Die perfekte Verführerin - Ein Selbstversuch

die perfekte verfuehrerin ein selbstversuch

Flirt-Ratgeber

Flirten macht Spaß! Kein Wunder, dass uns immer neue Ratgeber zeigen wollen, wie wir jeden Mann kriegen. JOY-Leserin Patty (25) hat es ausprobiert: Sie befolgte die Tipps eines neuen Buches; mit verblüffenden Ergebnissen.

Seit einem Jahr bin ich Single , und auch meine früheren Beziehungen waren nicht das Wahre. Manchmal glaube ich, dass ich den sicheren Griff zum falschen Mann habe. Es liegt nicht daran, dass ich schlecht aussehe, falsche Erwartungen habe oder nur daheim hocke. Ich studiere in München International Business und begegne sowohl an der Uni als auch beim Ausgehen vielen tollen Männern.

Das einzige Problem: Ich traute mich bisher nie, sie anzusprechen, wartete stets nur darauf, dass mich jemand anbaggerte. Das waren dann oft Kerle, die meine Schüchternheit mit Arroganz verwechselten und meinten, mich erobern zu müssen. Die meisten entpuppten sich in kürzester Zeit als Mega-Machos, die mich schlecht behandelten, untreu oder krankhaft eifersüchtig waren.

Also beschließe ich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Normalerweise gebe ich nicht so viel auf Ratgeber, aber eine Freundin meint, ich solle es mal probieren. Sie empfiehlt mir Dietlind Tornieporths Flirtführer „Die perfekte Verführerin“. Die Frau gilt als Koryphäe, die neben ihren eigenen Ideen diverse andere Flirtführer und -seminare einbezieht und auch mal über den – weiblichen – Tellerrand hinausschaut, etwa auf die Pick-up-Szene der männlichen Aufreißer.

„Achten Sie auf die Blicke der Männer“

Zuerst bin ich etwas skeptisch, aber dann wage ich den radikalen Selbstversuch: Ich will alles ausprobieren – jeden noch so abstrus klingenden Tipp! Was mir gefällt: Die Autorin sagt explizit, dass wir uns nicht mit dem Zweitbesten zufriedengeben sollten, sondern einfach nur besonders viele Männer kennen lernen müssen, um die Chance zu maximieren, dass ein passendes Exemplar dabei ist.

Als Erstes nehme ich mir mein Styling vor. Das kommt zwar im Buch nicht direkt am Anfang, aber bei diesem Thema fühle ich mich noch am ehesten in meinem Element. Obwohl: So ganz mein Stil ist das nicht, was die Autorin empfiehlt. Ich probiere ein Kleid mit vielen femininen, hauchzarten Volants, das mir eine Nummer zu klein ist, viele utopisch hohe Schuhe, eine rote Bluse, Miniröcke, ein pinkes Cocktailkleid und ein hauchzartes, transparentes Rüschentop.

Die Aufgabe dazu: „Gehen Sie aus und tragen Sie ein T-Shirt, Jeans und Turnschuhe. Wählen Sie am nächsten Abend eine feminine Garderobe, raffiniert und verspielt. Achten Sie auf die Blicke der Männer, achten Sie auf Ihre eigenen Bewegungen.“

Irgendwie ärgert es mich schon, dass doch wieder alles auf sexy Outfits hinausläuft, aber Dietlind Tornieporth hat Recht: Ich käme im Leben nicht auf die Idee, in Jeans und Turnschuhen die Hüften zu schwingen. Mit hohen Schuhen und engem Kleid hingegen schon, und ja, die Männer schauen gleich viel mehr!

„Am selben Abend noch wage ich mich an die nächste Mutprobe“

Mich an Glaubenssätze zu halten, die mein Selbstbewusstsein aufbessern (Marke: Ich brauche keinen Mann, um glücklich zu sein, aber jeder Mann kann sich glücklich schätzen, mich zu kennen), fällt mir so auch leichter. Zwei Tage später stelle ich mich einer neuen Herausforderung: den Mutproben!

Tornieporths Idee: Wenn es einem peinlich ist, Männer anzusprechen, muss man sich gegen das Gefühl der Peinlichkeit desensibilisieren. Meine erste Prüfung: Ich gehe tagsüber völlig aufgetakelt ins Eiscafé. Die Leute sind sichtlich irritiert, aber eher neugierig als abweisend. Dazu hilft mir der fette Eisbecher, mich wohlzufühlen, und nach einer Stunde schwebe ich in meinem Cocktailkleid beschwingt nach Hause.

Am selben Abend noch wage ich mich an die nächste Mutprobe, etwas, das ich mir nicht wirklich zutraue: in eine Karaokebar gehen und auf der Bühne singen. Bevor’s losgeht, zittere ich furchtbar! O. K., ein Glas Prosecco musste ich schon runterstürzen, aber dann geht’s.

Meine Freundin ist dabei und echt verwundert, so kennt sie mich gar nicht! Ich werde tatsächlich mutiger und selbstbewusster durch diese Aktionen. So habe ich weniger Scheu, mich den nächsten Härtetests zu unterziehen. Tornieporth fordert, dass man das Männeransprechen erst einmal mit Typen üben muss, die man nicht so prickelnd findet. Üben, üben, üben, lautet die Devise, vor allem das Lächeln und Strahlen, um dann bei einem Mann, der einem gefällt, nicht gleich in Schockstarre zu fallen.

