Ein Pädophiler spricht: "Ich bin nicht das Monster, für das ihr mich haltet"

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Todd Nickerson ist pädophil und spricht offen darüber.
Foto: iStock/ Symbolbild

"Mein Name ist Todd Nickerson und ich bin ein Pädophiler"

Der Pädophile Todd Nickerson zeigt sich der Öffentlichkeit. Er hat einen Aufsatz über seine sexuellen Neigungen geschrieben.

Todd Nickerson schreibt seine Geschichte auf und macht sie im Internet auf auf Salon.com .com der ganzen Welt zugänglich. Warum Todds Aufsatz für so viel Aufsehen sorgt? Weil er pädophil ist.

"Ich bin geschlagen mit der bedauernswertesten sexuellen Orientierung von allen, einer Vorliebe für eine Gruppe von Menschen, die weder dem Gesetz oder der Moral nach noch in psychologischer Hinsicht dazu in der Lage wären, meine Gefühle und Bedürfnisse zu erwidern. Es ist ein Fluch, eine komplett unausführbare Sexualität und es ist meine. Wer ich bin? Schön, Sie kennenzulernen. Mein Name ist Todd Nickerson und ich bin ein Pädophiler. Überrascht Sie das?

Ja, nicht viele von uns sind dazu bereit, ihre Geschichte zu teilen - und das aus gutem Grund. Zu gestehen, dass man sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlt, bedeutet den verschmähtesten Status auf dem Planeten anzunehmen, einen Status der die Chancen auf ein normales Leben zunichte macht. Doch ich bin nicht das Monster, für das Sie mich halten. Niemals in meinem Leben habe ich ein Kind unangemessen berührt. Außerdem sehe ich mir auch keine Kinderpornografie an."

Warum spricht Todd Nickerson so offen über seine sexuelle Neigung? Er möchte damit darauf aufmerksam machen, dass Pädophile nicht automatisch auch Kinderschänder sein müssen. Viele (wie Todd), die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, kämpfen gegen diese Gefühle an, versuchen sie zu unterdrücken und geben ihnen nicht nach. Es gibt unter anderem mindestens ein Online-Forum für Pädophile, die sich zwar mit jemanden über ihre sexuelle Neigung austauschen wollen, aber ausdrücklich gegen den Missbrauch von Kindern sind.

Dennoch sind die verschiedensten Fälle von Kindesmissbrauch ein Beweis dafür, dass es Personen gibt, die ihren Neigungen sehr wohl nachgeben. Aus einer aktuellen Studie der Universität Regensburg mit insgesamt 28.000 Teilnehmern geht hervor, dass 1,4 Prozent der anonymen Befragten schon einmal ein Kind im Alter von zwölf Jahren oder jünger missbraucht haben. Rund jeder 20. Befragte gab außerdem zu, sich sexuell zu Kindern hingezogen zu fühlen. Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 300.000 Männer mit pädophilen Interessen. Die Anzahl an Frauen, die als pädophil gelten, d.h. sich zu vorpubertären Kindern hingezogen fühlen, ist dagegen verschwindend gering.

Was sind die Ursachen für Pädophilie?

Todd Nickerson schreibt, dass er selbst als Kind von einem erwachsenen Mann sexuell misshandelt wurde. Ein Freund der Familie streichelte, als sie allein waren, seine Genitalien. Obwohl Todd den Vorfall nicht für sich behielt, wurde die Angelegenheit totgeschwiegen. Den Mann von damals - er nennt ihn Hans - hat er nie wieder gesehen.

Doch lassen sichTodds Gefühle durch diesen Vorfall erklären? Er selbst ist sich nicht sicher. Auch wenn es seiner Meinung in einigen Fällen eine Verbindung zwischen Missbrauch im Kindesalter und sich später entwickelndenpädophilen Neigungen gibt, muss dies nicht immer der Fall sein. Nickerson glaubt viel mehr, dass es eine Kombination aus biologischen und gesellschaftlichen Gründen und der Erziehung sein könnte. Auf der Internetseite der Sexualwissenschaftlichen Ambulanz der Universität Regensburg heißt es: "Pädophilie ist eine Störung, die in gleicher Weise durch biologische, psychologische und soziale Faktoren bestimmt ist. Welche dieser Faktoren zur Entstehung von Pädophilie genau zusammen kommen müssen, ist bisher nicht geklärt. Jeder Versuch, dieser Problematik auf nur einen dieser Faktoren zu reduzieren, greift zu kurz."

Allerdings ist er sich ziemlich sicher, dass die meisten Pädophilen unter Unsicherheiten leiden.

"Ich denke, dass man behaupten kann, dass viele Pädophile mit tief sitzenden Unsicherheiten zu kämpfen haben oder diese zumindest hatten, als sich ihre Sexualität entwickelt hat. Diese Unsicherheiten ziehen sie dann in der Pubertät und danach immer weiter runter. Alles kann ein Auslöser sein: Behinderungen, Gewichtsprobleme oder auch einfach das Gefühl nicht attraktiv genug zu sein."

Außerdem ist Todd, der selbst ohne seine rechte Hand geboren wurde und eine Prothese trägt, der Meinung, dass auch die Tabuiesierung der sexuellen Störung dazu führen kann, dass Kinder, die unter den oben genannten Unsicherheiten leiden, negativ beeinflusst werden.

Todd hat nicht vor zuzulassen, dass er irgendwann seinen Neigungen nachgibt. Selbstmordgedanken, Drogenmissbrauch und Opiate haben ihn bisher auf seinem Weg begleitet. Mit seinem Aufsatz möchte er eigentlich nur eines erreichen:

"Behandelt uns wie Menschen mit einer schweren Behinderung, die wir überwinden müssen, nicht wie Monster. Wenn wir es in dieser Welt schaffen möchten, ohne angegriffen zu werden, brauchen wir eure Hilfe. Mir zuzuhören, ist ein Anfang."

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