Fairtrade: Wie fair ist das Siegel wirklich?

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Siegel für Fairtrade gibt es viele. Das Problem: Kaum ein Verbraucher blickt durch.
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Verbraucherschutz

Fairtrade ist sinnvoll: hochwertige Lebensmittel, die wir mit gutem Gewissen kaufen können. Experten wissen, dass vieles verbessert werden muss. Die Kritik.

Hochwertige Lebensmittel, die wir mit gutem Gewissen kaufen können - das System Fairtrade ist äußerst sinnvoll. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat nun aber aufgedeckt, dass vieles noch verbessert werden muss. Die Kritikpunkte.

Unklare Vorgehensweise

Was viele Verbraucher nicht ahnen: Auch wenn eine Nuss-Nugat-Creme das Siegel "fair gehandelt" trägt, garantiert das nicht, dass alle ihre Inhaltsstoffe auch aus fairem Handel stammen. Dies müsste deutlich klarer kommuniziert werden.

Der Hintergrund ist eigentlich ein guter. Für sogenannte Mischprodukte hat der Dachverband der deutschen Fairtrade-Organisationen, Fairtrade International (FLO), eigene Standards festgelegt. Die Regelung zu den Produkten Kakao, Rohrzucker, Fruchtsäfte und Tee besagt, dass ein Mengenausgleich angewendet werden kann. Er kommt zum Einsatz, wenn bei der Herstellung die Trennung zwischen Fairtrade- und konventionellen Rohwaren nicht gegeben ist, und soll sicherstellen, dass sich die eingekaufte Fairtrade-Ware und die tatsächlich verkaufte Menge entsprechen. Das soll gewährleisten, dass eine Firma in Deutschland nicht mehr Produkte mit Fairtrade-Siegel verkauft, als sie im Ursprung bei den Kleinbauern eingekauft hat. Der Mindestanteil an Fairtrade-Ware im Produkt muss gemäß FLO bei 20 % liegen.

Unterschiedliche Standards

Es gibt viele Fairtrade-Logos, Symbole und Auslobungen von diversen Unternehmen und Organisationen. Alle mit eigenen Standards. Der Fairtrade-Händler El Puente setzt den Standard z. B. auf 50 % Mindestanteil. Das Unternehmen GEPA wendet gar keinen Mengenausgleich an, da es die physische Rückverfolgbarkeit aller Produkte bis zu den Produzenten gewährleistet. Hier durchzublicken ist für Verbraucher sehr schwer.

Der Wasser-Rechentrick

Eine gängige Maßnahme fair handelnder Firmen ist es, den Gesamtwasseranteil eines Produktes abzuziehen und nur die Trockenmasse als Berechnungsgrundlage zur Gesamtmenge fairer Anteile zu verwenden. Der Verbraucherschutz Hamburg betrachtet dies als Etikettenschwindel, da sich so der Anteil fair gehandelter Bestandteile in einem Produkt relativ gesehen erhöht.

Schlechte Lesbarkeit

Viele Fairtrade-Hersteller haben auf ihren Verpackungen schlecht lesbare und auch unübersichtliche Zutatenlisten. Auch die zum Zutaten-Text gestellte Symbolik ist oft nur schwer verständlich.

Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg fordert: "Wir wollen Fairtrade unterstützen, aber wir wollen mehr Transparenz für Verbraucher."

Fairtrade im Check

In dem Markt-Check der Verbraucherzentrale Hamburg wurden zum Thema "Fairer Handel" 31 Lebensmittel aus Supermärkten, Drogerien oder Weltläden auf Herkunft der Rohstoffe und auf allgemeine Trans parenz der Informationen auf den Verpackungen überprüft. Dabei wurden allein bei dieser Stichprobe 27 unterschiedliche Siegel, Markennamen und Auslobungen gezählt. Ein einheitliches Siegel wäre die Lösung.

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