Die heimlichen Männerprobleme...

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Foto: Benicce, fotolia

Bauch, Beine, Po – nach diesen Regionen der Frau wurden ganze Gymnastikkurse benannt. Die Schwachstellen der Männer sind dagegen in der Öffentlichkeit tabu. Doch mit welchen speziellen Männerproblemen hat das starke Geschlecht insgeheim zu kämpfen?

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Oder anders gefragt: die Cellulite oder das Wort Problemzone? Manche Themen werden ja erst zum Thema, wenn man ihnen einen Namen gibt. Hätte man meine Oma beispielsweise nach einer Problemzone gefragt, hätte sie die wahrscheinlich irgendwo bei Stalingrad vermutet, vielleicht auch in ihrem Gemüsebeet, wo die Radieschen immer von Würmern befallen wurden. Aber ganz sicher hätte sie nicht auf ihre Oberschenkel gezeigt.

Seit die Kosmetikindustrie das Wort in den 70er-Jahren in deutsche Badezimmer eingeschleust hat, glaubt jede Frau, eine zu haben, manche sogar mehrere. Und weil Probleme nun mal gelöst gehören, traben wir brav zur Bauch-Beine-Po-Gymnastik , trinken literweise Gurkensaft oder schmieren uns Creme im Wert eines Kleinwagens aufs Dekolleté. Und was ist mit den Männern und Männerproblemen? Nur weil es "die" Problemzone heißt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Kerle fein raus sind und es keine Männerprobleme gibt. Ist aber offenbar so – oder hat Ihr Mann jemals verdreht vorm Spiegel gestanden und mit Sorgenfalten auf der Stirn die Haut an seinem Po zusammengedrückt? Hat er über stumpfes Haar oder brüchige Nägel geklagt? Eben. Von wegen Männerprobleme - wirklich?

Männer leiden weder unter ihrem Bierbauch noch unter dem wachsenden Zweit-Kinn. Für sie zählen mehr die inneren Werte wie Verlässlichkeit, Freundschaft , ein vorderer Platz in der Bundesliga-Tabelle. Solange in ihrem Y-Chromosom-Kosmos alles nach Plan läuft, gibt es keinen Grund zur Sorge. Aber wehe, ein Mann steht an der Tankstelle und findet den Hebel für die Motorhaube nicht, kann keine Bierflaschen mit dem Feuerzeug öffnen oder muss beim Aufguss aus der Sauna raus. Klare Fälle von männlicher Orangenhaut und Beweise dafür, dass es jawohl Männerprobleme gibt.

Mein Mann leidet beispielsweise an einer angeborenen Orientierungslosigkeit. Statt, wie von Männern meist erwartet, ein lebender Kompass zu sein, irrlichtert er durch die Welt. Selbst nach 17 Jahren Beziehung tut er sich noch schwer, die Einfahrt zum Haus meiner Eltern zu finden. Bringt er unseren Sohn zur Schule, malt der ihm zur Sicherheit den Rückweg auf ein Stück Butterbrotpapier. Und gäbe es keine Navigationssysteme, würde eine Dienstfahrt nach Berlin für ihn irgendwo in Litauen enden.

Ganz und gar wahr ist auch, dass mein Mann auf dieses Männerproblem nur ungern angesprochen wird. Um sein Ego nicht zu ramponieren, halte ich ihn in fremden Städten stets behutsam am Ellen bogen oder sage einfach nichts, wenn er erst gegen Mittag vom Brötchenholen zurück ist.

Der Mann einer Freundin kämpft dagegen mit seiner Unfähigkeit, Feuer zu machen. Egal ob Grill oder Kamin, Holz oder Kohle – bei ihm kommt nichts außer Rauch. So viel Rauch, dass Nachbarn einmal die Feuerwehr gerufen haben und er den Rest des Grillabends in psychologischer Betreuung verbringen musste. Andere leiden unter folgenden Männerproblemen: Sie verstehen die Abseitsregel nicht, ihre Frau kann besser Reifen wechseln oder sie kippen beim Blutabnehmen um. Bei genauerer Betrachtung gibt es also mehr Männerprobleme als Frauenprobleme. Aber während wir unsere kantigen Knie, dicken Oberarme oder kleinen Busen relativ leicht verdecken können, sind Männern ihren Defiziten oft hilflos ausgeliefert.

Also, liebe Frauen: Wenn wir nicht wollen, dass Männer bei uns Größe 38 und Pfirsichhaut für Standard halten, müssen wir auch den Mund halten, wenn er Angst vor Spinnen hat oder nicht weiß, wie rum der Hammer gehört. Problemzonen sind schließlich für alle da.