Ein Dom berichtet: "BDSM ist wie ein Tanz"

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Ein Dom verrät wunderweib.de, warum er es genießt, Frauen beim Sex Schmerzen zuzufügen.
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Der echte Mr. Grey: Dieser Mann genießt es, Frauen mit Schmerzen zu belohnen

"Ich genieße es, gemeinsam mit einer Partnerin meine Lust auszuleben. Dies kann bedeuten, ihr Schmerzen zuzufügen und sie zu demütigen, muss es aber nicht." Ein Dom berichtet von seinem dunklen Liebesleben.

Es gibt auf dieser Welt Menschen, für die endet Sex nicht mit ein bisschen Abwechslung bei der Stellung oder dem Ort für den Liebesakt. Sie genießen es, wenn sich ihr Sex mit Schmerzen verbindet.

Was für viele Menschen unvorstellbar und nicht akzeptabel ist, wurde durch den Roman 50 Shades of Grey mitten in die Öffentlichkeit gebracht. Viele BDSMler freuen sich darüber, denn seitdem sind die Menschen offener und eher bereit, denjenigen zuzuhören, für die BDSM die sexuelle Erfüllung bedeutet.

Sein Weg zum dunklen Sex

Jetzt verrät uns ein deutscher Dom, wie er diese dunkle Spielart des Sex vor 15 Jahren für sich entdeckt hat und wie er seine Vorliebe heute lebt. Um sein Berufsleben zu schützen, möchte er anonym bleiben. Doch so viel dürfen wir verraten: Er ist 37 Jahre alt, arbeitet als Jurist und ist der Betreiber der Internetseite gentledom.de. Darum nennen wir ihn im Interview ebenfalls Gentledom.

Schmerzen sind für mich Belohnung oder Strafe

Du stehst auf BDSM und bist ein Dom – bedeutet das, dass du es genießt, einer Frau Schmerzen zuzufügen und sie zu demütigen?

Gentledom: Ich genieße es, gemeinsam mit einer Partnerin meine Lust auszuleben. Dies kann bedeuten, ihr Schmerzen zuzufügen und sie zu demütigen, muss es aber nicht. BDSM kann nur funktionieren wenn beide Partner ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen und Dom sein bedeutet nicht, ein totaler Egoist zu sein, dem seine Partnerin egal ist. BDSM ist vielmehr ein gemeinsamer Tanz, der Kommunikation, eine passende Wellenlänge und einen gemeinsamen Takt voraussetzt. Die Frage, ob ich ein Sadist bin, kann ich mir selber nicht einmal beantworten. Schmerzen füge ich entweder als eine Belohnung zu (dann macht es mir viel Spaß) oder eben zur Bestrafung für unerwünschtes Verhalten, aber sind eigentlich nie reiner Selbstzweck.

Wie bist du zum Dom geworden?

Vor vielen Jahren meinte eine Frau mit großer Erfahrung, dass in mir ein Dom schlummern würde. Ich war damals im ersten Moment ziemlich perplex, ließ mich aber auf das Gedankenspiel und einige Tage später auch auf das reale Spiel ein und siehe da, es gefiel mir. Mein Auslöser war daher eine Person und die Möglichkeit, es mit dieser Person auszuprobieren. (Ich habe die Geschichte von meinem ersten Mal bereits vor einigen Jahren veröffentlicht.)

Knebeln finde ich unsexy

Auspeitschen, die Luft abdrücken, fesseln und knebeln, gehört das alles zu deinem Repertoire?

Jein. Fesseln und Auspeitschen, damit habe ich sicher Erfahrung, die Luft abdrücken halte ich aber für eine Spielart, die nicht sicher ist und die ich daher ablehne. Dies bedeutet nicht, dass ich keine Atemreduktion betreibe, wenn meine Partnerin mir das denn erlaubt, aber ich wende die in meinen Augen einzig sichere Methode an. Ich lege meine Hand über Nase und Mund der Frau und verhindere so die Atmung, blockiere aber nicht die Blutversorgung des Gehirns (Halsschlagadern) oder riskiere Verletzungen am Kehlkopf. Zu dieser Spielart gehört großes Vertrauen und auch das Wissen, wann man die Atmung spätestens wieder gestatten muss. Dies ist ganz sicher keine Spielart für Anfänger! Beim Knebel ist es einfach, ich habe welche, setze sie aber nicht ein. Knebel führen zum Speichelfluss und das finde ich unsexy und zudem gibt es noch andere Möglichkeiten, eine Frau zum Schweigen zu bekommen.

