Ein ganzes halbes Jahr: Warum du diesen Film lieben wirst

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"Ein ganzes halbes Jahr" ist ein berührender Film über die Liebe und den Sinn des Lebens.
Foto: Warner Bros.

Ein ganzes halbes Jahr: Ein nachdenklicher Film voller Liebe

Achtung! In diesem Text wird das Ende des Films verraten. Wir warnen an der entsprechenden Stelle vor, für all diejenigen, die den Film sehen wollen, ohne zu wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Schon als ich das Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ von der britischen Autorin Jojo Moyes gelesen habe, war ich tief berührt. Bei den letzten Seiten des Romans, der im englischen "Me before you" heißt, standen mir ständig die Tränen in den Augen, so dass ich die Buchstaben kaum noch erkennen konnte. Ach ja, sensibles Frauchen, wird so mancher jetzt denken. Aber nein, ich bin zwar ein Sensibelchen, wenn es um Liebesfilme geht, aber dieser Film geht tiefer. Die Geschichte von Will und Lou handelt von Leben und Tod, von existentiellen Fragen unseres Lebens, die hier eine sehr traurige Antwort finden.

„Ein ganzes halbes Jahr“ ist ein Film über die Liebe und das Leben und die kurze Zeit, die wir auf dieser Erde verbringen dürfen, der aufweckt und uns fast schmerzhaft bewusst macht, wie wertvoll das Leben ist und dass wir jede kleine Sekunde davon genießen sollten, so gut es eben geht.

Will ( Sam Claflin ) ist zu Beginn noch ein gesunder, starker, junger Mann, der erfolgreich in seinem Job performt, eine schicke Wohnung und eine schöne Verlobte hat, die er sehr bald heiraten will. Doch dann wird er von einem Motorrad angefahren.

Will überlebt, doch er bleibt querschnittsgelähmt. Seine Arme, seine Beine … er kann nichts mehr bewegen. Essen, Baden, zur Toilette gehen - für jede kleinste Bewegung ist er fortan auf fremde Hilfe angewiesen. Will quält sich wahnsinnig mit seiner hilflosen Existenz, mit all den gestorbenen Träumen und der Aussicht auf eine sehr trostlose Zukunft ohne Hoffnung auf Besserung.

An genau dieser Stelle trifft er auf Louisa ( Emilia Clarke ), kurz und liebevoll von allen „Lou“ genannt. Sie wird von seinen Eltern offiziell als Pflegerin eingestellt. Was Lou zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Will möchte seinem Leben ein Ende setzen. Sechs Monate später will er in die Schweiz reisen, um dort Sterbehilfe zu erbitten.

Doch was keiner der beiden erwartet: Sie verlieben sich ineinander. Zwischen Lou und Will entwickelt sich eine ganz besondere Liebe, eine zärtliche Liebe voller Fürsorge von beiden Seiten. Lou kümmert sich um Wills Gesundheit und gibt alles, um ihn aufzuheitern. Will wiederum setzt es sich bald zum Ziel, Lou zu zeigen, was die Welt alles zu bieten hat und dass es sich für sie lohnen würde, die kleine englische Ortschaft zu verlassen, in der sie sich festgesetzt hat.

Der Moment, in dem die beiden sich das erste Mal küssen, ist wunderschön. Draußen blitzt und donnert ein Gewitter über den Himmel, drinnen kuscheln sich die beiden auf einem großen, weißen Bett aneinander, als könnte ihnen nichts und niemand jemals etwas anhaben. Das ist Liebe , dachte ich, wenn es egal ist, ob der andere irgendwie unperfekt oder krank ist, wenn du gar nicht anders kannst, als bei diesem einen Menschen zu sein.

Achtung! Spoiler! Nicht weiterlesen, wenn du nicht wissen willst, wie die Geschichte endet!

„Ein ganzes halbes Jahr“ ist aber auch ein Film, der klar macht, wie grausam und unfair das Leben sein kann. Denn obwohl Will mit Louisa so unerwartet glücklich ist, hält er an seinem Entschluss fest, sein Leben zu beenden. „Ich kann dir nicht das Leben bieten, das du verdient hast, dass dir ein anderer bieten könnte. Und ich will nicht, dass du für mich auf etwas verzichten musst. Dass du mich eines Tages ansiehst, und deine Entscheidung für ein Leben mit mir bereust“, sagt Will zu Louisa.

