Ein Mann mit wildem Herz

ein mann mit wildem herz
Guy Pearce
Foto: Getty Images

Star-Porträt: Guy Pearce

Was für ein trotziger Blick: Im Film ist Guy Pearce ganz sanft. Privat kämpft der Schauspieler jedoch gegen seine inneren Dämonen an.

„Wir wurden verehrt, weil wir gut aussahen“

Er ist ein ehemaliger Poster-Boy. Von 1986 bis 1989 himmelten australische und englische Teenager Guy Pearce an. Damals hatte er eine Hauptrolle in der Kult-Soap „Neighbours“, turnte als Mike Young neben Kylie Minogue und Jason Donovan durch die australische Nachbarschaft. Doch nach vier Jahren Vorstadtidyll war Schluss.

„Wir wurden nicht verehrt, weil wir gut waren, sondern weil wir gut aussahen. Das fand ich so hohl, dass ich ausstieg“, sagt er. Jetzt findet er es nicht mehr so schlimm, Sexsymbol zu sein. „Mal ehrlich, wer wäre da nicht geschmeichelt?“

Und verdammt gut aussehen tut der gebürtige Engländer, der in dem Film „Zwei Brüder“ zwei Tiger rettet, ja tatsächlich: Saphirblaue Augen, hohe Wangenknochen, und dann ist da noch dieser trotzige Zug um seinen Mund. Guy gibt zu: „Ich bin einer, der es sich und seiner Umwelt nicht immer einfach macht.“

Als er drei Jahre alt war, sind seine Eltern mit ihm und seiner älteren, geistig behinderten Schwester Tracy von England nach Melbourne gezogen. Mit der Schauspielerei hat er angefangen, als sein Vater, ein Testpilot, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. „Ich war acht Jahre alt und musste mich irgendwie von dem Schmerz ablenken“, erzählt er.

Er sang im Schulchor und in Musicals und schnupperte an der örtlichen Bühne Theaterluft. Kurzzeitig hatte er eine Bodybuilding-Obsession, was ihm immerhin den Titel „Mr. Junior Victoria“ in seinem Bundesstaat Victoria einbrachte. Aber das Muskelspiel war auf Dauer nicht seine wirkliche Berufung.

„Ich kann ein richtig netter Kerl sein“

„Ich wollte in andere Rollen schlüpfen“, sagt er. Mit 18, direkt nach dem Schulabschluss, stand er dann das erste Mal für „Neighbours“ vor der Kamera: „Einen Namen als Schauspieler macht man sich damit natürlich nicht.“

Den bekam er mit anderen Filmen: Er spielte in der Transvestiten-Komödie „Priscilla, Königin der Wüste“ mit, drehte neben Kim Basinger „L. A. Confidential“ und kämpfte im Thriller „Memento“ mit viel nackter Haut und vielen Tattoos gegen seine Erinnerungslücken – und dabei auch ständig gegen seine privaten, inneren Dämonen.

„Ich bin, untypisch für eine Waage, extrem launisch“, gesteht er. „Ich kann ein richtig netter Kerl sein. Aber wenn ich meine Aggressionsphasen habe, bin ich ungenießbar.“ Als es in seiner Ehe kriselte, hat er erst seine Frau aus dem gemeinsamen Haus geworfen und dann eine Therapie gemacht.

Denn Kate Mestitz, eine Psychologie-Studentin, ist seine große Liebe. „Wir kennen uns noch von der Schule“, sagt er. Vor sieben Jahren haben sie geheiratet. „Ich hatte sie auf ein Podest gehoben. Inzwischen ist sie dem Boden zwar etwas näher, aber ich liebe sie noch mehr als früher“, sagt er.

Warum dann der Rausschmiss? „Weil ich zu unberechenbar war und ihr nicht weh tun wollte.“ Jetzt würde er gerne wieder mit ihr zusammenziehen – sie zögert noch. „Sie genießt ihre Unabhängigkeit – leider!“ Will er Kinder? „Keine eigenen“, sagt Guy. „Es gibt so viele arme Kinder. Wir wollen eins adoptieren.“ Dafür muss Kate aber erst wieder einziehen ...

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