Die Vaterlüge

Prinz Harry

Vergangene Woche kam die Neuigkeit heraus, dass das Leben des Prinzen Harry verfilmt werden soll. „The Spare“, der Ersatzmann, soll der Film heißen. Ganz England fragt sich nun, wer wohl die Hauptrolle übernimmt. Doch das eigentliche Rätsel ist, ob die größte Frage, die über Harrys jungem Leben schwebt, in diesem Film auch beantwortet wird: Wer ist sein Vater?

Immer wieder gab es Gerüchte: Erst hieß es, dass Harry das Kind der Liebschaft zwischen Lady Diana († 36) und ihrem Reitlehrer James Hewitt (50) sein soll. 200 Millionen Fernsehzuschauern stockte der Atem, als sie in einem Interview gestand: „Ich betete ihn an.“ Dieses intime Geständnis, Harrys rote Haare, die große Ähnlichkeit der Züge des Prinzen mit denen des Rittmeisters – vieles sprach für eine Vaterschaft Hewitts. Auch wenn der immer wieder betonte, der Prinzessin erst 1986, zwei Jahre nach Harrys Geburt, begegnet zu sein, schienen wenige das Vater-Gerücht ernsthaft anzuzweifeln.

Brisante Dokumente wurden vernichtet

Dann die Wende. Man versuchte, diesen rufschädigenden Spekulationen, die das Königshaus stark beschädigten, ein Ende zu setzen. Ein obskurer Vaterschaftstest sollte Gewissheit schaffen. Plötzlich schien festzustehen: Charles ist der Vater. Damit sollte die Fassade gekittet, die Schande des Ehebruchs mit Folgen vertuscht werden. Alle waren erleichtert. Am meisten der zerrissene Prinz Harry, dessen unsteter Lebenswandel mit wilden Partys und Skandalen scheinbar seine instabile Seelenlage widerspiegelt.

Jetzt schien es Gewissheit zu geben. Und alle waren froh darüber. Doch nun wird diese Sicherheit erschüttert. Denn in der großen Buch-Dokumentation über das Leben der verstorbenen Queen Mum († 101), die gerade in England für Furore sorgt, werden die Zweifel an der Richtigkeit des lancierten Vaterschaftstests wieder laut.

Da ist von heimlichen Treffen die Rede, von spektakulären Fotos und von verbrannten Briefen. Queen Mum hatte ihre Tochter Margaret († 71) angefleht, nach ihrem Tod alle brisanten Dokumente zu vernichten. Doch warum? Was stand da Heikles drin? Was sollte der Öffentlichkeit im Jahre 2001, als die Briefe verbrannt wurden, verschwiegen werden? Die Skandale um Lady Diana und die Rivalin Camilla – das war alles schon bekannt. Das hätte niemanden mehr aufgeregt. Aber da ist noch ein anderes Geheimnis, das vertuscht werden sollte: die Vaterlüge.

James Hewitt hat Lady Diana nämlich nicht erst zwei Jahre nach Harrys Geburt kennengelernt, sondern bereits im Frühjahr 1981 – wenige Monate vor der Hochzeit von Charles und Diana. Und damit drei Jahre vor Harrys Geburt! Es war bei einem Polospiel. Und es scheint so, als konnte der athletische Rittmeister die blonde Frau seither nicht mehr vergessen. Als wollte er sie unbedingt besitzen. Dass ein Draufgänger wie Hewitt lange wartet, ist nicht anzunehmen.

Warum schweigt Hewitt hartnäckig?

Doch warum dieses Versteckspiel? Nun: Jeder, der einmal in einer Beziehung gesteckt und sich anderweitig verliebt hat, weiß: Es wird nie so viel gelogen, wie in dem Punkt, wann eine neue Liebe begonnen hat. Man möchte sowohl den alten als auch den neuen Partner schonen. Wenn es sich um eine königliche Affäre handelt, sind die Verhältnisse umso heikler. Lady Diana war verlobt, wollte bald heiraten ... Eine leichtfertige Beichte hätte alles zerstört. Deshalb schwieg sie. Aber warum schwieg James Hewitt so hartnäckig, warum schweigt er noch? Man munkelt, dass der Hof ihn für seine Diskrektion bezahlt hat. Das teure Restaurant, das er in Marbella leitet, sein aufwendiger Lebensstil – finanziert mit Schweigegeld der Windsors?

Es ist aber auch eine andere Variante denkbar. Ein Vater, der sein Kind wirklich liebt, möchte ihm die Chancen für ein gutes Leben nicht verbauen. Und ein Mann, der keine Rücksicht auf den Thronfolger genommen hat, kann sehr wohl Rücksicht auf seinen eigenen Sohn nehmen.

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