Die Panik vor der Bikinifigur: Wann bin ich endlich zufrieden mit mir?

hot dogs legs
Wie dünn müssen Beine für einen Bikini eigentlich sein?
Foto: intern

Ich bin jetzt Mitte 30 und kann einfach nichts dagegen tun. Jeden Frühling packt mich die Panik, dass mein Körper im Bikini andere schockieren könnte.

Die wievielte Crash-Sommer-Diät mache ich in diesem Jahr eigentlich? Mhhhh, mal nachgerechnet: Mit circa 15 Jahren dachte ich das erste Mal: Hier ein Speckröllchen weniger oder da eine kleinere Rundung wären doch ganz schön. Heute mit 35 denke ich das immer noch. Das hätte sich mein 15-jähriges Ich sicher auch anders vorstellt. Ich war nie wirklich "zu" dick, aber ein paar Kilo runter wären immer ganz schön gewesen. Warum schaff ich es also einfach nicht mich vom Druck der Bikinifigur zu lösen?

Bikinifigur: Was heißt das eigentlich?

Wikipedia schreibt: "Bikinifigur als Bezeichnung für ein Schönheitsideal ist ein Schlagwort, das vorwiegend in Lifestyle- und Fitness-Magazinen, Frauenzeitschriften und Boulevardzeitungen in Artikeln über Fitnesstraining und Diäten zur Gewichtsreduktion verwendet wird." Aha, denke ich mir. Ein Schönheitsideal also. Aber Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters und hauptsächlich ist das meins vorm Spiegel. Warum schaffe ich es denn trotzdem nicht meinen Körper im Sommer so zu akzeptieren, wie ich es im Winter tue. Liegt es wirklich nur an den Klamotten beziehungsweise dem Bikini?

Nein, der Unterschied ist in meinem Kopf. Während ich im Winter eigentlich immer ganz zufrieden mit mir bin, kommt mit den ersten Tagen über 15 Grad automatisch die Bodyshaming-Zeit.

Warum Body-Acceptance vor allem in meinem Kopf ankommen muss

Tess Holiday wird nicht auf Facebook im Bikini gezeigt, weil sie zu dick ist? Das gefällt mir gar nicht. Ein wütender Smiley muss bei Facebook her. Plus-Size-Model Ashely Graham, die bestimmt eine 42 und größer trägt, finde ich toll in einem engen Kleid und sie bekommt von mir jedes mal ein Like auf Facebook. Doch was bringt mir die ganze mediale Body-Acceptance, wenn ich im Frühling vor Spiegel stehe und es mir bei meinem Anblick vorm Strand kraust. Rein gar nichts.

Schön und gut, dass dick sein auf einmal schick ist und nicht mehr gesundheitlich bedenklich. Aber bis diese Akzeptanz auch in der Umkleide bei H&M angekommen ist, wenn ich ein Bikinihöschen in 42 anprobiere und das noch nicht mal meinen halben Po bedeckt, dauert es wohl noch.

Denn mal ganz ehrlich: Wenn ich morgens in der U-Bahn-Station stehe und auf ein Werbeplakat mit einer Bikinischönheit starre, denke ich trotz der ganzen Body-Acceptance-Bewegung nicht: "Oh schön, das mein Körper so viele Dellen udn Pölsterchen hat", sondern nur "Oh, bei mir wird es auch wieder Zeit für eine Saftkur".

Endlich keine Panik mehr vor dem Sommer

Das Gute ist ja: Im Winter sieht mich selten jemand im Bikini. Ein Vergleich zwischen Sommer und Winter kommt also eigentlich nicht zustande. Der entsteht nur in meinem Kopf. Was also, wenn ich den einfach nicht mehr anstellen würde, sondern einfach den Bauch, Bauch sein lasse oder die nächste Diät im Herbst starte?

Denn eigentlich liegt die Arbeit nicht bei der Gesellschaft, sondern bei mir. Wenn ich anfange meinen Körper so zu akzeptieren, dass das, was die berühmten Plus-Size-Models heute schon tun, nämlich einfach den Sommer zu genießen, normal wird, dann hab ich es geschafft. Und dann heißt es bei mir auch nur noch: "Du willst eine Bikinifigur? Schritt 1 : Zieh einen Bikini an. Schritt 2: Fertig."

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