Ein Leben mit Krebs - wie ich mich wirklich fühle

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Foto: Lisa Magill

"Ich kann den Tumor in meinem Bauch spüren"

"Man weiß nie, was der morgige Tag bringt. Das Leben kann sich innerhalb eines Augenblinzelns ändern. Also begrüße den neuen Tag wenn du morgen aufwachst, umarme und küsse deine Liebsten oder rufe sie an, wenn du sie nicht sehen kannst, gehe zur Arbeit und nörgle und jammre, dass der Tag nicht enden mag, aber wenn er es tut, schau in den Sonnenuntergang und fühle ein wenig Dankbarkeit ..."

Wenn ein Bekannter, ein Freund oder ein Familienmitglied von uns die Diagnose Krebs erhält, ist es schwer, zu reagieren. Man kann für die Betroffenen da sein und sie durch die schwere Zeit begleiten. Man kann versuchen, sich in sie hineinzuversetzen, doch so viel Empathie ein Mensch auch besitzt – niemand kann wirklich wissen, wie es sich anfühlt, Krebs zu haben, ohne selbst betroffen zu sein. Und oftmals ist es so, dass die Betroffenen sich stark präsentieren, um ihre Liebsten nicht mit ihren Ängsten zu belasten. Doch innen drin sieht es meist ganz anders aus ...

So ergeht es auch Lisa Magill. Die 34-Jährige aus Brisbane ist eine starke Frau, die das Leben so nimmt, wie es kommt – auch dann, wenn es ihr einen Schlag versetzt, wie im April 2012, als sie das erste Mal mit Krebs diagnostiziert wurde.

Ein 1 Kilogramm schweres Magengeschwür hatte sich in ihrem Bauch breit gemacht. Lisa kämpfte und siegte. Doch der Triumph blieb von kurzer Dauer. Im September 2013 war der Krebs wieder da – diesmal mit einer Streuung im gesamten Bauch- und Beckenraum. Auch dieses Mal gibt Lisa nicht auf, auch nicht als die Ärzte ihr nur noch wenige Wochen zu leben voraussagten. Diese Prognose ist heute fast 3 Jahre her. Nach unzähligen Operationen und Chemotherapien ist Lisa am Leben – doch der Krebs ist noch immer da.

Auf ihrem Blog möchte sie anderen Menschen helfen und offenbart in einem berührenden Text, wie sie sich wirklich fühlt. Die Zeilen gehen unter die Haut und lösen Bewunderung für den Lebenswillen einer so starken Frau aus, die selbst mit unheilbarem Krebs noch immer vor allem an das Wohl anderer denkt.

Wie ich mich wirklich fühle

„Ich kann den Tumor in der Mitte meines Unterbauchs spüren, den, den ich bereits spürte, als er das erste Mal wiederkam. Nach einer Bestrahlung habe ich keine andere Option mehr und selbst wenn – seien wir ehrlich – ich habe das Beste versucht; Immuntherapie, Chemotherapie, Proteinkinaseinhibator; Es wird wahrscheinlich nichts bringen. Ich bin keine Miesmacherin und ich kann meine Freunde schon sagen hören :„Ach komm Lisa, das bist nicht du, wo ist die positive Lisa?“. Die, die ihn jedes Mal bekämpft hat, wenn man ihr gesagt hat, sie könnte es nicht - gut, ich bin noch hier, ich hatte immer diese Zweifel und ich komme immer noch damit klar, ich habe euch bloß nie davon erzählt, wenn es mir so erging.

Sich hilflos zu fühlen steht mir nicht

Ich glaube als die Person mit Krebs stecken wir oft mehr Energie in den Schutz unserer Liebsten, wir sorgen uns mehr um eure Sorgen, als um uns selbst - gut, das tue ich so oder so. Ich habe oft gesagt, ich sei froh, dass es mich traf und nicht eins meiner Familienmitglieder oder geliebten Menschen und das ist nicht märtyrerisch. Ich glaube einfach nicht, dass ich damit umgehen könnte, ich glaube nicht, dass ich mit ansehen könnte, wie jemand durch meine Schmerzen und Krankheit geht, ohne es besser machen zu können.

Die Wahrheit ist, dass ich mich selbst verarsche

Während ich mich über Sonnenbaden lustig mache und Dinge sage wie „Ach, ich habe schon unheilbaren Krebs, dann kann ich ebenso gut gebräunt sterben!“, ist die Wahrheit, dass ich mich selbst verarsche. Ich sage nicht, dass ich immer ängstlich bin, die meiste Zeit habe ich keine Angst, aber es gibt Momente wie diese, in denen ich um 2 Uhr nachts wach bin, wenn das Haus still ist und ich alleine mit meinen Gedanken bin. Ich habe zwei Shots meiner Schmerzmittel getrunken, seit ich diesen Blog begann, weil meine Leber unter den Tumoren, die auf sie drücken, schmerzt, und es sind diese Momente, in denen ich in Tränen ausbrechen könnte.

