Endlich Nichtraucher - so klappt’s!

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Foto: djd (deutsche journalisten dienste)

Experten-Interview

Der WUNDERWEIB-Experte für Suchterkrankungen: Dr. phil. Michael Heidler

Dr. phil. Michael Heidler ist Diplom-Psychologe für Klinische Psychologie. Sein Arbeitsschwerpunkt sind Suchterkrankungen. Seit 2000 betreibt er eine Privatpraxis für Psychotherapie, die sich speziell an Suchtkranke wendet. Gleichzeitig ist er Leiter der Institute für Tabakentwöhnung an den Vivantes Klinika Neukölln und Spandau sowie am Humboldt-Klinikum in Berlin.

Im großen WUNDERWEIB-Interview spricht der Experte über die Folgen der Nicotinsucht, hat Rat für die effektive Tabakentwöhnung und gibt hilfreiche Tipps für ein Leben ohne Zigaretten.

Was passiert im Körper, nachdem man seine letzte Zigarette ausgedrückt hat?

Dr. phil. Michael Heidler: Auf den plötzlichen Mangel an Nicotin reagiert der Körper mit verschiedenen Entzugserscheinungen. Dazu gehören Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Verstopfung, Unruhe und Reizbarkeit sowie Konzentrationsstörungen. Im geringeren Maße ist eine Abnahme der Herzfrequenz sowie eine Verlangsamung der Hirnströme zu beobachten. In manchen Fällen führt der Entzug zu Depressionen.

Wie lange dauert es normalerweise, bis man "über den Berg ist" und nicht mehr von Entzugserscheinungen geplagt wird?

Dr. phil. Michael Heidler: Leider ist es nicht möglich, dazu eine allgemeingültige Aussage zu machen, denn jeder Mensch reagiert individuell und anders auf den Nicotinentzug. Allerdings kann man für den körperlichen Entzug davon ausgehen, dass er zwischen ein und drei Wochen lang dauert. Danach funktioniert der Körper in den meisten Fällen auch ohne Nicotin wieder ganz normal.

Was kann man gegen die Entzugserscheinungen tun?

Dr. phil. Michael Heidler: Eine sinnvolle Art und Weise, dagegen anzukämpfen, ist, in der ersten Zeit mit Mitteln zur Nicotinsubstitution zu arbeiten, d. h. dem Körper durch Nicotinpflaster oder ähnliches noch geringe Mengen der Substanz zuzuführen und diese kontinuierlich zu verringern. In unserer Therapie arbeiten wir zum Beispiel mit dem 24-Stunden Pflaster von Nicotinell, weil es rund um die Uhr wirkt und so die Entzugserscheinungen dauerhaft wirksam unterdrückt. Gleichzeitig gilt es aber auch, seine Verhaltensmuster zu ändern, d. h. in bestimmten Situationen dem Drang, zur Zigarette zu greifen zu widerstehen. Wird der körperliche Entzug aber durch eine kontrollierte Nicotinzufuhr durch Pflaster, Kaugummis und Lutschtabletten gemildert, ist es einfacher, sich auf die psychische Entwöhnung zu konzentrieren.

Welche Hilfsmittel sind bei der Tabakentwöhnung sinnvoll?

Dr. phil. Michael Heidler: Wie bereits erwähnt werden die körperlichen Entzugserscheinungen durch den Einsatz von beispielsweise Nicotinell-Ersatzpräparaten gelindert. Dies macht den Kopf frei, um sich ganz auf die anderen Aspekte bei der Tabakentwöhnug zu konzentrieren. Wer es allerdings ganz ohne Ersatzpräparate versuchen möchte, kann sich Unterstützung in Form von Nichtraucherkursen oder Literatur zum Thema Tabakentwöhnung holen.

Wie viele Menschen sterben jährlich an den Folgen der Tabaksucht?

Dr. phil. Michael Heidler: In Deutschland sterben jährlich cirka 110.000 bis 140.000 Menschen an den Folgen der Nicotinsucht.

Was bewirkt das hohe Suchtpotential von Nicotin?

Dr. phil. Michael Heidler: Das Problem daran ist, dass auch nach Jahren noch eine hohe Rückfallgefahr besteht. In den meisten Fällen genügt es, einmal an einer Zigarette zu ziehen, um ganz schnell wieder auf dem alten Niveau anzugelangen.

Welches ist die beste Art der Nicotinentwöhnung - langsam oder schnell?

Dr. phil. Michael Heidler: Am besten ist es, radikal mit dem Rauchen zu stoppen. Die Zahl der Zigaretten langsam herunterzufahren, führt in wenigeren Fällen zum Erfolg.

Wie wirken Nicotinpflaster bzw. -kaugummis und -lutschbonbons?

Dr. phil. Michael Heidler: Sie reduzieren den Nicotinspiegel im Organismus langsam und stetig. So hat der Körper Zeit, sich umzugewöhnen und sich auf die neue Situation einzustellen.

Gibt es psychologische Tricks, wie man trotz der Entzugserscheinungen am besten durchhält?

Dr. phil. Michael Heidler: Ja, es gibt eine ganze Menge an so genannten Verhaltensmodifikationen, die einem helfen, durch die schwierige Phase des Entzugs zu kommen, ohne rückfällig zu werden. Am besten ist es, sie individuell und gemeinsam mit einem Fachmann in einem Kurs zur Rauchentwöhnung zu erarbeiten.

Wie kann man verhindern, die Zigarette durch andere Genussmittel zu ersetzen und dadurch stark zuzunehmen?

Dr. phil. Michael Heidler: Tatsächlich besteht bei der Rauchentwöhnung die Gefahr einer Suchtverlagerung, wobei diese selten in Richtung Alkohol oder Drogen geht. Grundsätzlich ist es aber ratsam, in den ersten Wochen nach dem Rauchstopp auf Alkohol und Koffein in größeren Mengen zu verzichten.

Wie lange dauert es, bis sich die Lunge wieder erholt hat und ihren dem Alter entsprechenden Normalzustand wieder erreicht, nachdem man mit dem Rauchen gestoppt hat?

Dr. phil. Michael Heidler: Das hängt von der Ausgangssituation ab, also davon, wie lange und wie viel Nicotin von dem Raucher konsumiert wurde und kann daher so nicht beantwortet werden.

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