Und man kann seine Entscheidung verstehen. „Ein ganzes halbes Jahr“ ist auch ein Lehrstück dazu, wann es Zeit sein kann, einen geliebten Menschen gehen zu lassen, selbst wenn der Verlust dieses Menschen für uns unerträglich ist.

Harsche Kritik von Gegnern der Sterbehilfe

Viele Kritiker des Films stören sich daran, dass dieser vermeintlich die Botschaft vermittelt, dass ein Leben mit einer derart starken Behinderung sinnlos ist und es besser ist, zu sterben, als so eingeschränkt zu leben. Es ist verständlich, dass viele Menschen sehr empfindlich auf diesen Punkt reagieren. Die Geschichte von Will vermittelt jedoch ganz deutlich, dass es nicht generell darum geht, ob ein Leben mit Behinderung sinnlos ist oder nicht, sondern darum, dass es allein die Entscheidung eines jeden einzelnen Menschen ist, ob er leben oder sterben möchte.

Zum Thema Sterbehilfe sagt Jojo Moyes im Interview mit Wunderweib.de: "Diese Kritik wundert mich sehr, denn das Buch ist ja schon vier Jahre auf dem Markt und bisher hatte ich immer nur positive Rückmeldungen bekommen, auch von behinderten Menschen. Es ist schwer für mich, auf diese Kritik zu antworten, denn für mich ist das nicht die Botschaft dieser Geschichte. Aus meiner Sicht geht es bei „Ein ganzes halbes Jahr“ sehr stark um ein Einzelschicksal, um eine ganz individuelle Entscheidung, die ein Mann trifft, der sehr kompromisslos ist – obwohl alle Menschen um ihn herum sich das Gegenteil wünschen. Die Geschichte ist inspiriert von einer wahren Geschichte eines Menschen, der sehr ähnliches erlebt hat. Was mich dabei interessiert hat, ist, was geschieht, wenn du eine Entscheidung triffst, die niemand versteht und mit der niemand einverstanden ist. Wie kannst du diese Menschen zum Verstehen bringen? Und was tust du, wenn du sie nicht dazu bringen kannst, dich zu verstehen? Ich habe keine Antworten auf diese Fragen. Ich will nur dazu anregen, darüber nachzudenken, wie es wäre, in den Schuhen dieser Person zu stecken. Was würde ich tun, wenn ich dieser Mensch wäre? Was würde ich tun, wenn ich seine Mutter wäre? Was würde ich tun, wenn ich das Mädchen wäre, das sich in ihn verliebt hat, um ihn zum Umdenken zu bringen? Also, nein, ich denke nicht, dass das die Botschaft dieses Filmes ist."

Jojo Moyes hat sogar darüber nachgedacht, das Buch ganz anders enden zu lassen: "Ja, ich habe darüber nachgedacht, Will für das Leben entscheiden zu lassen. Ich habe sogar überlegt, das Buch mit zwei Enden zu schreiben, einem Happy End und einem No Happy End. Dann hätten die Leser entscheiden können, was sie lesen wollen. Aber dann wurde mir klar, dass das nicht richtig gewesen wäre. Will war ein derart starker und kompromissloser Charakter, er hätte sich nicht für dieses Leben entschieden."

Dargestellt werden Lou und Will von den wunderbaren Schauspielern Sam Claflin und Emilia Clarke – zwei junge Gesichter, die wir bestimmt noch oft im Kino sehen werden, denn die beiden spielen mit Herz und Seele und verkörpern ihre Rollen, als wären sie speziell für sie geschrieben worden.

PS: Mir hat die englische Version des Films wesentlich besser gefallen, weil Louisa und Will sich in der deutschen Version siezen und so eine seltsame Distanz zwischen ihnen entsteht, die nicht so recht passt. Wer Gelegenheit dazu hat, sollte sich den Film also unbedingt auf Englisch ansehen!

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