„In der U-Bahn lächle ich wildfremde Leute an“

Ich frage also den Tankwart – so ’n schrecklicher Typ mit Knopf im Ohr – nach dem Ölstand und grinse gequält, den Ticketverkäufer in der U-Bahn nach den Tarifen, da klappt das Strahlen schon besser, und den Mann an der Ampel nach der Uhrzeit. Bei dem wird fast ein Flirt draus, er ist echt gar nicht so übel! Und die Sache beginnt, mir richtig Spaß zu machen.

In der U-Bahn lächle ich wildfremde Leute an, die tatsächlich zurücklächeln, und das Gleiche dann auch in einer Bar: Mann an der Theke ansprechen, nach der Uhrzeit fragen, wieder gehen. Ich werde richtig süchtig danach! Nun ist es Zeit, neue Ansprechstrategien zu testen. Die harmlose Variante mit der Uhrzeit kenne ich ja schon. Aber die frechere „Ich würde dich gerne kennen lernen“-Methode macht mir Angst.

Ich suche mir einen Kommilitonen heraus, der mir tatsächlich schon lange gefällt. Nach einem Seminar – mein Herz klopft mir bis zum Hals – wage ich es: „Ich würde mich gerne mal mit dir treffen , ich hab dich schon oft hier gesehen“, sage ich zu ihm und nutze die empfohlene Körpersprache: Dekolletee anfassen, mit einer Haarsträhne herumzwirbeln, Kopf schräg.

Er reagiert erstaunlich offen. Und – was soll ich sagen – bis heute waren wir schon zweimal aus! Aber ob er wirklich mein Typ ist? Ist auch egal, ich will ja noch mehr Männer kennen lernen!

„Abends gehen ich in eine Bar, um den Tequile-Trick auszuprobieren“

Eine Woche später wage ich mich mit neuen Sprüchen bewaffnet auf die Club-Piste: „Na, gibt’s das Hemd auch in deiner Größe?“, beschert mir zwar ein längeres Gespräch, aber der Typ wirkt eher überrumpelt als amüsiert. Ich bleibe in der Zukunft bei der Uhrzeit-Frage!

Tornieporth meint, dass Männer, wenn man sie um Hilfe bittet, immer positiv reagieren, weil man so an ihre Ritterlichkeit appelliert, die quasi genetisch begründet ist. Einen weiteren Tipp fürs Ausnutzen dieser netten Erbanlage probiere ich einige Tage später aus, in einer Weinhandlung, dem „Vinobel“, in München. Dort warte ich wie die Spinne im Netz auf einen männlichen Kunden.

Bald kommt ein großer, nett aussehender Typ herein – Harry, ein Personal Trainer, wie ich später erfahre –, den ich direkt anspreche: „Mein Vater kommt zu Besuch und wünscht sich, dass ich ihm Rouladen koche. Kennst du dich mit Weinen aus? Welchen nehme ich da?“ Bingo! Ich bin hilflos und du bist mein Ritter. Es funktioniert hervorragend! Ich bekomme Harrys Nummer und er lädt mich gleich zu einer Weinprobe ein.

Es wird eine richtig nette Samstagnachmittag-Party , und dass ich vorher so schön Strahlen geübt habe, kommt mir nun zugute! Angeregt, wie ich bin, gehe ich abends gleich ins „Selig“, eine Bar, um den „Tequila-Trick“ auszuprobieren. Auch hier appelliere ich an die Hilfsbereitschaft der Männer: Ich bestelle mir einen Tequila und frage den netten Mann neben mir: „Sag mal, wie geht das nochmal, erst die Zitrone und dann das Salz? Oder umgekehrt?“

„Wenn ich mich einem Kerl nähere, dann nie frontal und chefig“

Ich bekomme nicht nur Nachhilfe in Sachen Tequila und Qualitätsunterschieden, sondern gleich noch einen zweiten Drink ausgegeben. Adrian ist zwar nicht mein Typ, aber ich fühle mich klasse: alleine in einer Bar und schon nach zehn Minuten in netter Gesellschaft! Ich probiere die Körpersprachen-Tricks aus, viel Lachen, die Bewegungen des Gegenübers spiegeln, sprich: wenn er am Ohrläppchen spielt, das Gleiche tun, und übe so für den Ernstfall.

Die wichtigsten Annäherungskniffe führe ich mir in den nächsten Tagen immer wieder vor Augen: Männer haben aufgrund ihres Jägerdaseins in der Steinzeit ein eher begrenztes Gesichtsfeld. Wenn mich ein Typ wahrnehmen soll, muss ich also in maximal drei Metern Abstand direkt vor seiner Nase herumtanzen (wir Frauen beobachten auch aus der Distanz!).

Wenn ich mich einem Kerl nähere, dann nie frontal und chefig, sondern seitlich, freundlich, im 45-Grad-Winkel. Und wenn ich ihn angesprochen habe, deute ich seine Körpersprache: Nur wenn er sich mir frontal zuwendet, auch mit Beinen und Füßen, interessiert er sich für mich. Bleiben die Beine von mir weggedreht, suche ich das Weite! Nach drei Wochen fühle ich mich wie ein Profi.

Mit einem der vier Jungs links, die ich bei meinen „Exkursionen“ kennen gelernt habe, hatte ich schon mehrere Dates – aber ich verrate nicht, wer es ist, denn ich weiß ja nicht, ob was daraus wird. Schließlich kann ich mir jetzt, wo ich weiß, wie die Männer gestrickt sind, jederzeit einen anderen angeln.

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