Digitales Kidnapping: Das passiert mit Kinderfotos im Internet

digitales kidnapping
Wer Kinderfotos teilt, riskiert Opfer von digitalem Kidnapping zu werden.
Foto: iStock

Wenn Kinderfotos in fremde Hände geraten

Gedankenlos werden unzählige Kinderfotos im Internet geteilt. Ein Fall von digitalem Kidnapping zeigt, welche Folgen das Teilen haben kann.

Danica Patterson ist ganz vernarrt in ihre kleine Tochter. Deswegen liebt sie es, stolz Bilder von der 4-Jährigen auf sozialen Netzwerken zu teilen. Doch eines Tages findet sie die Kinderfotos ganz woanders wieder.

Das fröhliche Mädchen, das sie auf dem Desktop mit großen Augen anstrahlt, ist ganz klar ihre Tochter. Unter dem Bild behauptet jedoch jemand genau das Gegenteil. Die 4-Jährige wäre das Kind einer fremden Person. Sie sähe ihm so ähnlich und würde später mit Sicherheit eine Menge Herzen brechen. Dass sie das tun wird, dem kann die Mutter nur zustimmen. Doch es handelt sich mit Sicherheit nicht um den Vater, der ihr Mädchen dort als sein eigenes ausgibt.

Danica Patterson ist Opfer von digitalem Kidnapping geworden. Und damit ist sie bei weitem nicht alleine. Immer häufiger kommt es dazu, dass Kinderfotos im Internet geklaut und als seine eigenen ausgegeben werden. Menschen bauen sich auf sozialen Netzwerken eine fiktive Identität rund um ein fremdes Kind auf, dessen Fotos sie im Internet entdeckt haben.

Das ganze Szenario trägt den Namen „Baby Rollenspiel“. Im Internet werden solche Fälle unter Hashtags wie #babyrp oder #adoptionrp vermerkt. Sucht man nach den Schlagwörtern, stößt man auf erschreckend viele Treffer. Manche sehen das digitale Kidnapping tatsächlich als nichts weiter als ein Spiel. Doch keine Mutter möchte Fotos ihres eigenen Kindes auf fremden Seiten wieder finden.

Neben den vergleichsweise harmlosen Spielereien von Menschen, die fremde Kinder als ihre eigenen ausgeben, gibt es auch weitaus schlimmere Fälle. Babys werden im Internet zur Adoption freigegeben, unter den Bildern herrscht eine rege Beteiligung an Interessenten. Ob ernst gemeint oder nicht: Wörter wie Menschenhandel kreuzen bei solchen Fällen unweigerlich die Gedanken. Auch sexuelle Fantasien spielen eine Rolle in der Welt des Bilderklaus.

Doch wie kann man Kinderfotos vor digitalem Kidnapping schützen?

  • Zunächst einmal sollten Eltern sich und ihr Kind davor schützen, dass aus digital real wird. Details, an denen ein Fremder den tatsächlichen Aufenthaltsort des Kindes ablesen kann, sollten niemals veröffentlicht werden.
  • Insgesamt sollten die Privatsphäre-Einstellungen immer überprüft werden. Keiner möchte seine Kinderfotos auf anderen Seiten im Internet wiederfinden, also sollte man sie stets auf privat stellen und nur mit wenigen, vertrauten Menschen teilen.
  • Sollten auf dem Foto noch andere Kinder als das eigene zu sehen sein: Immer die Erlaubnis der Eltern einholen, bevor das Bild hochgeladen wird!
  • Um die Verbreitung des Fotos zu vermeiden, sollte auf Verlinkungen jeder Arzt verzichtet werden. Auch wenn ausschließlich vertraute Personen markiert werden, können auch deren Freunde das Bild sehen. Die Kinderfotos erreichen weitere Kreise, als man zunächst denkt.
  • Und zu guter Letzt: Wer digitalem Kidnapping keine Chance geben will, sollte Kinderfotos zukünftig nur privat an Freunde und Familie senden und auf soziale Netzwerke verzichten.

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