"Mein Freund ist zu meinem Dom geworden." Eine Frau entdeckt BDSM. | Foto: iStock

Was hältst du von „Shades of Grey“?

Ich habe das Buch nicht gelesen, stehe ihm aber nicht negativ gegenüber. Negativ finde ich die Klischees, welche vorkommen. Ich würde mich in Mr. Grey gar nicht wiederfinden. Das Buch hat einen guten Plot und ist eben ein Unterhaltungsroman , von dem ich nur Unterhaltung erwarte und das scheint es den Verkaufszahlen nach ja zu liefern. Was mich vor allem freut, durch das Buch ist BDSM etwas mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt und dort - und nicht in die Schmuddelecke - gehört es auch hin.

Wie viele Menschen in Deutschland stehen auf BDSM?

Nach einer jüngsten Studie haben 65 Prozent der Frauen Unterwerfungsfantasien. Dies bedeutet aber nicht, sie wollen nun alle BDSM betreiben. Wo beginnt BDSM, bei einem Klaps auf den Hintern, Fesseln ? Oder brauche ich eine Peitsche? Das definiert jeder anders. Daher schwanken die Studien zu dem Thema auch zwischen Werten von 5-30 Prozent.

Jeder könnte ein BDSMler sein

Was sind das für Leute?

Du vielleicht, ich sicher ;) Oder anders gesagt, Menschen wie du und ich, kleine, große, dicke, dünne, kluge, dumme, usw. Es gibt nicht den BDSMler, aber es gibt durchaus Personentypen, die man unter uns häufiger findet als sie im Durchschnitt in der Bevölkerung vorkommen.

Schämst du dich für deine sexuellen Vorlieben?

Ich trage meine sexuelle Vorliebe nicht vor mir her, schäme mich aber auch nicht dafür und habe mich dieser zum Glück auch noch nie geschämt. Ich bin diesbezüglich mit mir im Reinen und genieße sie einfach nur. Ich kenne aber durchaus die Probleme von Menschen, die diese oft haben, wenn sie merken, dass sie auf BDSM stehen. Sich das selbst überhaupt einzugestehen, neugierig zu sein und sich näher damit zu befassen ist da oftmals der schwerste Schritt überhaupt.

BDSM wird mit Vertrauen immer besser

Für wie viele Frauen warst du schon der Dom?

Ich führe kein Buch und ich hatte wohl mehr als die bundesdeutschen sieben Sexualpartner. BDSM ist aber etwas, das mit Vertrauen immer besser wird und daher hatte ich fast immer längere Partnerschaften oder Affären . Also Dom-Sub Beziehungen hatte ich wohl so um die fünfzehn, maximal zwanzig.

Was muss eine Frau haben oder wie muss sie sein, damit du ihr Dom sein möchtest?

Wenn es nur um mich als Dom und nicht auch als Partner geht, dann ist für mich ein ansprechender Körper, Zeit für Treffen, Offenheit, eine positive Lebenseinstellung, Lust zu dienen und wenig Eifersucht wichtig. Der letzte Punkt ist recht einfach erklärt, eine Sub wird mir nicht vorschreiben, mit wem ich neben ihr noch Sex haben darf, sie muss es akzeptieren oder gehen. Solch ein Verbot könnte nur meine Partnerin aussprechen und eben keine reine Sub.

Fickstück, Sklavenschlampe – gibt es wirklich Frauen, die so genannt werden wollen?

Ja, die gibt es. Dirtytalk ist doch kein Phänomen von uns BDSMlern ;) Manche mögen es deftig, andere würden solche Worte nicht in den Mund nehmen.

Kommt es vor, dass die unterwürfigen Frauen während des BDSM-Aktes in Panik verfallen?

Bei mir ist eine echte Panik in 15 Jahren noch nie vorgekommen. Einmal hatte eine Person große Angst vor einer Strafe und ich musste sie beruhigen. Das tat unserer Beziehung jedoch keinen Abbruch, sondern hat uns eher noch näher zusammengeführt. Sie hat sich darin bestätigt gefühlt, dass ich bei aller Konsequenz auch die Hand reichen kann und ich habe gesehen, dass sie beim Auftreten eines Problems in der Lage ist, dieses irgendwie zu kommunizieren. BDSM ist Kommunikation und wenn diese nicht stimmt und/oder der dominante Part zu egoistisch ist oder keine Empathie besitzt, dann kann es zu einem Absturz während einer Session (= BDSM-Akt) kommen.

Kannst du Sex auch ohne BDSM-Elemente genießen?

