Einfach mal abschalten!

einfach mal abschalten

Kolumne: Pssst…

Ein Abend zwischen Fremdschämen und Fassungslosigkeit - JOY-Autorin Anne Humpert zappt sich verzweifelt durch den TV-Dschungel.

Endlich Feierabend!

Endlich Feierabend – und heute steht auch mal nichts an: keine Party, kein Kino und auch kein Cocktail-Date mit den Freundinnen! Deshalb kuschele ich mich zu meinem Freund Moritz auf die Couch, um uns seit Langem mal wieder einen gemütlichen Fernsehabend zu machen.

Auf der Suche nach einem romantischen Hollywood -Film zappe ich durch unsere 35 Kanäle, doch meine anfängliche Befürchtung, dass wir uns zwischen mehreren Streifen nicht entscheiden können, entpuppt sich schnell als übertriebener Optimismus.

34 Tonnen stinkender Müll

Auf RTL gestaltet Tine Wittler beim „Einsatz in 4 Wänden“ mittlerweile nicht mehr nur Wohnungen um, sondern entsifft ganze Messie-Häuser. Wenn sie 34 Tonnen stinkenden Müll aus einem Eigenheim schleppt, vergeht mir nur beim Zuschauen schneller der Appetit als den C-Klasse- Stars beim perfekten Promi-Dinner.

Auf Vox läuft uns dann gleich die nächste dralle Blondine über den Weg: „Goodbye Deutschland“-Star Daniela Katzenberger hat wie Verona und Gina-Lisa gelernt: Mit dem Brustumfang wächst auch der Erfolg ! Und wenn „die Katze“ dann im knappen Top eine Tanz-„Geographie“ zu ihrem neuen Hit „Nothing’s Gonna Stop Me Now“ einstudiert, wünscht man sich, ihr Bildungsniveau wäre zumindest so hoch wie ihre tätowierten Augenbrauen.

Alternativprogramm auf der Couch

Ähnlich unterirdisch sind die „Frauentausch“-Kandidatinnen auf RTL2: Penible Putzteufelchen ziehen in Chaoshaushalte, Dicke zu Fitnessfreaks und Grufti-Bräute zu erzkonservativen Katholiken – im Idealfall gehen sich Leihmutter und neue Familie schon nach fünf Minuten gegenseitig an die Gurgel und erleiden tränenreiche Nervenzusammenbrüche. Unterstes Niveau gepaart mit karrieregeilen Möchtegern-Schauspielern – da verliert man schneller das Interesse als ein übergewichtiger Teilnehmer bei „The Biggest Loser“ seine ersten Pfunde.

Andere Geltungssüchtige hoffen bei „Das Supertalent“ auf ihren Durchbruch: Ein arbeitsloser Mundharmonikaspieler konkurriert gegen eine 81-jährige Jodlerin. Geisterbahn pur! Es geht ja wohl auch weniger um Talentsuche als um das Vorführen von verqueren Schicksalen, die in der Regel so authentisch rüberkommen wie Dieter Bohlens Solariumsbräune.

Mehr Sex dank Trash-TV

Angesichts dieses Fernsehangebots gerate ich in eine ähnliche Zwickmühle wie Giulia Siegel, die sich im Dschungelcamp zwischen Madenbad, Känguruhoden- Cocktail oder Spinnenmassage entscheiden muss. Auch Moritz hat mittlerweile genug. Mit einem eindeutigen Grinsen knipst er die Glotze aus und schlägt mir ein „Alternativprogramm“ auf der Couch vor.

Eins muss man dem Trash-TV lassen: Die Sendungen schrauben in unserem Wohnzimmer zwar nicht die Einschaltquote, aber dafür die Sexfrequenz in die Höhe. Und bei Moritz weiß ich zum Glück immer, welche Knöpfe ich drücken muss, damit ich bestens unterhalten werde!

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