Ein bewegender Brief: So fühlt sich eine "hässliche Frau"

brief haessliche frau
Foto: iStock/ Symbolbild

Über Ignoranz und Diskriminierung

Eine Userin der Online-Plattform Reddit bezeichnet sich selbst als eine "hässliche Frau". Das schließt sie daraus, wie andere auf sie reagieren.

Am Nachmittag des 23. Oktober postete die anonyme Reddit-Userin mit dem Namen throwmeaway4352 einen bewegenden Brief über ihr letztes Wochenende. Sie beginnt mit den Worten: "Ich bin eine hässliche Frau. Objektiv betrachtet bin ich das wirklich. Bitte versucht nicht, mit mir darüber zu streiten. Ich bin nicht übergewichtig, ich habe tatsächlich eine bessere Figur als die meisten Frauen meines Alters, ich kleide mich gut und kann auch sehr gut mit Make-up umgehen. Aber am letzten Wochenende musste mich die Welt daran erinnern, dass Menschen alles tun, um mich runterzuziehen."

Zusammen mit ihren Freundinnen bereitet sich die anonyme Frau am letzten Samstag auf einen ausgelassenen Abend vor. Es gibt nicht nur einen Geburtstag zu feiern, sondern außerdem den Abschluss der Prüfungsphase. Die Freundinnen stylen sich auf. Die Userin throwmeaway4352 beschreibt, wie wohl sie sich in ihrem Outfit fühlt. "Wow, bin ich das? Ich sehe tatsächlich... gut aus!" Auch ihre Freunde sind von ihrem Outfit ganz begeistert.

Als die Frauen vor dem Club stehen, ereignet sich der erste Zwischenfall. Obwohl die Freundinnen davon überzeugt waren, dass sie keinen Eintritt bezahlen müssen, wird auf einmal Geld von ihnen verlangt. Leider hat nur eine von ihnen etwas mehr Bargeld dabei. Auch sie würde aber nur für zwei Personen bezahlen können. Doch Rettung naht. Eine Männergruppe bietet sich an, den jungen Frauen auszuhelfen. Für alle wird der Eintritt bezahlt, außer für die anonyme Frau, die sich im Internet selbst als "hässlich" bezeichnet.

"Die Männer taten alles, um Augenkontakt mit mir zu vermeiden. Sie sahen auf den Boden, auf die Straße, taten so aus, als würden Sie in ihrer Brieftasche nach Geld suchen, um einem weiteren Mädchen den Eintritt zu bezahlen. Es war so schmerzlich offensichtlich, dass ich eigentlich nur noch nach Hause gehen wollte. Glücklicherweise konnte meine Freundin, die ein bisschen mehr Geld dabei hatte, den Eintritt für mich bezahlen."

Einmal im Club angekommen, versucht die junge Frau den Vorfall einfach nur noch zu vergessen. Doch an diesem Abend soll es noch zu weiteren sehr verletzenden Situationen kommen.

Als alle ihre Freundinnen einen Tanzpartner finden, steht die Autorin des Briefes auf einmal ganz alleine auf der Tanzfläche. Ein junger Mann opfert sich geradezu dazu auf, mit ihr zu tanzen. Er wirkt jedoch die ganze Zeit sehr abgelenkt und scheint immer nur noch einer anderen Tanzpartnerin die Augen offen zu halten. Letztendlich bestätigt sich der Verdacht. Als der Mann eine andere, in seinen Augen wohl hübschere Frau sieht, macht er sich ohne ein Wort aus dem Staub.

"Die Art, wie er mit ihr umging, war so anders im Gegensatz dazu, wie er vorher mit mir getanzt hatte. Er sah sie direkt an, lachte und tanzte enthusiastisch."

Wenig später tanzen alle Freundinnen wieder zusammen auf der Fläche. Ein Fotograf taucht auf und bewegt sich um die Mädchen herum, um eine gute Aufnahme zu machen. Die Reddit-Userin versucht, besonders hübsch auszusehen neben ihren Freundinnen. Doch der Fotograf wechselt nur immer die Perspektive. Er scheint nicht zufrieden zu sein. Da fällt es der jungen Frau wie Schuppen von den Augen: Der Fotograf versucht eine Aufnahme zu machen, auf der sie nicht zu sehen ist.

"Ich konnte es nicht glauben, bis er letztendlich zu mir kam und mich fragte, ob ich mich aus dem Bild bewegen könnte."

An diesem Punkt möchte die junge Frau nur noch eins: ganz schnell nach Hause. Für sie ist nicht nur der Abend vorbei, sondern auch das Wochenende gelaufen.

Die Schlussworte des Briefes sind eine eindeutige Botschaft: "Bitte seid netter zu hässlichen Leuten, Reddit-User. Vielleicht wird eine der Personen, die ich am Wochenende getroffen habe, diesen Post lesen und sich selbst wiedererkennen. Ich hoffe es, denn dann werden sie merken, wie ihr Verhalten, über das sie nicht nachgedacht haben, sich auf andere auswirken kann."

Ein deutlicheres Statement gegen Diskriminierung hätte man wohl kaum verfassen können. Doch es geht noch offensichtlicher: Die Kanadierin Tanis Jex-Blake ging mit ihrem Protest gegen Mobbing sogar noch einen Schritt weiter.

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