Fehlerhafte Behandlung: So können Sie sich wehren

fehlerhafte behandlung
Fehlerhafte Behandlungen u.a. in Zahnarztpraxen sind nicht selten.
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Ärztepfusch!

Es passiert immer wieder und seit Jahren mit steigender Tendenz: 3932 fehlerhafte Behandlungen wurden allein von den Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) im vergangenen Jahr bestätigt.

Was besonders auffällt: Fehlerhafte Behandlungen kamen am häufigsten bei Therapien von Zahnmark und -wurzel vor sowie bei Behandlungen von Karies. Wir verraten Ihnen, was Sie tun können, wenn der Zahnarzt Murks gebaut hat.

Erst reklamieren, dann reparieren

Wenn die Krone schief sitzt, man mit dem neuen Implantat nicht richtig beißen kann oder die Dritten über normale Anpassungsprobleme hinaus drücken oder Scheuerstellen verursachen, können Sie reklamieren und Ihren Zahnarzt auffordern, die Sache zu reparieren. Der Arzt entscheidet selbst, ob er nachbessert oder Ersatz anfertigt.

Darf ich den Zahnarzt wechseln?

Geht der Ärger weiter, weil der Zahnarzt notwendige Nachbesserungen verweigert, oder ist der Zahnersatz völlig unbrauchbar, kann der Patient die fehlerhafte Behandlung abbrechen und den Zahnarzt wechseln. Wichtig: Als gesetzlich Versicherter halten Sie bitte erst Rücksprache mit Ihrer Krankenkasse!

Wer trägt die Kosten?

Folgekosten einer Nachbehandlung durch einen Kollegen muss der erstbehandelnde Arzt als Schadensersatz übernehmen. Grundsätzlich gilt: Zwei Jahre lang muss der Zahnarzt gratis nachbessern oder durch "Pfusch" entstandene Schäden wie eine Zweitbehandlung ersetzen - wenn die Arbeit von Beginn an mangelhaft war.

Bei Streit einen Gutachter einschalten

Besteht Streit darüber, ob ein Behandlungsfehler vorliegt, ist eine regelmäßige Begutachtung durch einen neutralen Sachverständigen ratsam. Eine Weiterbehandlung sollte deshalb erst nach einer Begutachtung losgehen. Ist der Schaden vorher beseitigt, ist er kaum nachweisbar, sodass Sie die Kosten der Nachbehandlung oder Schadensersatzansprüche verlieren können.

Wer kann helfen?

Die gesetzlichen Krankenkassen können mit einer außergerichtlichen Rechtsberatung helfen und ein medizinisches Gutachten durch den MDK einholen. Die Kassen müssen übrigens künftig Patientenanträge auf Leistungen oder Behandlungen innerhalb von drei Wochen bearbeiten. Verstreicht die Frist ohne Nachricht an den Antragsteller, gilt die Maßnahme als genehmigt. Beratung vor Ort finden Sie bei Verbraucherzentralen, Selbsthilfegruppen oder Patientenberatungsstellen, z. B. der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Diese hat unter der Rufnummer 0800 0117722 ein bundesweites kostenloses Beratungstelefon eingerichtet. www.unabhaengige-patientenberatung.de

So erkennen Sie einen guten Zahnarzt

Der Arzt sollte genügend Zeit für eine gründliche Befragung, Untersuchung und Beratung haben, unterschiedliche Alternativen mit Kosten- und Zeitplan vorstellen und dem Patienten bei umfangreicheren Reparaturen genügend Bedenkzeit geben.

Vorsicht, wenn der Arzt Ihnen Privatleistungen aufdrängen will.

Bei teuren Arbeiten am Gebiss ist es ratsam, eine Zweitmeinung einzuholen. Spezialisten (etwa für Wurzelkanalbehandlung oder Implantologie) finden Sie mit Hilfe der Krankenkasse oder über die Bundeszahnärztekammer unter www.bzaek.de . Unter der Rubrik "Patienten" und "Zahnarztsuche" können Sie nach Ärzten mit bestimmten Tätigkeitsschwerpunkten in Ihrer Nähe suchen.

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