Ich habe so viele Ängste rund um das Sterben, aber die größte ist die Angst, etwas zu verpassen.

Wenn ich sterbe, werde ich nicht mehr da sein, ich werde Rebeccas Anruf nicht mehr annehmen können, wenn sie sich über ihren langen Arbeitstag auskotzen will. Ich werde wahrscheinlich nicht dabei sein, wenn Ava eingeschult wird oder da sein, um ihr zu erklären, warum der Junge im Bus ihre ständig an den Haaren zieht. Werde ich bei der nächsten Staffel "House of Cards" überhaupt noch da sein? (Ja, das meine ich ernst.) Werde ich den 18. Geburtstag der Tochter meiner Freundin Kieran erleben? Werde ich noch da sein, wenn meine Freundin Sharon ihr Haus gebaut hat? Wird das mein letztes Weihnachten oder mein letzter Geburtstag? Und die Liste geht weiter.

Der Gedanke nicht mehr da zu sein jagt mir Angst ein.

Ich möchte, dass meine Familie dann eine von diesen ist, die bei besonderen Ereignissen den Tisch für mich mit deckt. Ich möchte, dass Theresa Caputo an die Tür meiner Eltern klopft und mit mir auf der anderen Seite spricht, noch lieber wäre ich ein Geist (ein zukünftiger Hinweis an meine Familie: Ich werde nicht im Badezimmer auftauchen, ich werde nicht im Schlafzimmer erscheinen, meine Ortswahl wäre der Wohnbereich und wenn möglich werde ich dreimal klopfen, bevor ich auftauche, so dass ihr euch nicht erschreckt.)

Ich habe das mit meinem Bruder diskutiert und er hat sich strikt gegen meinem Besuch von der anderen Seite verweigert, also an dich Steven, ich werde dich nur beobachten, nicht sprechen und ich werde es in jedem Raum deines Hauses tun; Ich gewähre dir nicht einmal die Privatsphäre wie denen, die mich sehen wollen, also wenn dich das beunruhigt, solltest du vielleicht deine Meinung darüber ändern, mich sehen zu wollen, wenn ich dich aus dem Himmel besuche (ja, ich werde ziemlich sicher in den Himmel kommen).

Ich schaue alte Damen an und denke, ihr wisst nicht, was für ein Glück ihr habt

Ich habe mich nicht immer so gefühlt, seit ich herausgefunden habe, dass er wieder da ist. Ich schaue alte Damen an und denke mir, ihr wisst nicht, was für ein Glück ihr habt und erst recht wenn man hört, wie sie dem Kassierer von ihrem neuem, wahrscheinlich nicht richtig funktionierendem Hörgerät erzählen und wie hart ihr Leben ist. Ich weiß, eure Gelenke schmerzen, ihr könnt nicht mehr richtig sehen und hören - aber ihr seid hier um eure Geschichte zu erzählen und das ist, was zählt.

Man weiß nie, was der morgige Tag bringt, letzten Freitag war ich am Sterben, diesen Freitag habe ich mit meiner Nichte Drachen gemalt. Das Leben kann sich innerhalb eines Augenblinzelns ändern.

Also begrüße den neuen Tag wenn du morgen aufwachst, umarme und küsse deine Liebsten oder rufe sie an, wenn du sie nicht sehen kannst, gehe zur Arbeit und nörgle und jammre, dass der Tag nicht enden mag, aber wenn er es tut, schau in den Sonnenuntergang und fühle ein wenig Dankbarkeit.

Ich habe diesen Blog über mehrere Tage geschrieben und währenddessen sitze ich in der strahlenden Sonne, es sind schöne 27 Grad im Herbst und während die meisten Menschen draußen einen schönen Sonntagsausflug mit ihren Liebsten verbringen und den Tag dafür schätzen, schätze ich ihn nicht dafür, dass er sich im Herbst noch wie Sommer anfühlt, sondern weil ich hier sitze und tippe, lebend, denn letzte Nacht bin ich mit der Angst ins Bett gegangen, nicht wieder aufzuwachen."

(ww4)

Wer Lisas Geschichte verfolgen möchte, findet hier ihren Blog: terminallyfabulous.weebly.com

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