Falsch getankt - zahlt dafür die Haftpflicht?

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Grün oder schwarz oder wie?
Foto: stock.xchng

Rita B. wollte ihrer Freundin während einer Rast einen Gefallen tun und fuhr mit deren Wagen zur Zapfsäule. Dort aber tankte sie falschen Sprit. 7150 Euro kostete die Reparatur des Motors. Geht es nach ihrer Haftpflicht, soll Rita das nun selbst bezahlen.

Schon seit zwei Stunden waren die Freundinnen auf der Autobahn unterwegs. "Ich fahre gleich zur nächsten Raststätte", kündigte Tina G. (30) ihrer Mitfahrerin Rita B. (29) an, "ich brauche unbedingt mal eine kleine Pause."

Als sie die Raststätte erreichten, verschwand Tina als erstes auf der Toilette. "In der Zwischenzeit kann ich den Wagen ja volltanken", rief Rita ihr noch nach. Sie hielt es für eine gute Idee. Denn so könnte sie sich für die Mitnahme finanziell erkenntlich zeigen und gleich die Benzinrechnung bezahlen.

Deshalb setzte sich Rita ans Steuer und fuhr die paar Meter vom Parkplatz zur Zapfsäule.

Sie füllte den Tank randvoll mit Superbenzin. Ein fataler Fehler! Denn als die Frauen ihre Fahrt fortsetzten, machte der Motor erst seltsame Geräusche, dann setzte er ganz aus. "Hast du denn richtig getankt?", fragte Tina, "du weißt doch, dass der Wagen Diesel braucht?"

Daran hatte Rita nicht gedacht. Und nun war es passiert. Der Wagen blieb auf der Autobahn liegen, musste abgeschleppt werden. Die Motorreparatur kostete zusätzlich 7150 Euro. Weil Rita kein Auto und auch keine Kfz-Haftpflichtversicherung hatte, schaltete sie ihre private Haftpflicht ein. Doch die winkte ab. "Dafür sind wir nicht zuständig." Denn Rita habe ja das Auto - wenn auch nur für wenige Meter - gefahren. "Dann gilt der private Haftpflichtschutz nicht, sondern nur die Kfz-Haftpflicht", hieß es. Das aber sah Rita als spitzfindige Ausrede an. Sie nahm sich einen Anwalt und zog vor Gericht.

Wie würden Sie entscheiden?

Jetzt bitten wir Sie, mal in die Rolle des Richters schlüpfen. Halten Sie es, ebenso wie Rita, für eine Spitzfindigkeit, mit der sich die private Haftpflichtversicherung hier vor der Zahlung drücken will? Oder waren die paar Meter, die Rita den Wagen Zapfsäule bewegt hat, tatsächlich als Fahrt zu bewerten? Und fällt der Schaden im Zusammenhang mit dieser Fahrt darum in den Bereich der speziellen Auto-Haftpflicht, die Rita ja gar nicht besitzt? Bitte versuchen Sie, ein gerechtes Urteil zu sprechen.

So urteilte der Richter

Rita musste den gesamten Schaden selbst tragen. Entscheidend war, dass sie das Auto an die Zapfsäule gefahren hatte, während die eigentliche Besitzerin auf der Toilette war. Damit greift die sogenannte Benzinklausel. Sie soll Überschneidungen zwischen Kfz- und Privathaftpflichtversicherung vermeiden. Da Rita den Wagen einige Meter an die Zapfsäule gefahren hatte, wurde sie für einen kurzen Augenblick zur Führerin des Wagens. Und dann erlischt der Schutz ihrer privaten Haftpflichtversicherung (Landgericht Duisburg, 11 O 105/05 - 7/06).

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