Die Pille danach bald ohne Rezept?

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Vielen Frauen haben die Pille danach schon einmal genommen
Foto: Getty Images

Zur "Pille danach" hat fast jeder eine Meinung - aber nicht jeder weiß, worum es genau geht oder wie man sie bekommt. Dabei sind diese Tabletten gerade Thema in der deutschen wie auch der europäischen Politik. Wenn Sie mitreden wollen, brauchen Sie diese Informationen:

Was ist die Pille danach?

Die Pille danach ist ein Verhütungsmittel. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Abtreibungspille, die nach einer festgestellten Schwangerschaft unter ärztlicher Kontrolle gegeben werden kann. Die Pille danach wirkt Stunden bis Tage nach einem Geschlechtsverkehr - ihr Einsatzgebiet sind Verhütungspannen und Vergewaltigungen. 13 Prozent der erwachsenen Frauen haben schon zu diesem Notfallmedikament gegriffen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ermittelt. Pro Jahr werden knapp 400.000 Rezepte ausgestellt.

Wie ist die Rechtslage?

In Deutschland, Polen und Italien ist die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonogestrel rezeptpflichtig. Frauen müssen also zum Arzt oder ins Krankenhaus, ihre Lage erklären, und gehen dann mit einem Rezept in eine Apotheke. Auf dem Land kann, gerade am Wochenende, wertvolle Zeit verloren gehen. In allen anderen europäischen Ländern ist diese Notfallpille nur apothekenpflichtig. Da kann man sie ohne Rezept und Zeitverlust einfach kaufen.

Wie funktioniert die Pille danach genau?

Die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonogestrel ist seit dem Jahr 2000 auf dem Markt. Das Gestagen verzögert den Eisprung, befruchtungsfähige Samenzellen finden also keine Andockstelle. Es findet keine Befruchtung statt. Die Tablette muss spätestens 72 Stunden nach dem Sex genommen werden. In den ersten 24 Stunden werden bis zu 95 Prozent der Schwangerschaften verhindert, nach 24 bis 48 Stunden sind es noch 85 Prozent. Ein Schwangerschaftsabbruch ist damit nicht möglich - wenn man sie zu spät genommen und die Befruchtung schon stattgefunden hat, wird die Frau schwanger.

Wenn die Frau bereits ein Kind erwartet, wirkt Levonogestrel nicht, schadet aber auch nicht. Seit 2009 gibt es eine weitere Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat. Diese ist europaweit rezeptpflichtig. Sie kann bis zu 120 Stunden, also fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr genommen werden. Allerdings ist ihre Wirkweise noch nicht ganz klar: Sie scheint die Schleimhaut der Gebärmutter zu verändern, so dass sich ein von einer Samenzelle befruchtetes Ei nicht einnisten kann. Vor der Einnahme muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Der neue Wirkstoff ist doppelt so teuer wie der alte.

Was will die Politik?

In Deutschland hat sich der Bundesrat dafür ausgesprochen, das bekannte Levonogestrel auch in Deutschland aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Der Bundestag muss noch darüber entscheiden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe lehnt die Freigabe bisher ab. Die Europäische Arzneimittelbehörde prüft zurzeit die Freigabe von Ulipristalacetat. Wenn das durchkommt, würde die neue, noch nicht so gut erforschte Notfallpille auch in Deutschland frei erhältlich sein müssen.

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