahlzeiten nach 18 Uhr auch. Jahrelang wurden uns solche Märchen aufgetischt. Schluss damit! Wer in Zukunft abnehmen will, sollte weiterlesen. Denn hier kommen Infos mit echtem Nährwert.

Die einen fasten. Die anderen praktizieren FDH ("Friss die Hälfte" ). Umfragen ergaben: Jede zweite Frau zwischen 20 und 60 Jahren hat schon mal eine Diät gemacht. Fast jeder zweite Bundesbürger will dieses Jahr lästige Pfunde verlieren. Und für satte 56 Prozent der Frauen ist es besonders wichtig, dass Essen nicht dick macht. Eindeutig: Das Diät-Fieber geht um! Doch: Warum passiert es eigentlich immer wieder, dass viele Abnehm-Willige am Ende doch keine Pfunde verlieren (oder sie schnell wieder drauf haben )? Wahrscheinlich sind sie den Mythen der modernen Märchenerzähler aufgesessen. Praktisch jedes Lebensmittel ist von Vorurteilen und Fehlbewertungen betroffen. Dabei kann es ganz einfach sein, abzunehmen und sich dabei auch gesund zu ernähren. Man muss nur wissen, wie. Deshalb hier die dicksten Diät-Lügen - und was wirklich dahinter steckt.

  • 1. Zucker macht dick!

Das glauben rund 70 Prozent der Deutschen. Doch der Göttinger Ernährungsforscher Prof. Dr. Volker Pudel fand heraus: Zucker allein kann nicht dick machen. Unser Körper ist nicht in der Lage, ihn direkt in Fett umzuwandeln. Er wird vielmehr als Stärke in den Muskeln gespeichert und zum Beispiel beim Sport als Energiereserve abgerufen. Wenn wir zunehmen, dann nur, weil wir dem Körper generell mehr Kalorien zuführen, als wir verbrauchen. Übrigens, brauner Zucker ist nicht gesünder als weißer: Beide enthalten die gleichen Bestandteile, der Braune bekommt nur etwas mehr Sirup zur Färbung.

  • 2. Zu viel Salz im Essen verhindert das Abnehmen!

Stimmt nicht. Salzreiche Kost lässt unseren Körper zwar mehr Flüssigkeit speichern (deswegen wiegen wir nach hohem Salzgenuss kurzweilig vielleicht etwas mehr). Umgekehrt lässt uns salzarmes Essen mehr Wasser ausscheiden, wir verlieren mehr Gewicht. Aber Ernährungsforscher fanden heraus: Einen dauerhaften Einfluss auf die Figur hat die Salzmenge nicht, denn die Fettdepots im Körper bleiben davon völlig unangetastet. Übrigens: Bis zu drei Gramm täglich sind erlaubt.

  • 3. Essen nach 18 Uhr geht direkt auf die Hüften!

Wieder falsch! Das eigene Gewicht wird nicht durch die Tageszeit, sondern durch die Energiebilanz beeinflusst. Für den Organismus ist es unwichtig, ob Sie morgens, abends oder sogar nachts essen. Wichtig ist, wie viele Kalorien Sie aufnehmen - und vor allem wieder verbrennen!

  • 4. Fett macht fett!

Irrtum, sonst gebe es wohl die bekannte Atkins-Diät nicht, die fast ausschließlich auf Fett und Eiweiß basiert. Außerdem ist der Stoff lebenswichtig: Die Vitamine A, D, E und K könnte unser Körper ohne Fett nicht verwerten. Generell gilt aber: Finger weg von gesättigten Fettsäuren (zum Beispiel in einigen Fleisch- und Wurstsorten, Pommes), sie erhöhen die Blutfettwerte. Her mit den ungesättigten Fetten in Oliven- oder Distelöl, Seefisch (zum Beispiel in Lachs, Makrele), Avocados.

  • 5. Wer abnehmen will, muss hungern!

Das ist Schnee von gestern. Nur wer satt ist (durch die richtigen Lebensmittel!), kann überschüssige Pfunde loswerden. Eine Null-Diät erhöht das Jo-Jo-Risiko (Sie nehmen genauso fix wieder zu, wie Sie abgenommen haben). Zudem greift der Körper jetzt sehr schnell zu den Eiweiß-Reserven im Muskelgewebe - das schadet eventuell sogar dem Herzmuskel.

  • 6. Salat am Abend gärt im Magen!

Falsch! Alles, was wir essen, wird bereits im Mund vorverdaut und im Magen quasi zwischengelagert, bevor es in den Dickdarm kommt. Nur dort kann biochemisch eine Gärung stattfinden. Das dauert mehrere Stunden und passiert immer, wenn wir Nahrung aufnehmen - egal, ob am Tag oder in der Nacht. Der Magen wird also nicht belastet.

  • 7. Fruchtsaft ist besser als Limonade!

Vorsicht, das gilt nur für Selbstgepressten! Denn normaler Saft aus dem Supermarkt enthält oft viele versteckte Kohlehydrate, die den Blutzuckerspiegel in die Höhe schießen lassen. Folge: Immer mehr Fettzellen lagern sich an Bauch und Po ab. Tipp: Den gekauften Saft immer mit viel Wasser (Verhältnis 1:3) mischen!

  • 8. Mit vielen kleinen Mahlzeiten nimmt man besser ab!

Lieber fünf kleine Portionen essen statt drei große? Schön und gut, aber wie sollen aus 1200 Kalorien viele Mahlzeiten werden? Studien beweisen: Menschen, die fünfmal am Tag essen, nehmen rund 250 Kalorien mehr zu sich als die, die drei Mahlzeiten einhalten. Außerdem sorgt das Snack-Verhalten für eine erhöhte Insulin-Produktion, die den Fettabbau im Körper hemmt. Also, lieber bei den bewährten drei Hauptmahlzeiten bleiben!

  • 9. Light-Produkte machen schlank!

Ob durch Marmelade oder Joghurts: der Körper lässt sich nicht so leicht täuschen! Gibt man ihm Light-Produkte, fühlt er sich um seine Kalorien betrogen. Der nächste Hunger kommt früher und heftiger, um die Energiedepots wieder aufzufüllen. Außerdem verführen Light-Lebensmittel zu falschem Essverhalten, sagen Ernährungspsychologen: Statt bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln zu fördern, steigern sie den ungehemmten Konsum. Fazit: Doch lieber streichen vom Ernährungsplan!

  • 10. Kartoffeln und Nudeln machen dick!

Das ist wirklich die dickste Lüge! 100 Gramm Pellkartoffeln haben gerade mal 86 Kilokalorien, liefern dem Körper viel Vitamin C (gut fürs Immunsystem), gesunde Aminosäuren und Kalium (schützt das Herz). 100 Gramm gekochte Nudeln haben nur 126 Kilokalorien, versorgen uns mit Ballaststoffen (gut für die Verdauung), hochwertigem pflanzlichen Eiweiß und viel Vitamin B (für starke Nerven). Außerdem sind sie nahrhaft, machen lange satt und bringen ganz viel Energie. Na dann, guten Appetit!

Buchtipp:

Moderne Ernährungsmärchen: Zucker macht krank, Eier erhöhen den Cholesterinspiegel, Diäten machen schlank und über 70 weitere Märchen

von Sven-David Müller-Nothmann, Michael Vogt, Doreen Nothmann, Schlütersche, 12,90 Euro

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