Feige Fahrerflucht: Polizei sucht dringend Totraser

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Die Polizei Bochum sucht den Totraser von Witten.
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Appell ans Gewissen: Polizei will Totraser von Witten finden

In der Halloween-Nacht 2010 überfuhr ein Unbekannter den jungen Berufssoldaten Christian M. in Witten bei Bochum. Bis heute sucht die Polizei nach dem feigen Täter - und appelliert jetzt mit einem offenen Brief an das Gewissen des Täters.

"Auch nach der Verjährung werden Sie Ihre Schuldgefühle sowie die Angst, verraten oder entdeckt zu werden, nie mehr loswerden. Und diese Angst verjährt nie! Können Sie und Ihre Mitwisser damit bis zum Ende des Lebens klarkommen? Wohl kaum!"

Selten hat die Polizei so emotional nach einem Täter gesucht, doch dieser Fall erfordert besonders harte Maßnahmen. Vor fünf Jahren wurde in Bochum in der Halloween-Nacht ein junger Mann überfahren - der Fahrer flüchtete und ließ sein Opfer einfach liegen. Der junge Mann hieß Christian, er war Berufssoldat und in jener Nacht auf dem Weg nach Hause. Doch kurz vor seiner Haustür wurde er von dem unbekannten Totraser überrollt.

Die Polizei hat ein Bekennerschreiben erhalten

Spuren hatten damals ergeben, dass es sich bei dem Fahrzeug des Rasers um einen schwarzen Corsa der Baujahre 2001 bis 2006 gehandelt haben muss. Doch selbst eine Überprüfung von 2500 Wagen brachte keinen weiteren Hinweis auf den Täter. Jedes Jahr wieder berichteten die Medien über den furchtbaren Todesfall - immer in der Hoffnung, der Täter würde das schlechte Gewissen nicht mehr ertragen und sich der Polizei stellen. Doch dies geschah nie - bis jetzt. Denn kurz vor der Verjährung hat die Polizei mit einem emotionalen Aufruf an den Täter appelliert und ein Bekennerschreiben erhalten.

Dies ist der Aufruf der Polizei:

"Sind Sie eine Frau oder ein Mann und wie soll ich Sie überhaupt anreden? Ich weiß es nicht! Ich weiß allerdings, dass Sie vor knapp fünf Jahren auf der Rüsbergstraße in Witten-Herbede einen Fußgänger, der erst 20 Jahre alt war, mit einem Pkw überrollt und getötet haben. Danach fuhren sie einfach weiter. Und ich weiß auch, dass es keine 72 Stunden mehr dauert, bis diese skrupellose Unfallflucht verjährt sein wird, die in der Bevölkerung immer noch Entsetzen und Empörung auslöst.

Sie werden durch die umfangreiche Berichterstattung der Fernseh- und Radiosender sowie der Printmedien Jahr für Jahr erfahren haben, dass der Verunglückte am 1. November 2010 nach einer Halloweenparty auf der Burg Blankenstein zu Fuß auf dem Heimweg war und zum Unfallzeitpunkt (04.25 Uhr) sein Elternhaus fast erreicht hatte. Dann haben Sie den Wittener überfahren, sich nicht um ihn gekümmert und sind weitergefahren. Wir wissen, dass sie in dieser Nacht mit einem Opel Corsa (Baujahr 2001-2006) unterwegs waren. Ermitteln konnten wir Sie trotz größter Bemühungen sowie einer ausgelobten Belohnung in Höhe von 5.000 EUR bislang nicht.

Wir gehen davon aus, dass Sie sich in den zurückliegenden Jahren bei Freunden oder Bekannten "offenbart" haben. Aber Sie und Ihre Mitwisser haben unseren Appell, endlich bei der Polizei "reinen Tisch zu machen", bislang nicht wahrgenommen.

Ja, Sie alle haben den Druck bislang ausgehalten, der seit fünf Jahren auf Ihnen lastet. Wie Sie sich in dieser Zeit gefühlt haben, wenn es an Ihrer Tür geschellt hat oder das Telefon klingelte - wir wissen es nicht!

Noch einmal, wir wissen aber sehr wohl, dass am 2. November, also in weniger als 72 Stunden, eine der schlimmsten Verkehrsunfallfluchten in der Geschichte des Bochumer Polizeipräsidiums verjährt sein wird.

Doch eins steht fest! Auch nach der Verjährung werden Sie Ihre Schuldgefühle sowie die Angst, verraten oder entdeckt zu werden, nie mehr loswerden. Und diese Angst verjährt nie! Können Sie und Ihre Mitwisser damit bis zum Ende des Lebens klarkommen? Wohl kaum!

Deshalb sollten Sie und Ihre "Vertrauten" sich bis zum Ende des 1. November im Bochumer Verkehrskommissariat (Tel.: 0234 / 9099) oder in der Wittener Polizeiwache (Tel.: 02302 / 209-3821) melden.

Wie soll ich mich in diesem offenen Brief von Ihnen und Ihren Mitwissern verabschieden? Ich weiß es nicht - vielleicht mit einem "Bis bald"!"

Rückfragen bitte an:

Polizei Bochum
Pressestelle
Volker Schütte
Telefon: 0234-909 1023
E-Mail: volker.schuette@polizei.nrw.de"

„Ich schreibe diesen Brief, um mein Gewissen bereinigen zu können...“

Die Frist zur Verjährung ist inzwischen verstrichen. Dennoch hofft die Polizei weiter darauf, dass der Schuldige sich meldet, oder aber die Mitwisser sich der Polizei offenbaren - auf dass wenigstens die Angehörigen von Christian M. Ruhe finden. Tatsächlich erhielt die Polizei in Folge des Aufrufs auch ein Bekennerschreiben.

Der Unbekannte nannte der Polizei den Namen des mutmaßlichen Totrasers aus der Halloween-Nacht 2010. Polizeisprecher Volker Schütte berichtet: "Kollegen der Wache Witten fanden die zusammengefalteten DIN A5-Blätter nachts hinter dem Scheibenwischer eines Streifenwagens. In dem mehrseitigen Brief macht der Verfasser ganz konkrete Angaben zu der tödlichen Unfallflucht im Jahr 2010." Das Schreiben beginnt mit den Worten: „Ich schreibe diesen Brief, um mein Gewissen bereinigen zu können...“

Die Polizei hofft nun darauf, dass der Verfasser des Briefes sich zu erkennen gibt und weiter dabei hilft, den mysteriösen Todesfall endlich aufzuklären. Wer etwas zu dem Fall weiß, möge sich mit dem Polizeipräsidium in Bochum in Verbindung setzen.

Polizei Bochum [Newsroom]Witten (ots) - "Sind Sie eine Frau oder ein Mann und wie soll ich Sie überhaupt anreden? Ich...

Posted by Aktuelle Meldungen der Polizei Bochum on Freitag, 30. Oktober 2015

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