Im Kampf gegen unsichtbare GrenzenDie Schöne und das Biest: Alles anders und doch schöner?

Die Schöne und das Biest: Alles anders und doch schöner?
Foto: DISNEY

Wenn etwas neu gemacht wird, was so vielen Menschen so sehr am Herzen liegt, dann bewegt man sich auf dünnem Eis. Das weiß auch Regiesseur Bill Condon und behandelte „Die Schöne und das Biest“ vorsichtig wie die Rosenblätter, die in der Geschichte eine so elementare Rolle innehaben.

Alles beim Alten und doch ganz neu

„Natürlich war es die größte Herausforderung, die Nostalgie nicht kaputt zu machen und dennoch den Film etwas zu modernisieren und an die Anforderungen eines Real-Life-Films anzupassen“, erklärt Bill Condon gegenüber wunderweib.de.

Nicht zuletzt auch auf wiederholtes Drängen von Emma Watson rückte das Thema Emanzipation und Feminismus noch sehr viel stärker in den Fokus, als noch im animierten Disney-Original. „Ich habe so viele Forderungen gestellt wie möglich, ohne gefeuert zu werden“, scherzt Emma Watson gegenüber Wunderweib.de und erklärt, dass sie selbst noch eine Menge an Belle verändert hat.  So habe sie darauf bestanden, dass die emanzipierte Belle eine Hose unter dem Rock trägt und dass sie insgesamt viele praktische Dinge mit sich herum trägt. Eine Frau, die sich selbst zu helfen weiß und praktisch denkt und keinen Gaston (Luke Evans) braucht, um im Leben zurechtzukommen.

Luke Evans: „Vor zwei Jahren hat das keiner geahnt.“

Besonders im Jahr 2017 haben die gesellschaftskritischen Untertöne mehr Gewicht, als sich die Macher je zu träumen gewagt haben. Luke Evans sagt mit ernstem Ton: „Vor zwei Jahren, als der Dreh losging, konnte keiner von uns ahnen, welche Bedeutung gewisse Dinge heute haben würden. Heute gibt es da einen Menschen in der Gesellschaft, denen er Gaston zufällig sehr ähnlich ist. Aber damals war ich mich dieser Persönlichkeit noch nicht so bewusst.“ Dass er den selbstverliebten Bösewicht mit dem aktuellen US-Präsidenten Donald Trump vergleicht, spricht er zwar nicht wörtlich aus, doch seine Formulierung lässt wenig Spielraum für Interpretationen.

In jeder Hinsicht richtet sich „Die Schöne und das Biest“ gegen Ausgrenzung und Vorverurteilung und wird mit den Kompositionen von Alan Menken zur Hymen für alle Querdenker, die anders sind, neue Ideen haben und sich nicht durch die Meinungsmache des dörflichen Alpha-Männchens mitreißen lassen und Fackeln und Mistgabeln schwingen.

Foto: DISNEY

„Die Schöne und das Biest“ im Kampf gegen unsichtbare Grenzen

So sehen wir in „Die Schöne und das Biest“ erstmals einen Homosexuellen Charakter in Le Fou (Josh Gad). Immer wieder gibt es mehr oder weniger subtile Andeutungen, dass le Fou „den einen Tag gerne wie Gaston selbst wäre und den nächsten Tag dann gerne mit Gaston zusammen wäre“, wie Regisseur Bill Condon erklärt.

Stanley Tucci und Audra McDonald sind zudem stolz ein Paar mit verschiedener Hautfarbe zu spielen. „Natürlich sollte es nichts Besonderes sein“, erklärt die ausgebildete Opernsängerin Audra McDonald gegenüber Wunderweib.de. „Aber Fakt ist, dass gemischtrassige Beziehungen in Filmen nunmal sehr, sehr selten sind.“

Aber ist aus dem unbeschwerten Disney-Film nun eine musikalische Version von Meryl Streeps Golden-Globe-Rede geworden? Nein, trotz aller ernsthafter Untertöne, bleibt „Die Schöne und das Biest“ das bunte Musical, dass so viele als Kind lieben gelernt haben. Nicht umsonst wurde Original-Komponist Alan Menken wieder ins Boot geholt. Nicht umsonst war die erste Begegnung von Emma Watson und ihrem „Biest“ Dan Stevens beim Tanzunterricht, der wesentlich für die funktionierende Leinwand-Chemie der beiden sorgte.

„Da kommt jemand, den man so gar nicht kennt und ist direkt vor deinem Gesicht“, lacht Emma Watson und ist sich sicher: „Wenn Menschen zusammen arbeiten sollen, sollte man sie direkt miteinander tanzen lassen um direkt eine Verbindung  herzustellen und Grenzen zu überwinden.“

Foto: DISNEY

Ist das noch immer ‚mein‘ „Die Schöne und das Biest“?

Und so offensichtlich spielerisch, wie Emma Watson und Dan Stevens ihre persönlichen Grenzen überwunden haben, scheint auch Regisseur Bill Condon die Grenzen von Zeichentrick und Realfilm zu überwinden.

Die größten Ängste der Fans vom „Die Schöne und das Biest“-Zeichentrick sollten nicht bewahrheitet werden. So anders auch vieles erscheinen mag, so bleibt auch der neue Film immer dich am Kern der Geschichte und bringt sie durch feinfühlige Veränderungen auf eine ganz neue Ebene und sorgt mit noch mehr Vielseitigkeit nicht nur für ein schönes buntes Märchen, sondern auch für eine starke Aussage.

Nicht umsonst legte der Film ein rekordverdächtiges Startwochenende mit 350 Millionen Dollar Einspielergebnis hin und hat damit den siebtefolgreichsten Filmstart aller Zeiten.

Seit dem 16. März ist "Die Schöne und das Biest“ im Kino zu sehen.

 

Kategorien: