Die Wahrheit über das Leben als Mutter – wie ich den Irrsinn jeden Tag aufs Neue überlebe

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Das Leben mit Kinder ist wunderschön und super-anstrengend!
Foto: GettyImages

Wie schöne Mama-Momente modernen Müttern helfen

Das Leben mit Kindern ist irrsinnig bunt und irrsinnig schön. Wie Mütter das Leben mit Kindern jeden Tag aufs Neue wuppen, berichten hier Familientherapeutin Marthe Kniep und drei Mütter aus ihrem Bekanntenkreis.

"Ich liebe meine Kinder. Keine Frage! Und dennoch empfinde ich durchaus ein gewisses Gefühl von Luxus, wenn ich mal mitten am Tag 15 Minuten beim Dorfbäcker oder „sogar in der Stadt“ einen Milchkaffee trinke. So ganz ohne dass mein Mama-Radar eingeschaltet ist und scannt, wer wo was macht, lieber nicht machen sollte oder wo wir als nächstes sein müssen. Kleine Oasen im Mami-Alltag, die mich wirklich nach vorn bringen.

Foto: Marthe Kniep

Dabei finde ich meine Familie im Grunde ziemlich entspannt. Wir meistern den Alltag recht gut, erleben gemeinsam viele schöne Momente und freuen uns alle wie Bolle aufs Wochenende. Aber es gibt diese Tage, manchmal gleich mehrere nacheinander, an denen es nicht rund läuft. An denen jeder Plan schon beim Aufstehen gekippt wird, weil einer krank ist oder wenigstens einer anders tickt als gehofft.

Alltagsstress und Alltagsfreuden

Wenn zum Beispiel einer die Langsamkeit neu für sich entdeckt, eine gekonnt jedes elterliche Wort der Ablauforganisation ignoriert, eine überempfindlich ist und der andere das als Einladung zum Piesacken auffasst. Die Rollen können durchaus wechseln. Und wenn dann noch alle zu einer unchristlichen Uhrzeit gleichzeitig in Wintersachen und mit Sack und Pack im Auto sitzen müssen. Dann brennt die Luft im viel zu engen Hausflur. Ein Moment, dessen Stresspotenzial viele Familien kennen.

Doch schon eine Sekunde später geht mein Herz auf, wenn meine kleine Tochter auf dem Weg zum Auto die Hand meines großen Sohnes nimmt und mein Mann mir aus dem Auto noch einen Luftkuss schickt, bevor er alle an ihren heutigen Bestimmungsort bringt. Ein schöner kleiner Mama-Moment.

So ist Familie. Jeden Tag anders, oft anstrengend aber eben immer wieder wunderbar und erfüllend.

Über sich hinauswachsen

Damit alles klappt, müssen Mütter und Väter oft über sich hinauswachsen , sich selbst zurücknehmen und immer wieder improvisieren, wenn es „keinen Plan“ gibt. Elternschaft heißt immer wieder: neue Wege beschreiten. Vor allem, wenn es darum geht, Job und Familie unter einen Hut zu kriegen. Oder wenn mal wieder dran ist genügend für sich selbst und das eigene Wohlbefinden zu sorgen, damit der nächste Chaostag einen nicht zu einer Person macht die man nie sein wollte.

Zum Glück habe ich sehr ehrliche Freundinnen und auch Frauen in meinem beruflichen Umfeld, die dazu stehen, wenn sie mal überfordert waren oder sind und nicht wissen, was nun das nächst Richtige ist. Sehr tröstlich. Ist ja auch irgendwie normal.

Jede von ihnen bewältigt den Familienalltag auf andere Weise und mit anderen Ressourcen. Alle gemeinsam haben wir aber, dass die vielen kleinen oder auch großen Mama-Momente unseren Energiespeicher wieder neu auffüllen und das Beste ausunsrausholen. Wir müssen diese Augenblicke nur sehen und in unserem Herzen festhalten.

Wir teilen Mama-Momente!

Wir möchten ein paar Mama-Momente mit Ihnen teilen und zum Nachdenken darüber anregen, wie viele Fähigkeiten und „gute Geister“ auch Sie in und um sich haben oder aktivieren könnten.

Klopfen wir uns doch heute einfach mal selbst oder solidarisch gegenseitig auf die Schulter, für alles, was wir geschafft haben. Sagen wir „Danke“ an all unsere Unterstützer und teilen Geschichten wie diese hier: von Frauen, die sich trauen, hier mal ein bisschen Mutter-Stolz zu versprühen und uns an ihrem Alltag teilhaben zu lassen.

Frauen wie Sarah, Anja und Dania.

◇ Sarah: „Ich war mächtig stolz auf mich!“

Der Super-Woman-Moment!

Sarah (38 Jahre) ist Architektin, hat einige Jahre im Ausland gelebt, ist verheiratet und hat heute vier Kinder. Als sie mir und unseren gemeinsamen Freundinnen 2012 von ihrem Super-Woman-Moment schreibt, waren die Zwillinge Roni und Yannai fast fünf Monate alt und Liam zwei Jahre vier Monate. Die kleine Alma gab es damals noch nicht.

Sie berichtet: "Gestern hatte ich einen Super-Woman-Moment, den ich euch mal schreiben muss. Ich war nämlich mächtig stolz auf mich ;) Gestern ist meine Hilfe erst um 18.20 h aufgetaucht, und um 17.30 h waren die kleinen echt fertig und wollten ihr Bad (israelische Bettgehroutine), trinken und ins Bett. Liam hatte Hunger. Hab Liam schnell essen gemacht, Yannai in die Trage genommen und Roni gebadet. Und als dann Yannai angefangen hat zu weinen, hab ich ihn in der Trage beim Baden gestillt. Hui! Vor Freundinnen kann man auch mal angeben oder?"

Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass Sie sofort ein inneres Bild dieser Situation entwickelt haben. Und das lässt absolut zu mal vorsichtig damit anzugeben, finde ich.

Die Kraft der Kindheit

◇ Sarah: „Das Glück liegt in den Beziehungen und Situationen“

Woher jede Einzelne die Kraft nimmt, auch anstrengende Tage mit vielen Kinder zu meistern, beantwortet sicher jede Frau anders. Für Sarah hat zum Beispiel ihre eigene Kindheit in dieser Sache eine große Bedeutung. Aber auch ihre Fähigkeit, sich auf sich selbst zu besinnen. Sie erklärt: „Meine eigene Kindheit bedeutet mir so viel Glück und erinnert mich immer wieder daran, dass dieses Glück in den Beziehungen und in den Situationen lag. Die vielen Freunde und Verwandten. Die Freizeiten miteinander und das "in der Pfütze springen", eine Teich-Umrundung machen und so weiter.

Gesunder Egoismus!

Außerdem, dass "mich selbst nicht vergessen". Sei es, dass ich selber Sachen unternehme, zu denen ich eigentlich zu müde bin, aber die mir so viel Energie geben. So wie die Treffen abends mit meinen Freundinnen, oder mein Chor, oder am 1. Weihnachtstag mit meinen Eltern ins Kino gehen.

Aber auch wenn ich nachmittags mit den Kindern zusammen bin. Wenn wir am Tisch sitzen und malen, und ich dabei selbst zum Zeichnen komme. Oder Lust habe, eine Suppe zu kochen und die Kinder halt mit schnippeln zuarbeiten. Oder ich selbst grad so müde bin und mir einfach ein Lager im Wohnzimmer mache, ein bisschen wegdämmer und die Kinder um mich spielen habe.“

Das ist wohl immer wieder die Kunst: Kraftquellen im Alltag finden und nutzen, auch wenn irgendwo noch eine Wäsche gemacht werden oder mal wieder gewischt werden könnte.

Eine Auszeit vom Alltag

So eine Auszeit hat sich Anja Krußig (41 Jahre) kürzlich gegönnt. Sie ist selbständige Autorin und macht Filme fürs Fernsehen. Die dreifache Mutter (Filippa (1), Augusta (7), Hugo (9)) lebt mit ihrem Freund in Leipzig. Nach einer ewig scheinenden Zeit mit kränkelnden Kindern, die das Arbeiten immer wieder unmöglich machten, entscheidet sie sich für ein einige Tage bei ihren Schwiegereltern mit der kleinen Filippa und ihrer Dauer-Rotznase.

Sie erzählt mit einem gewissen Stolz: „Ich tue jetzt genau das, was ich viel öfter machen sollte, wenn es zu eng wird. Ich habe mir frei genommen. Einfach so. Drei Tage. Raus aus der Bakterien- und Virenhölle Leipzig. Hin zu Oma und Opa nach Niedersachsen, wo Wald und Blumenkohl in heller Soße auf uns warten.“

Die Herkunftsfamilie als Kurort

◇ Anja: „Wie in einem geschützten Raum fühle ich mich bei meinen Schwiegereltern“

Der Duft und Geschmack von Familie gehören unzweifelhaft zu den heilsamen Dingen, die viele von uns zum Glück hin und wieder aktivieren können um sich wieder geliebt und geborgen zu fühlen und dieses Gefühl an die nächste Generation weitergeben zu können. Anja erlebt es als „ein tiefes inniges Gefühl von Familie. Wie in einem geschützten Raum fühle ich mich bei meinen Schwiegereltern. Kurort erreicht. Ich bin froh, so etwas machen zu können. Mit Kraft und etwas mehr Gelassenheit werde ich wieder nach Hause kommen und vielleicht die Dinge auch ruhiger vortragen, die ich mir beim Familienteamwork noch wünsche. Ich wünsche mir und vielen Frauen, dass Kinder und Arbeit haben, nicht so massiv anstrengend und extrem kräftezehrend bleiben muss.“

Beruflich zurückfahren?

