Erfahrungsbericht Bizzfit: Was bringt ein 20-Minuten-Training ohne Schwitzen?

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Beinpresse, Rudermaschinem Rückenstrecker: Bei Bizzfit mache ich meine eigenen Erfahrungen mit Krafttrainingsgeräten
Foto: privat / wunderweib

„Ein Mal 20 Minuten in der Woche reichen aus, um fit zu werden“ – das Fitness-Konzept von Bizzfit wirbt mit einem Slogan, der schöner nicht sein könnte! Man darf offiziell in normalen Klamotten trainieren, weil man wohl nicht schwitzt.

Den Termin kann man sich persönlich aussuchen und trainiert in Begleitung eines Profis. Das Ziel: Straffung, Muskelaufbau, Rückenstärkung, Definition und Gewichtsabnahme. Hält Bizzfit, was es verspricht?

Ich bin bei solchen Werbeversprechen immer schon von vorne herein skeptisch. Eine geniale Voraussetzung, um es mal am eignen Leib zu testen, befand meine Chefin. Also machte ich mich auf den Weg zur Bizzfit-Filiale in Hamburg, nur wenige Gehminuten von unserem Büro entfernt.

Trainingstag 1 (Montag, 07. März, 11:20 Uhr):

Mega neugierig betrete ich also dieses kleine aber feine Fitnessstudio. Erster Eindruck: Sauber, minimalistisch eingerichtet und dennoch gemütlich. Gefällt mir. Ich spreche mit Carl Nehls, dem Betreiber dieser Filiale. Er wird mir in den nächsten vier Wochen als Personal Trainer zur Seite stehen – beruhigend, wie ich Kraftsport-Muffel finde. Carl fragt mich, ob ich Kaffee oder Wasser trinken möchte. Natürlich will ich lieber Kaffee – und denke mir insgeheim: Oh-oh, war das schon die erste falsche Antwort in den Augen meines neuen Coaches? Jedenfalls will Carl erst mal alles über mein Sportverhalten wissen (gehe täglich mit meinen Hunden Gassi. Und schwimme regelmäßig. Krafttraining ist in meinem Leben nicht vorhanden – man muss ja nicht gleich übertreiben…).

Das ist Carl Nehls (35), mein Personal Trainer und Geschäftsführer der Bizzfit-Filiale in Hamburg (Alter Fischmarkt 11)

Zusätzlich will Carl wissen wie groß (1,61m) und alt (27) ich bin und wie viel ich wiege (*imaginärer-schwarzer-Balken*). Das mit dem Wiegen macht Carl vor Ort nochmal. Mit einer Waage, die neben dem Muskel- auch den Fettanteil meines Körpers misst (aja). „Ist ja fast fifty-fifty bei dir“, versucht er mich zu beschwichtigen. Mein Fettanteil ist nämlich etwas höher als mein Muskelanteil – Montag halt, wie ich finde. Faulheit, wie Carl findet.

Dann geht’s in den Trainigsraum – natürlich in Bluse, Jeans und Stiefeletten meinerseits. Hier darf man das ja (*Faulheit-siegt*). Allerdings friere ich. Das sage ich auch. Carl sagt: „Es sind 17 Grad hier drin. Perfektes Klima, um nicht zu schwitzen.“ Na toll, denke ich, die Frostbeule in Person. Erkenntnisse bis jetzt: Ich bin fett und friere. Ein Gefühl der Resignation steigt in mir auf. Doch dann: der Lichtblick. Carl sagt: „Wir trainieren an sieben Geräten. Pro Gerät ein Satz - insgesamt nur 20 Minuten.“ Ein Hoffnungsschimmer, dass es schnell geht. Und die Neugierde lockt meine Motivation wieder hervor. Dann mal los.

Das erste Gerät soll meinen unteren Rücken stärken. Ich mache eine Übung locker. Das findet Carl nicht so gut. Er erhöht das Gewicht auf rund 23 Kilo und ermahnt mich, die Bewegungen sehr, sehr langsam auszuführen. Meine Lockerheit nimmt ab. Es wird anstrengend. Nach vier Wiederholungen kann ich nicht mehr. Jetzt mutiert Carl zu einem dieser Trainer, die man aus dem Fernsehen kennt: „Einer noch!“, drillt er mich. Das packe ich. Irgendwie. Aua.

Dann geht’s an’s zweite Gerät. Es soll die Schulterpartie trainieren. So wie Carl das vormacht finde ich, dass es einfach aussieht. Das mache ich doch mit links, denke ich, lässig neben dem Gerät stehend. Dann bin ich dran und denke: „Fuck! Ich wusste gar nicht, dass man DORT Muskeln hat?!“ Ich sage zu Carl: „Ich merke schon was.“ Ich will ja nicht seinen anfänglichen Eindruck von mir bestätigen, dass ich faul sei. Nach fünf Übungen geht’s an’s nächste Gerät.

