Dünn per Photoshop: Geschmackloser Netz-Hype

project harpoon duenner per photoshop
Dieses geschmacklose Vorher-Nachher findet sich auf der Instagram-Seite des "Project Harpoon".
Foto: Instagram

Alle Frauen HASSEN diese Fotos - und zwar aus gutem Grund!

Sie wollen Menschen ermutigen gesünder zu leben, stoßen mit ihren dünn retuschierten Foto-Vergleichen aber jeder Menge Frauen vor den Kopf. Und noch schlimmer! Immer mehr Stimmen werden laut: Das ist Magersucht-Propaganda!

Nur dünner ist schöner?! Diese absolut dumme Aussage verbreitet momentan das Project Harpoon auf so gut wie jedem sozialen Netzwerk. Oder wie sie selbst sagen: "Es geht ums Posten von #thinnerbeauty (in etwa dünner Schönheit). Der Facebook-Account hat bis heute über 11.100 Follower, eindeutig 11.100 zu viel, die gebeten werden "die Bewegung trainiert und normal zu sein zu unterstützen!".

UPDATE: Die Facebook-Seite von Project Harpoon wurde mittlerweile von Facebook gesperrt.

Auf seinen Social-Media-Kanälen zeigen die Macher Bilder so genannter "Plus Size"-Frauen und -Männer im geschmacklosen Photoshop-Vorher-Nachher. Sprich: neben dem Original-Foto findet sich je eine auf dünn getrimmte Version des Originals. Einer der Vergleiche geht sogar so weit, dass eine Frau in zwei aufgeteilt wird.

Ein von @project_harpoon gepostetes Foto am

Auch die Kommentare unter den Fotos sind absolut unangebracht. So steht unter einem Bild, auf dem ein Model am Strand posiert, "from manatee to mermaid" (also "Von der Seekuh zur Meerjungfrau"). Ein anderes, das eine Frau auf der Straße zeigt, begleiten die Worte: "Now this is a true looker in disguise. From double wide to a possible bride, being thin could do wonders." (also "Das ist eine echte verkappte Schönheit. Von doppelter Größe zu einer möglichen Braut, dünn zu sein bewirkt wahre Wunder."

Schwer zu glauben, aber die Kommentare sind noch nicht mal das Übelste an diesem Account. Noch schlimmer: Das Projekt nennt sich "feministisch", es will Menschen dazu ermutigen "gesünder" zu leben. Daneben Hashtags wie "#fitchicks #chickswholift #crossfit #lifetimefitness #lafitness #weightlift #happierwhenskinny #feminism #feminist #girlpower #womensrights #healthy #eatright #gains".

Der anonyme Gründer der Seite reagiert auf Kritiker so: "Wenn ich 1000 Leuten vor den Kopf stoße, aber nur einen dazu bringe, abzunehem und ein glücklicheres Leben zu führen, ist das okay für mich."

Klar, dass die Seite seit Gründung überflutet wird mit Kommentaren, die aufzeigen, wie gefährlich diese Art von Perfekter-Körper-Propaganda ist. Einer schreibt: "Menschen 'Fetties' zu nennen, ist keine Inspiration. Das ist Mobbing. Dieser Account nimmt Bilder von Fremden, um ihr Selbstvertrauen zu mindern. Ironischerweise ist das 'Fehlen von Selbstbewusstsein' eine Nebenwirkung von Fettleibigkeit, das oben vom Account selbst aufgelistet wurde."

Ein von @project_harpoon gepostetes Foto am

Ein anderer Kommentar lautet: "Ich bin vielleicht nicht die schlankeste Person, aber heute viel glücklicher als früher, als ich noch ein paar Kilos weniger wog. Ich denke, ihr verfehlt das Thema. Diese Seite ermutigt Menschen nicht, sich zu verändern, sie sagt einem, dass sie hässlich sind und aufgrund ihres Körpergewicht nicht von der Gesellschaft akzeptiert werden können."

Ein User fügt hinzu: "Ich bin absolut für Accounts, die für einen gesunden Lifestyle werben, aber so sollte das nicht aussehen. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Gesundheit und Hass. Und genau das zweite ist hier der Fall."

Oder noch krasser:

"Es gibt wunderschöne Frauen, die sich etwas antun, wegen dem, was ihr hier macht. Ihr glorifiziert eure Vergleiche, die Menschen schikanieren und behauptet, dass nur dünn schöner ist ... Ihr macht die Frauen magersüchtig und das an sich ist schon ungesund und eine psychologische Krankheit ... Es gibt nicht einen Post, der zeigt, wie man gesund lebt, sich gut ernährt ... Wie wäre es, wenn ihr echte Erfolgsgeschichten zeigt, um eure Botschaften zu untermauern?!"

Wir verzichten darauf, weitere Bilder der Seite zu zeigen. Und verweisen lieber auf Geschichten, dank denen man sich wirklich gut im eigenen Körper fühlt. Die findet ihr zum Beispiel hier , hier oder hier . Ein gesunder Körper hat keine bestimmte Kleidergröße, es geht viel mehr darum respektvoll mit ihm umzugehen.

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