Anja versucht aus dem Grunde beruflich etwas zurück zu fahren, um sich und der Familie gerecht zu werden. Was sie sich bis heute beruflich aufgebaut hat, kann nun auch mit weniger ihrer Zeit weiter existieren. „Jetzt beim dritten Kind will ich weniger arbeiten. Ich muss nicht immer alles bedienen. Ich habe tolle Kollegen, die mit ziehen. Ich will Zeit für die Kinder haben. Ohne schlechtes Gewissen gegenüber Projekten haben zu müssen.“ Und genau dieses schlechte Gewissen kennen so viele berufstätige Mütter.

Kinder großzuziehen ist an sich ja schon ein tagesfüllendes Geschäft. Doch Familie und Job auf die Reihe zu kriegen ist wohl so ziemlich das Schwerste, was diese Zeit Müttern abverlangt. Ja. Auch den Männern. Aber nun mal anders.

Job und Karriere vereinen!?

Das kennt auch Dania Schiftan . Sie ist verheiratete Mutter von zwei kleinen Kindern (Fay, 1 Jahr, und Mio, 4 Jahre), promovierte Sexologin und berufstätig. Ihr ist es besonders wichtig immer wieder zu hinterfragen, ob die Zeit für den Job und für die Kinder im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Auf die Frage, woher sie ihre Kraft für das ganze Tagesprogramm mit Kindern und Job nimmt, überzeugt sie mit der Antwort: „Ich mache meinen Beruf einfach extrem gern und freue mich wirklich arbeiten zu gehen. Diese Begeisterungsfähigkeit in mir lässt mich nicht müde werden in dem was ich tue.“ Aus ihrer Sicht hilfreich ist auch, dass sie sehr gut delegieren kann und sich Hilfe holt, wenn es Sinn macht.

Ressource Mann!

Nicht zu vergessen ist da noch ihr Mann, von dem sie sagen kann: „Er übernimmt komplett wenn ich mal weg bin und unterstützt mich total in meinen beruflichen Wünschen. Wenn ich mal ein Wochenende arbeiten muss, findet er es toll, ein Wochenende mit den Kindern zu haben.“

Das könnte Neid wecken. Denn es gibt einfach so viele Männer, die schon bei dem Gedanken an ein Kinderwochenende ohne Frau die Krise kriegen, weil sie keine Übung darin haben.

Doch auch der tollste Mann liegt mal flach und so entstehen auch in dieser Familie Geschichten, die sicher noch gern den Enkeln erzählt werden. Storys wie diese:

◇ Dania: „Ich hab es überlebt, und es war sogar gut“

Dania schildert sie so: „Dania weiß, dass sie am Abend einen Vortrag vor einigen Psychologie-Studenten hält. Sie weiß, sie bleibt über Nacht dort weil es sehr weit weg ist. Kurz vor der Abfahrt beginnt der Ehemann zu husten und sagt er habe sicher eine Lungenentzündung.

Sohn Mio (damals zwei Jahre alt) wird ins Auto gepackt, nachdem der Götti verständigt wurde (junger Mann, damals ohne Partnerin). Ich: "Nimmst du Mio über Nacht?“ Er: „Eh, keine Ahnung. Ok. Aber habe ich noch nie gemacht.“ „Egal er wird‘s schon packen.“ „Ok, also dann, bring ihn.“ Ich wieder: „Ok, aber ich habe nur Zeit ihn abzustellen."

Ok. Ich losgefräst, Mio eine Stunde später rausgespuckt. Genau fünf Minuten vor Vortragsbeginn angekommen. Ich sehe einen Saal voller Stühle. "Eh, ich habe gemeint wenige Leute.“ Die Organisatorin: „Jaja es sind nur 120 (!!!!!) Personen.“ Whaaaat???? Und dann: „Eh, ja, sorry, Dania wir haben vergessen, dir zu sagen dass das Ganze auf Englisch ist." Wow. Ich hatte Schweißausbrüche . Lachen, weinen alles auf einmal... Aber ich habe es überlebt. Und es war sogar gut.

Am Morgen bin ich bei Götti wieder angekommen. Mit irrsinnig schlechtem Gewissen. Aber die beiden Jungs hatten sogar schon einen Kuchen für mich im Ofen und haben im Pyjama auf dem Sofa gehangen.“

Netzwerk aktivieren und vertrauen hat schon für manche unverhofft gute Erfahrung gesorgt. Wir müssen es nur uns, den Kindern und den „Freiwilligen“ zutrauen. Nur. Genau!

Was sind Ihre Mama-Momente?

Wie sieht es bei Ihnen aus? Schicken und posten Sie uns Ihre Mama-Momente, worauf Sie stolz sind und was Ihre Kraftquellen sind. So können Eltern einander inspirieren und sich gegenseitig Mut machen.

Und wir können uns dabei für einen Moment mal wieder auf das besinnen, was uns wirklich wichtig ist: Die Zeit mit unseren Kinder so zu verbringen und zu genießen, dass wir ihnen etwas mitgeben, was ihnen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, Kraft und Freunde am Leben gibt.

An manchen Tagen kein einfacher Job! Aber einer der Wichtigsten den unsere Gesellschaft zu bieten hat und für dessen Bewältigung jede Frau viel im Gepäck hat. Packen wir es an!

Autorin: Marthe Kniep

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