Ein Hauch Karibik im Atlantik

ein hauch karibik im atlantik
Madeira
Foto: Christine Bredow , Uschi Zietsch

Reise: Madeira und Porto Santo

Berge oder Meer, Action oder Relaxen? Auf der portugiesischen Insel Madeira können Sie alles haben: Wandern, Wassersport, Wellness.

Abtauchen im Atlantik

„Sport? Wir halten uns hier fit mit dem Wein-Workout!“ erklärt mir Corina fröhlich. „Trauben-Treten zum Beispiel ist das beste Training überhaupt. Dabei steht man wie früher in einem großen Holzbottich und stampft den Saft aus den Früchten. Perfekt für Bauch, Beine, Po. Oder das Pflücken: super für Bizeps und Schultern.“

Ich stehe etwas ratlos in Corinas Agentur „LokoLoko“ im „Marina Shopping Center“ in Funchal. Ich hatte mich nach sportlichen Aktivitäten erkundigt, auf Erntehelferin wäre ich dabei nicht gekommen. Corina kugelt sich fast vor Lachen: „Keine Sorge, Madeira ist ein Paradies für Sportler – hier kannst du außer Skifahren so ziemlich alles machen, von Klettern über Kayaking bis Korbschlittenfahren!“

Impressionen von Madeira finden Sie in der Galerie (26 Bilder)!

Abtauchen im Atlantik

Madeira ist 57 Kilometer lang und 22 Kilometer breit. Die Vulkaninsel gehört zu Portugal, liegt aber auf der Höhe von Nordafrika, 500 Kilometer westlich von Marokko. Im Winter wird es kaum kälter als 15 Grad, im Sommer selten über 30 Grad. Ideale Bedingungen für Outdoor-Aktivitäten!

Corina stellt mir ein Sport- Programm für die nächsten Tage zusammen und beschließt: „Los geht‘s mit Kayaking. Ich begleite dich.“

Unsere Tour beginnt am Lido Galomar in Caniço de Baixo (rund zehn Kilometer östlich von Funchal). Wir paddeln eine gute Stunde lang an der schroffen Steilküste entlang, dann gehen wir Schnorcheln. Das Wasser ist überraschend warm (23 Grad), glasklar und die Fischvielfalt enorm: Papageien-, Trompeten- und Kugelfische, sogar Muränen und Mantarochen sind zu sehen – ein fantastisches Erlebnis!

Rasante Schlittenfahrt

Ich verabschiede mich und fahre mit dem Mietwagen nach Funchal. Die Inselhauptstadt liegt malerisch zwischen Bergen und Meer. Im Zentrum um die Avenida Arriaga locken Cafés und Restaurants, kleine Boutiquen, ein quirliger Markt und urige Kellereien. Man kann die City zu Fuß erkunden, auf dem Bike (Tour mit Corina: 35 Euro für eineinhalb Stunden) oder im Bus (12 Euro für eineinhalb Stunden, www.douroacima.pt).

Den besten Blick auf die Stadt hat man vom höher liegenden Vorort Monte. Man erreicht ihn vom Hafen mit der Seilbahn. Wieder nach unten geht’s im Korbschlitten. Früher übliches Transportmittel, heute ein Gefährt für wagemutige Touristen. Auf echten Kufen geht es dabei durch steile enge Gassen, geschoben von zwei lustigen Madeirensern, die zwischen den Fahrten gerne ein Gläschen vinho zu sich nehmen. Was dazu führt, dass sie irgendwann von Normaltempo auf Rallye-Modus umschalten.

Gipfel-Glück

Am nächsten Tag steht Wandern auf dem Programm. Guide Norberto holt mich in meinem Hotel „Casa Velha do Palheiro“ ab, eine wunderschöne Villa oberhalb von Funchal.

Wir wollen Madeiras höchsten Berg besteigen, den Pico Ruivo (1.862 Meter). Während der Autofahrt zu unserem Startpunkt erzählt mir Norberto begeistert: „Wir haben hier die levadas, ehemalige Bewässerungskanäle, die sich über die ganze Insel ziehen (levar = wegtragen).