Kann ich mir mit einer Frau die ich liebe eine Beziehung ohne BDSM vorstellen? Ja, das kann ich (wobei die Aussage oft Menschen, die mich nicht kennen, verwundert). Kann ich mir mit einer Frau die ich liebe vorstellen, auf Blümchensex für immer zu verzichten? Nein, das kann ich nicht. Mir macht „normaler“ Sex eine Menge Spaß. Dieser gehört für mich aber wegen der Art und Weise meiner Sexualität eigentlich ganz exklusiv nur der Person, mit der ich mich emotional sehr intensiv verbunden fühle. Könnte ich in einer solchen Beziehung nicht auch "normal und liebevoll" mit meiner Partnerin schlafen, würde ich damit nicht wirklich klarkommen. Ich bin jemand, der Nähe sehr mag und für mich gehört diese Art der Nähe zu einer gesunden Beziehung.

Liebe und BDSM ist eine intensive Kombination

Kann man gleichzeitig liebevolles Ehepaar sein und als Dom und Sub seine sexuellen Fantasien ausleben?

Liebe und BDSM ist eine unglaublich schöne und intensive Kombination und warum sollte es nicht möglich sein? Ich kenne zumindest einige Beispiele, bei denen es hervorragend geht und hoffe eines Tages auch zu dieser Gruppe zu gehören.

Wie kann eine unerfahrene Frau einen guten Dom finden?

Ganz so leicht ist es leider nicht. Es gibt weit mehr devote Frauen, als dominante Männer. Jene die auf der Suche sind, sind daher oft nicht gerade die erste Wahl und leider gibt es in diesem Bereich durchaus schwarze Schafe. Zu diesem Thema habe ich einige Texte geschrieben, ein guter Einstieg dabei wären die 12 Tipps für eine Sub .

Welche Sextoys bzw. Werkzeuge benutzt du am liebsten als Dom?

Für mich ist das tollste Sextoy der Kopf und das beste Werkzeug die Hand, das will hier aber wahrscheinlich gerade niemand lesen. Also, bei den klassichen Sextoys mag ich einen Massagestab und einen Dildo am liebsten. Bei den Schlagwerkzeugen wäre es der Rohrstock.

Wann und wo triffst du dich mit deinen Subs?

Das hängt davon ab, wann wir beide dafür Zeit haben. Ich favorisiere auf jeden Fall die private Umgebung, ein Hotel oder ähnliches kommt für mich nicht in Frage. Ich lebe meine Neigung offen aus und muss keine Heimlichkeiten haben.

Was bedeutet für dich Treue?

Treue ist ein beliebtes Wort, wir nutzen es gerne und oft. Prinzipientreue, körperliche Treue, emotionale Treue, usw. Treue bedeutet für mich zu etwas zu stehen, einer Person oder auch einer Sache. Nach meiner Erfahrung sind jene Menschen, die am meisten von ihrer Treue erzählen und sie gar vor sich hertragen jene, die es am wenigsten sind. Daher will ich lieber von meiner Untreue berichten ;) Ich war in fast keiner Beziehung bisher körperlich treu. Mir ist aber meine Prinzipientreue sehr wichtig und die wichtigste partnerschaftliche Eigenschaft, die ein Mensch haben kann, ist für mich nicht Treue, sondern Loyalität. Jede Partnerin wusste bei mir zu jedem Zeitpunkt an was sie ist und es oblag ihr, mir meine Freiheiten zu gewähren oder dies nicht zu tun. In den meisten Beziehungen führte dies dazu, dass wir uns zusammen eine Frau für unseren Spaß geteilt haben, also beide körperlich untreu waren, denn Sex mit einer anderen Person als der eigenen Partnerin ist eben Untreue. Trotz Prinzipientreue, Loyalität und emotionaler Monogamie stehe ich dazu körperlich untreu zu sein, wenn meine Partnerin mir dieses Recht eben einräumt.

Was meinst du, wie können unsere Leserinnen herausfinden, ob sie BDSM mögen, wenn sie keinen Partner haben, der daran ebenfalls interessiert ist?

Horch in dich hinein. Was macht dich an, was schreckt dich ab? Ich denke das eigene Kopfkino ist hierbei der beste Hinweisgeber. Wer dafür ein wenig Input braucht, den lade ich mit der Geschichte Dunkelheit auf die dunkle Seite der Erotik ein, wo wir noch viele weitere Inhalte wie Erfahrungsberichte anbieten. Wenn dich die Inhalte ansprechen, dann solltest du dich über die Gefahren, die durchaus auch vorhanden sind, informieren und dann mit der Suche nach deinem Dom (oder auch deinem Sub) starten.

BDSM, Bondage, Dominanz - was ist was?

Das Interview wurde per E-Mail geführt.

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