Familiendrama: Wenn Eltern ihre Kinder töten

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Hier gibt es Hilfe für Betroffene und Opfer

Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu Familientragödien, in deren Verlauf Menschen ihre Kinder und Lebenspartner töten. Der Polizeiruf 110 macht solch ein Drama zum Thema. Hier gibt es Hilfe für Opfer.

Diese Taten sind so unfassbar schrecklich, dass man es kaum glauben mag, wenn die Medien vermelden: „Mann tötet Frau und Kinder“ oder „Mutter vergiftet ihre Söhne“. Doch Familientragödien dieser Art geschehen leider immer wieder. Mütter oder Väter bringen ihre Kinder um und töten anschließend sich selbst und zuweilen auch noch den Partner.

Der Polizeiruf 110 Familiensache “, der am Sonntag ausgestrahlt wurde, zeigte einen solchen Fall: ein unbescholtener Familienvater verliert seinen Job, es kommt zur Trennung von der Ehefrau. Der Mann tötet seine Frau und zwei seiner drei Kinder. Das dritte Kind kann gerettet werden. (Wer den Film noch sehen möchte: Er wird am Dienstag, 4. November, um 00.35 Uhr nochmal im Ersten ausgestrahlt.)

Die traurigen Szenen machten die Zuschauer fassungslos. Es blieben viele Fragen: Warum bringt ein Elternteil seine Kinder um? Gibt es Warnzeichen für einen bevorstehenden Amoklauf? Wie können Hinterbliebene ein solches Geschehnis verarbeiten?

"Er wollte mich psychisch zerstören"

In der anschließenden Gesprächsrunde bei Günther Jauch versuchten Betroffene und Experten, diese Fragen zu beantworten. Doreen Salomon berichtete von ihren eigenen Erfahrungen: Ihr Mann hat sich selbst und den gemeinsamen Sohn getötet. „Man ist zu alt, um neu zu starten, aber zu jung, um zu sagen, dass das Leben vorbei ist“, beschrieb sie ihre jetzige Situation. Sie hat das Familienhaus und ihren Beruf aufgegeben.

Hat ihr Mann den Sohn denn nicht geliebt? „Ich denke schon. Aber seine Art von Liebe war eher Besitzerliebe. Er hat ihn umgebracht, weil er mich damit verletzten wollte, er wollte mir wehtun, mich psychisch zerstören“, versuchte Doreen Salomon das Unfassbare zu erklären.

Fakt ist: Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland ungefähr 10.000 Menschen das Leben. Davon sind 70 Prozent Männer, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention. Und weiter: „Das Suizidrisiko steigt bei Frauen und Männern mit dem Lebensalter. Das durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid Verstorbenen liegt bei circa 57 Jahren – mit steigender Tendenz. In Deutschland sterben ungefähr genauso viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen.“ Experten schätzen, dass es jedes Jahr zu 10 bis 20 solcher tödlichen Familiendramen kommt, wie es im Polizeiruf-Film zu sehen war.

Die Gründe für den Wunsch nach dem Ende des eigenen Lebens können sehr vielfältig sein. Es gibt Menschen, die keinen anderen Ausweg aus einer schwierigen Situation sehen und solche, für die ein Selbstmordversuch ein verzweifeltes Notsignal ist, durch das sie Beachtung bekommen wollen. Andere wollen protestieren und jemandem vermitteln: „Das hast du davon, wenn ich mich töte…!“ An einen solchen Punkt führen zum Beispiel Verlusterlebnisse, Gewalterfahrungen, Liebeskummer oder Familienkonflikte wie eine Trennung .

Wer in eine solche Situation gerät, sollte sich darum unbedingt frühzeitig informieren und Hilfe suchen. Dies gilt auch, wenn man als Beobachter den Eindruck gewinnt, dass ein anderer Mensch in großen Schwierigkeiten steckt. Einige Warnzeichen für Suizid-Absichten können sein: sozialer Rückzug, traurige und gedrückte Stimmung, agressiv-abwehrendes Verhalten und Veränderungen des Aussehens, wie etwa eine zunehmende Verwahrlosung.

Wer sich Sorgen um einen bekannten Menschen macht und glaubt, dass derjenige darüber nachdenkt, sich selbst etwas anzutun, sollte auf jeden Fall das Gespräch suchen, aufmerksam zuhören und Hilfe anbieten oder auf externe Hilfsangebote hinweisen

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Weitere Informationen und hilfreiche Kontakte gibt es auf den folgenden Seiten:

  • Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention und Hilfe in Lebenskrisen e.V. (DGS): www.suizidprophylaxe.de
  • Nationales Suizidpräventionsprogramm / Zusammenschluss von mehr als 90 Institutionen, Organisationen und Verbänden zur Suizidprävention: www.suizidpraevention-deutschland.de
  • Telefonseelsorge: Tel: 0800 - 1110111 / www.telefonseelsorge.de
  • Für Opfer von Kriminalität bietet der Weiße Ring Hilfe an: www.weisser-ring.de
  • Außerdem gibt es in jedem Bundesland polizeiliche Angebote zu Opferhilfe und Opferschutz, z.B. in Berlin unter http://www.berlin.de/polizei/aufgaben/opferschutz-opferschutzhilfe/ oder in Baden-Württemberg http://www.service-bw.de/zfinder-bw-web/lifesituations.do?llid=321880&llmid=0

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