Entscheidung für Autos und gegen Kinder

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In der Stadt sind die Straßen häufig zu eng, als dass Kinder und Autos gleichzeitig Platz hätten
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"Temporäre Spielstraße" in Berlin vor Gericht

Eine Anwohnerin will nicht, dass ihre Straße einmal in der Woche für ein paar Stunden für Autos gesperrt wird, damit Kinder spielen können. Was das Gericht dazu sagt…

Eigentlich kennt man den Prenzlauer Berg genau anders herum: Der Stadtteil von Berlin gilt als besonders kinderreich und -freundlich. Der Begriff der "Latte-Macchiato-Mama" zum Beispiel , die den Tag angeblich nur mit dem Kinderwagen im Café verbringt, hat hier seinen Ursprung zu haben. Jetzt aber zeigt sich der durchaus umstrittene, aber beliebte Teil Berlins plötzlich von seiner unfreundlichen Seite. Die Kinder sollen weg, die Straße ist für Autos da!

Es geht um die Gudvanger Straße. Seit Ende Mai war die einmal in der Woche für Autos gesperrt, damit die Kinder der Anwohner ein bisschen mehr Platz zum Spielen haben und nicht, wie bei Stadtkinder so oft der Fall, nur in der Wohnung aufwachsen müssen. Außerdem wurde immer wieder darauf verwiesen, dass es in der Gegend wenig Spielplätze gibt. Jeden Dienstag zwischen 10 und 18 Uhr hieß es deshalb: Alle Autos anhalten, jetzt sind die Kinder dran! Autos dürften weder durchfahren noch parken.

Diese Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit an einem von sieben Wochentagen störte eine Anwohnerin so sehr, dass sie die so genannte "temporäre Spielstraße" von einem Gericht verbieten lassen wollte.

Und tatsächlich: Die Richter stoppen jetzt die Kinder und lassen den Autos Vorfahrt. Ihren Eilbeschluss begründen sie damit, dass es sich bei einer Spielstraße nicht um eine "Veranstaltung" handelt – nur dann wäre die Sperrung rechtens. Im Gegensatz zu einem Straßenfest habe eine Spielstraße weder Programm noch Inhalt. Kinder und ihr Wohl scheinen als Argument gegen die bürokratischen Regeln nicht anstinken zu können.

Auch wenn das ganze Projekt ohnehin vor der Sommerpause stand und bis Oktober befristet war: Schade!

So ist das eben in der Stadt: Auf engem Raum wohnen viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Am besten funktioniert das, wenn alle kompromissbereit sind und wertvollen Platz abgeben. Und in diesem Fall war es sogar nur einmal in der Woche ein Platz. Ein Parkplatz.

>> Warum ihr eurem Kind niemals mit der Polizei drohen solltet

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