Das dritte Gerät soll meinen Bauch trainieren (das hat er auch nötig, wie ich finde). Carl macht die Übung vor und sagt, Männer hätten an dem Gerät mehr Probleme als Frauen. Wegen der Koordination oder so. Ich grinse stolz (dass ich eine Frau bin) und versage natürlich beim Nachahmen der Übung. Ist klar. Montag und so. Carl findet es gar nicht mal so schlecht wie ich es „für den Anfang“ mache. Nach wenigen Wiederholungen weiß ich: Dieses Gerät wird nicht mein Freund. Niemals. Ich will nicht mehr. Alles tut irgendwie weh. Und ich habe Durst. Während ich das Denke, steht Carl mit einem Becher Wasser vor mir. Was ein Service, freue ich mich – und hoffe, dass er nicht alle meine Gedanken lesen kann…

Die vorletzte Übung, so verspricht Carl, sei die angenehmste. Ist sie auch. „Ist gut für die Taille“, sagt er. Und tatsächlich: Es fällt mir leicht von der Hand. Leider habe ich mir das anmerken lassen. „Super“, sagt Carl, „dann machen wir das mit Gewicht“ und drückt mir fünf Kilo in die Hand. Na toll. Nach etwa drei Wiederholungen entscheide ich, mit diesem Gerät durch zu sein.

Zum Schluss sind noch die Beine dran. Carl sagt schon mal, dass ich ruhig fluchen dürfe, wenn mir danach sei. Das hätte er mir nicht sagen sollen. In mir breitet sich tiefe Unruhe aus. Was erwartet mich jetzt? Ich mache die Übung und finde sie okay. Also machbar. Irgendwie. Liegt wohl am Gassi-Gehen und schwimmen, denke ich selbstbewusst. Nach der zweiten Wiederholung tun meine Waden weh. Mist. „Ist das Zittern normal?“, frage ich Carl mit der Hoffnung, dass er mich von der Übung erlöst. „Es wäre nicht normal, wenn du nicht zittern würdest“, antwortet er, „und jetzt nochmal – und laaaaangsamer!“ Ja nee, is klar.

Nachdem wir fertig sind, fragt mich mein Personal Trainer (klingt schon irgendwie cool, einen eigenen „Personal Trainer“ zu haben) wie ich den Tag so fand. Ich sage: „Effektiv. Hätte ich nicht gedacht…“ Carl grinst – „Wann kommst du wieder? Nächsten Montag?“ Er empfiehlt mir, vier Mal zu kommen. Ein Mal habe ich jetzt hinter mir. Ich schwanke zwischen Freude und dem Gedanken „Mist, was habe ich mir da bloß eingebrockt?!“ Die Freude siegt. Ich spüre jetzt wirklich meine Muskeln (Carl sagt, das ist normal). Wenn ich nach den vier Wochen wirklich einen Unterschied merke, muss ich mein (Welt-)Bild vom Krafttraining ändern. Ich bin gespannt und verabschiede mich.

Zurück im Verlag, nehme ich den Fahrstuhl ins dritte Stockwerk. Ich habe Hunger und bin müde – nach nur 20 Minuten Training. Vielleicht hatte Carl wirklich Recht als er sagte, diese 20 Minuten seien äquivalent zu zwei Stunden im üblichen Fitnessstudio. Wenn der Effekt der gleiche ist, wäre das ja der Hammer.

Trainingstag 2 (Montag, 14. März, 11:20 Uhr):

Bei Bizzfit angekommen, sehe ich durch die Glasscheibe, dass mein Personal Trainer Carl noch mit einem anderen Kunden trainiert. Der Typ macht seine Bein-Po-Muskel-Übung und stöhnt dabei. In Anbetracht dessen, dass er geschätzte zwei Meter groß und ebenso breit ist, verwundert es mich doch ein wenig, dass die Übung ihn so anstrengt. Die wenigen aber harten Wiederholungen haben es nun mal in sich. Nach meinem letzten Training hatte ich zwei Tage Muskelkater. Der Kunde verlässt den Raum und ich bin an der Reihe. Mir fällt auf, dass ich dieses nahezu private Training sehr angenehm finde. Keiner da, vor dem man sich schämen müsste. Kein Druck. Sehr entspannt. Nur Carl ist da, der mich ein wenig triezt. Aber ich wollte es ja nicht anders. Das Training verläuft problemlos und scheint mir weniger anstrengend als beim letzten Mal zu sein. Kann es wirklich sein, dass mein Körper sich so schnell an die Übungen gewöhnt hat? Nach den obligatorischen 20 Minuten fühle ich mich wieder wie nach einem kleinen Marathon. Ich bin immer noch verblüfft.

