Wenn die Kita geschlossen istEine Mutter fordert: Wir brauchen flexiblere Arbeitszeiten

Flexiblere Arbeitszeitenfür Eltern
Die Vereinbarkeit von Kindern und Job gestaltet sich für viele Eltern alles andere als einfach.
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Die Kita ist geschlossen, aber die Arbeit ruft: ein Problem, das viele Eltern kennen. Insbesondere jetzt in der Ferienzeit jonglieren viele Mütter und Väter mit ihren Urlaubstagen. Was da super wäre: flexiblere Arbeitszeiten. Das findet auch Sabrina Sailer, die selbst Mutter von zwei Kindern ist.


"Liebe Arbeitgeber,

es wird ja immer gefordert. Jeder will was von Ihnen: höhere Löhne, gerechtere Bezahlung, mehr Sonderleistungen, Familienfreundlichkeit …

Wir (Eltern) rufen es laut in die Welt hinein: Gebt uns flexible Arbeitszeitmodelle! Schafft die Anwesenheitszeit ab und gebt uns variable Möglichkeiten, unsere Arbeit zu erledigen!

Gerade eben habe ich die Ferienzeiten im digitalen Kalender eingepflegt. Ein Kindergartenkind, ein Schulkind. Meine jährlichen Kongress- und Messetermine, der Schichtplan vom Mann samt Urlaubsplanung.

Raten Sie mal: Die Zeiten decken sich nur selten. Manchmal sind die Ferien vom Schul- und vom Kindergartenkind sogar – direkt nacheinander. Lustig, oder?

Ich bin ehrlich: Ich traue mich gar nicht, die einzelnen Tage zu zählen. Wir bekommen das gestemmt, irgendwie. Im Gegensatz zu vielen anderen Arbeitnehmern haben wir nämlich einen doppelten Vorteil: 24h-Schichtler und Freiberufler zu sein. Ausfälle können wir oft auffedern, ohne weitere Ressourcen (Freunde, Großeltern, Babysitter) zu bemühen. Es gelingt uns „einfach so“.

Aber wir sind die Ausnahme.

Schließtage hier, Schließtag da, Schließtage überall

Klar: Ferientage weiß ich oft ein ganzes Jahr im voraus. He, das lässt sich ja wohl organisieren?! Natürlich, natürlich, keine Frage. Das wären dann übrigens noch nicht alle „Schließtage“.

Engagierte Kindergärten und Schulen bieten ihren Betreuungskindern noch viel mehr. Das ist wunderbar und löblich. Und wirklich anstrengend im Alltag.

Ein Beispiel, Vorschulkind, Bayern:

Mo: Alle Vorschulkinder treffen sich 15:30 auf dem Spielplatz und üben ein Lied ein. (Ich arbeite übrigens bis 16:00 Uhr.)

Di: Die Vorschulkinder treffen sich um 08:00 Uhr in der Grundschule & nehmen am Unterricht teil. Abholung der Vorschulkinder um 11:30 Uhr am Spielplatz. (Ich arbeite übrigens bis 16:00 Uhr.)

Mi: Die Musikgruppe im Kindergarten feiert Abschied mit den Vorschulkindern. Die Mütter (!) werden gebeten mit teilzunehmen. Start: 14:00 Uhr. (Ich arbeite übrigens bis 16:00 Uhr.)

Do: regulärer KiTa-Betrieb. Also, bis jetzt… (Ich arbeite übrigens bis 16:00 Uhr.)

Fr: Abschiedsgottesdienst für das KiTa-Jahr. Bitte holen Sie ihre Kinder um 15:00 Uhr ab. Gottesdienst startet um 16:00 Uhr. Vorschulkinder sind im Programm eingeplant und müssen teilnehmen. (Ich arbeite übrigens bis 16:00 Uhr.)

Unser KiTa-Jahr geht übrigens bis zum 30. Juli!

Lust auf mehr?

Kindergärten feiern Sommerfeste, Mutter-/Vatertag. Haben (kurzfristige) Teamfortbildungen. Sie streiken sogar ab und an. Und bei all diesen Gelegenheiten werden die Eltern aufgefordert, ihre Kinder bitte vorher zu holen. Bei uns ist das regelmäßig eineinhalb Stunden vor der üblichen Schließzeit. Zeit, die ich als Elternteil nicht wieder bekomme – denn der Kindergarten bietet keine Aufholmöglichkeit. Geschlossen ist geschlossen, Ende im Gelände.

Noch ein Beispiel? Wie wäre es mit: Das Kind lernt schwimmen.

Es ist Dezember. Im Kindergarten hängt eine Liste aus: Anmeldung zum Schwimmkurs. Ausgeschriebene Zeiten sind 10 Tage, täglich ab 16:00 Uhr. Machbar, denken wir uns und buchen den Kurs.

Warum? Schwimmen lernen ist essentiel, unbestritten oder? Lernen müssen wir es alle – und im Kurs, mit einer ausgebildeten Fachkraft samt seiner Freunde, ist es für ein Kind auch ein angenehmes Lernumfeld. Ja? Alles richtig gemacht?

Prima. Eine Woche vor Kursstart erfahren wir dann übrigens, dass die Montagseinheiten immer um 15:30 statt 16:00 Uhr starten. Oh, und die restlichen Tage starten um 15:00 Uhr.

Aber das ist ja kein Problem, oder?

Türlich nicht. Ich saß dann übrigens mit Laptop auf dem Boden der Schwimmhalle, weil sich das ins Büro heimfahren für gerade eine Stunde nicht lohnte. Oder habe nachts mehr gearbeitet. Wie gesagt: Ich kann das auffangen.

Der Unterschied zwischen Anwesenheit und Erfolg

Die meisten Unternehmen setzen auf Anwesenheitskontrolle. Selbst Gleitzeitmodelle bedeuten eine feste Anwesenheitszeit und das Reinarbeiten von Kernstunden. Es ist nicht wichtig, ob die Aufgaben in 4h erledigt werden – stattdessen ist wichtig, dass der Arbeitnehmer 8h am Arbeitsplatz ist.

Ist das (in einigen Berufen) sinnvoll? Bestimmt. Die Kassiererin kann nicht mal eben aufstehen und gehen – wenn niemand sonst da ist. Aber bei denen, wo es eben keinen direkten Grund gibt für die Anwesenheitspflicht – was ist da?

Ich behaupte ja schon seit längerem, dass Homeoffice auch (k)eine Lösung ist. Manchmal passt es, manchmal nicht. Die Bedingungen müssen stimmen. Ist es eine Option, um erfolgsbasiertes Arbeiten mit dem äußerste Flexibilität fordernden Kinderbetreuungsmodell zu vereinbaren?

Was denkt ihr?"

 

Geschrieben wurde der Text von der Bloggerin Sabrina Sailer. Ursprünglich erschienen ist er auf Ihrem Vereinbarkeitsblog.
 

 

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