Sie sind gesäumt von schmalen Wegen, die ein perfektes Wandernetz durch Madeira bilden. Ich hab‘ für dich extra eine Tour durch den Lorbeerwald ausgesucht. Er existiert nur noch hier, auf den Azoren und Kanaren, deshalb wurde er 1999 zum Weltnaturerbe und letztes Jahr zu einem der ,7 Wunder von Portugal’ erklärt.“

Die Wanderung ist wirklich wunderschön: Wir sehen moosbewachsene Baumriesen und haushohe Farne, Wasserfälle, Vulkangestein und Weinterrassen. Nach drei Stunden erreichen wir den Gipfel. Der Pico Ruivo liegt fast in der Mitte von Madeira, und man hat einen herrlichen Panorama-Blick über die ganze Insel.

Auf dem Rücken der Pferde

Trotz Mega- Muskelkater am Tag danach bin ich wild entschlossen, Reiten zu gehen. Das „Centro Hípico“ liegt bei Santo da Serra, 15 Kilometer von Funchal. Mir ist etwas mulmig.

Erstens saß ich bisher – im Gegensatz zu meinen Hanni-und-Nanni-Schulfreundinnen –, recht selten auf einem Pferd. Und zweitens sieht der Reitlehrer so gut aus, dass ich wünschte, ich hätte wenigstens etwas Erfahrung.

Aber meine Sorge ist unbegründet. Beautiful Leonel erklärt mir charmant die Basics und nach einer halben Stunde weiß ich, wie man die Zügel hält, korrekt sitzt und dem Pferd zeigt, in welche Richtung es gehen soll. Wenn es will.

Wir wagen sogar einen Ritt in die umliegenden Wälder, und am Ende ernte ich ein klitzekleines Lob: „Für eine Anfängerin gar nicht so schlecht.“ Na bitte. Vom Reiterhof fahre ich in mein neues Quartier, die „Quinta da Rochinha“ im Fischerdorf Ponta do Sol (20 Minuten von Funchal).

Das stylishe Designhotel thront spektakulär auf einer steilen Klippe direkt über dem Meer! Ich setze mich mit einem Glas Madeira-Wein auf die Terrasse und bewundere den Sonnenuntergang, dann falle ich erschöpft ins Bett. Das Rauschen der Wellen ist meine Nachtmusik.

Fest für die Sinne

Das erste, was ich beim Aufwachen sehe, ist das leuchtende Azurblau des Atlantiks. Ich würde gerne liegenbleiben, aber ich habe mich zum Sunrise Yoga angemeldet. Großes Glück: Ich bin die einzige Schülerin, und Yogi Gonçalo widmet sich ganz mir allein. Stretching, Sonnengruß, Entspannung – der perfekte Start in den Tag.

Corina hatte auch einen grandiosen Plan für heute: Ich soll mein Mietauto gegen ein Oldtimer-Cabrio tauschen und damit über die Insel cruisen. Der Wagen wird sogar angeliefert! Mein erstes Ziel ist Porto Moniz im Nordwesten. Ich nehme die Inlandsstraße, eine sensationelle Strecke: Es geht durch schmale Schluchten und über steile Bergpässe, durch dschungelartige Wälder wie aus „Jurassic Park“.

Das Beeindruckendste aber sind die Blumen: Überall leuchtet es Rot, Gelb und Violett, blühen Flammenbäume und Strelitzien, Magnolien und Orchideen. Jetzt verstehe ich, warum Madeira den Beinamen Blumeninsel hat!

Vulkan-Schwimmbecken

In Porto Moniz hat das Meer aus der Lava natürliche Pools gewaschen, in denen man wunderbar baden kann. Nach einem Sprung ins Wasser fahre ich an der Nordküste weiter bis Santana. Die Straße windet sich in engen Serpentinen am Meer entlang und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Steilküste. In Santana lege ich in der „Quinta do Furão“ eine Lunchpause ein.