Trainingstag 3 (Montag, 21. März, 11:20 Uhr):

Heute habe ich so mal gar keine Lust auf das Training. Nach meinem Chill-Sonntag (den ich fast komplett im Bett verbracht habe), bin ich noch nicht im Trainings-Modus. Warum ich mich dennoch motiviere hin zu gehen, ist folgender Gedanke: „Sind ja nur 20 Minuten – die kriegst du schnell rum, Katrin!“ Außerdem müsste ich mich vor Carl rechtfertigen. Das ist wohl der kleine Nachteil beim Personal Training: Da ist immer noch eine zweite Person, vor der man seine Faulheit eingestehen müsste.

Das Training fällt mir heute schwieriger als sonst. Carl sagt, die Tagesform hat eben Einfluss auf meine Leistung. Ich quäle mich also durch die Geräte während Carl neben mir steht und Dinge sagt wie „Schalt einfach den Kopf aus!“ und „Tief atmen, am besten durch den Mund – so bekommst du mehr Sauerstoff!“ Zwar schafft es kein Carl der Welt mich zur Hochform zu bringen, wenn ich einen kraftlosen Tag habe. Allerdings bin ich schon ein wenig engagierter, wenn ich Carls Ansporn lausche: „Einen schaffst du noch!“, „Den machen wir noch zusammen!“, „Gleich hast du’s geschafft!“. Nach 20 Minuten hab ich’s dann tatsächlich geschafft und bin überrascht, wie schnell die Zeit dann doch wieder verging.

Trainingstag 4 (Dienstag, 29. März):

Es ist soweit: Mein letzter Probe-Trainigstag bei Bizzfit. Und das nach einem Wochenende, an dem ich bei Bier und Chips das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und England schaute. Meine Kohlenhydrat-Reserven sind absolut aufgefüllt. Ich versuche meinen Körper davon zu überzeugen, dass Carl es wieder richten wird.

Ein letztes Mal geht mein Personal Trainer also mit mir die Geräte durch: Rudermaschine, Bauchmuskelmaschine, Brust- und Schulterpresse. Dann kommt etwas Neues: Der Rückenstrecker. Während mich die anderen Geräte an meine Grenzen bringen, lässt dieses Teil mich kalt. Das Ding ist wohl nix für mich.

Wir beenden meine 20 Minuten wie üblich mit der Beinpresse, bei der meine Beine immer noch zittern, wenn ich sie bediene. „Das soll so sein. Das ist normal“, beruhigt mich Carl jede Woche auf’s Neue. Inzwischen kennt er meine Schwachstellen und meine Stärken. Er achtet darauf, dass ich die Maschinen korrekt bediene, den Kopf hoch halte, die Schultern nicht hochziehe oder die Füße still auf dem Boden halte. Schon praktisch, so ein Kerl, der die ganze Zeit neben mir steht und ich darauf hinweist, sobald ich etwas nicht beachte. „Kopf ausschalten“, pflegt Carl ja immer zu sagen, „Alles was du tun musst, ist regelmäßig zu atmen.“

 

Fazit:

 

Bizzfit scheint wie gemacht für mich: wenig Zeit investieren, keine umständliches Umziehen, keine Gewusel unter Leuten, dafür ein Personal Trainer, der mir ständig auf die Finger schaut und mein Training mehr unter Kontrolle hat als ich (er notiert jedes Mal in meiner persönlichen Tabelle wie viel ich wie gestemmt habe) – was will man mehr? :-)

Das Preis-Leistungsverhältnis ist mit 99 Euro pro Monat angemessen – allerdings muss man das nötige Kleingeld erst einmal übrig haben. Für eine individuelle Betreuung mit persönlichem Trainer ist der Preis aber okay - schließlich merke ich schon nach vier Wochen einen kleinen aber feinen Unterschied.

Zwar kann ich nicht mit einem Sixpack brillieren (was wohl auch an meinen Essgewohnheiten liegt), allerdings merke ich jetzt schon, wie ich tatsächlich aufrechter gehe, sitze, mich bewege – wie Carl es mir von vorne herein versprochen hat: Stärkt man gezielt die Rückenmuskeln, wirkt sich das auch auf die generelle Haltung aus.

Ich werde jetzt privat noch einige Monate weiter bei Bizzfit trainieren, wobei mich vor allem der minimale Zeitaufwand motiviert. Meine anfängliche Skepsis habe ich im Laufe der Probezeit quasi abtrainiert. Stattdessen bleibt eine Rest-Neugierde, wie viel das Training noch aus mir heraus holt und wie es sich in Kombination mit einer bewussten Ernährungsweise auswirkt. Carl offenbarte mir, dass die Personal Trainer ihren Schützlingen auch Ernährungstipps geben, gezielt auf ihre Wünsche ausgerichtet (Männer wollen meist Muskeln aufbauen, Frauen wollen abnehmen).

Wer Lust auf ein Probetraining hat, kann es hier tun: Bizzfit Probetraining.

Wer lieber Ausdauersport machen möchte, dem empfehle ich schwimmen zu gehen. Da muss man sich zwar umziehen, aber Schwitzen tut man dabei auch nicht ;-)

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