Ein Gläschen Sekt zum Entspannen?

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Foto: Philip Lee Harvey/cultura/Corbis

Alkohol - unterschätzte Volksdroge

Mehr als 15 Millionen Deutsche trinken zu viel. Genießen wir noch, oder brauchen wir ihn schon - den Alkohol?

Das Leben genießen . Mit gutem Essen und einem edlen Tropfen Wein. Das ist die Lebensart der Franzosen. "Nach der Arbeit erst mal ein Drink" - so ähnlich sieht es zurzeit bei den Deutschen aus. Sie trinken nicht, um zu genießen, sondern um Stress abzubauen und zu entspannen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, an der 363 988 Männer und Frauen in acht EU-Staaten teilnahmen. Die Zahlen sprechen für sich. Im Konsum von Alkohol sind wir mit 9,7 Litern pro Jahr (und Leber) an der Spitze. 36 Prozent gaben an, mindestens einmal pro Woche "fünf oder mehr Gläser alkoholischer Getränke" zu sich zu nehmen. Ist das noch Genuss, oder muss man schon von "Saufen" sprechen?

Neben Kindern und Jugendlichen hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) nun auch die Frauen als Risikogruppe im Blick.

Nach ihrer Schätzung betreiben bundesweit 15 Millionen Menschen einen "riskanten Umgang" mit Alkohol: Jede sechste Frau und jeder fünfte Mann trinken mehr, als die Weltgesundheitsorganisation WHO als unbedenklich einstuft. Das wäre: eine Flasche Bier oder ein 0,2-Liter-Gläschen Wein am Abend. Frauen bechern demnach in dieser Grauzone kräftig mit. Warum?

Der Grund: Trinken, um zu entspannenEinen Grund sieht die Sozialpädagogin Rosemarie Heger von der Suchtberatungsstelle "vista Berlin" im steigenden Leistungsdruck , der auf berufstätigen Frauen lastet. Zu ihr kommen häufig Frauen, die einen verantwortungsvollen Job stemmen. Oder in einem stressigen Alltag zwischen Arbeit und Familie die Kurz zeitentspannung mit Wein oder Sekt suchen.

Doch Stress-Trinken ist bereits die Eingangspforte zu einem risikohaften Umgang mit Deutschlands Volksdroge Nummer 1. "Wer sich abends nach einem Krach mit der Kollegin oder einem anstrengenden Tag erst mal ein Gläschen Wein einschenkt, ist noch kein Alkoholiker ", erklärt der Arzt und Suchttherapeut Rüdiger-Rolf Salloch-Vogel. "Es kann aber sein, dass er den Alkohol bereits missbraucht. Deshalb empfehle ich jedem, sich hin und wieder bewusst zu machen, wann und warum er Alkohol trinkt."

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