Es gibt die Spezialität espetada (Rindfleischspieß, acht Euro) und als Dessert Früchte , die alle auf Madeira wachsen: Banane und Papaya, Mango und Maracuja (vier Euro). Für den Rückweg nehme ich die Schnellstraße nach Ponta do Sol. Rein in den Bikini, raus an den Hotelpool und relaxen.

Spiderwoman

Heute wartet die größte Herausforderung auf mich: Klettern. Diesmal werde ich von Fabio begleitet. Wir stehen am Fuß einer senkrechten Felswand am Formosa-Strand bei Funchal. Nach einer pragmatischen Einweisung („alles easy, sind nur 15 Meter bis oben!“) sichert mich Fabio mit dem Seil und schickt mich in die Wand. Von unten höre ich Anweisungen: „Links ist eine Mulde für den Fuß. Rechts eine Spalte zum Festhalten.“

Bin ich Spiderwoman? Vorsichtig schiebe und ziehe ich mich zentimeterweise hinauf. Und tatsächlich: Irgendwann sitze ich oben auf dem Felsen und winke Fabio glücklich zu. Zur Belohnung bekomme ich danach in der Strandbar eine poncha, Madeiras Kult-Cocktail. Ein Mix aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitrone (ab zwei Euro) – saúde, prost!

Karibik-Feeling

40 Kilometer nordöstlich von Madeira versteckt sich ein weiteres Juwel im Atlantik: Porto Santo ist eine Wüsteninsel mit wenig Vegetation, aber neun Kilometern goldenem Strand und türkisfarbenem Meer – der perfekte Abschluss für meine Reise! Ich nehme die Fähre früh morgens und checke keine drei Stunden später am Strand im „Porto Santo Hotel & Spa“ ein.

Dann miete ich mir ein Mountainbike und erkunde die Insel. Das geht schnell, sie misst nur elf mal sechs  Kilometer. Ich starte in Vila Baleira, dort gibt es ein paar Shops, Restaurants und Bars. Danach radle ich auf den höchsten Berg (Pico do Facho, 517 Meter), mache eine Weinprobe in Serra de Dentro und esse Degenfisch mit Banane (acht Euro).

Den Rest der Zeit gehe ich Laufen, Schwimmen und lasse mich im Spa verwöhnen (mein Favorit: Basilikum-Öl-Massage, 50 Euro für 40 Minuten). Aber am allerliebsten sitze ich unter einer Palme in der Beach-Bar meines Hotels und schaue zu, wie die Wellen auf den Strand rollen. Ein Hauch von Karibik , mitten in Europa.

Travel-Tipps

Flug

(vier Stunden)ab 314 Euro: www.condor.de,ab 338 Euro: www.tuifly.com,ab 427 Euro: www.flytap.com (jeweils hin und zurück)

Fähre nach Porto Santo: ab 21 Euro, www.portosantoline.ptSämtliche Aktivitäten auf Madeira kann man buchen bei: www.lokoloko.com.pt

Hotels

„Quinta da Casa Branca“: Boutiquehotel mit Top-Restaurant und Traum-Garten. Übernachtung mit Frühstück ab 67 Euro, www.dertour.de;„Quinta Casa Velha do Palheiro“: mit eigenem Golfplatz, Übernachtung mit Frühstück ab 65 Euro, www.olimar.de;„Quintinha de São João“: zentral in der Hauptstadt, plus Pool, Hamam und Spa. Übernachtung mit Frühstück ab 69 Euro,„Quinta Albatroz“: östlich von Funchal, alle Zimmer haben Meerblick. Übernachtung mit Frühstück ab 55 Euro,„Quinta da Rochinha“: Leih-Fahrrad und täglich Wanderungen inklusive! Übernachtung mit Frühstück ab 30 Euro; alle drei über: www.quintas-madeira.com MIETAUTO ab 28 Euro pro Tag, www.drivefti.de

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