"Einmal im Jahr Herzklopfen"

sxc mann strand
Warum meldete er sich nicht mehr?
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Der Mann, den ich nie bekommen habe

Fast jede Frau hat einen, den sie nicht aus ihrem Herzen löschen kann. Der es hätte werden sollen - aber nie geworden ist, weil es der falsche Zeitpunkt war. Oder er nichts von ihr wissen wollte. Ein Kompliment reichte, um unsere Autorin Nina Franck aus ihrer emotionalen Umlaufbahn zu werfen. Für ganze neun Jahre!

Was er immer sein wird: der Mann, der mir das schönste Kompliment meines Lebens machte. "Dein Bauch ist so sexy", flüsterte Jens mir ins Ohr und strich mir dabei über meine Minikugel, für die ich mich mit meinen 20 Jahren so sehr schämte. Wir standen in einer dunklen Ecke bei dem Konzert, an der wir uns nach Monaten wiedergesehen hatten, ein bisschen betrunken. Und ein bisschen verliebt - ich zumindest.

Neun Jahre ist das jetzt her und Jens ist längst aus meinem Leben verschwunden.

Nun, fast. Schuld an dem "fast" ist meine beste Freundin Sarah. Denn die feiert ihren Geburtstag jedes Jahr mit einer Riesenparty, zu der ich jedes Jahr eingeladen bin - so wie Jens. Und während mein Freund Thomas hundert Kilometer entfernt in unserer gemeinsamen Wohnung mit Kumpels Fußball guckt, weiß ich: Gleich stehe ich ihm gegenüber. Auch wenn ich Thomas niemals gegen Jens eintauschen würde: Vor Sarahs Tür klopft mein Herz.

Jedes Jahr ein wenig schwächer, aber es klopft.

Weil ich mich an babyweiche Haare in seinem Nacken erinnere, an sein Lachen, bei dem Hunderte Sommersprossen über die Wange tanzen. Daran, wie er mir nach unserem ersten Kuss monatelang lustige Briefe schrieb - aus Kanada, wo er einen Job als Skilehrer hatte. Die ich so oft las, bis das Papier ganz knittrig war. Und wie er sich nach seiner Rückkehr plötzlich nicht mehr meldete. Während ich mir das Gehirn zermarterte: Warum? Wochen lang, bis zu besagtem Konzert - auf dem ich zwar keine Antwort auf das "Warum" bekam, aber das Kompliment meines Lebens. Danach warf mich jede seltene SMS, jedes unvermutete Wiedersehen von Neuem um.

So wie jede Sendepause dazwischen mich leiden ließ. Bis Thomas uns dazwischen kam. Und ich merkte: Das mit Jens war längst an die Wand gefahren - weil ich noch Gas gab, während er längst die Bremse durchtrat.

Dieses Jahr wurde Sarah 30, fünfzig Gäste waren eingeladen, und auch Jens hatte zugesagt. "Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?", sagte Thomas, als ich mir gerade meine silbernen Ohrringe ins Ohr steckte. Zu der Party kam ich eine Stunde zu spät, wie immer mit klopfendem Herzen. Nur wusste ich diesmal: Es klopft nicht wegen Jens.

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