Forscher decken auf: Die 23 größten Ernährungslügen

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Eine gesunde Ernährung ist heute eines der wichtigsten Themen. Gut zu wissen, was für Körper und Geist wirklich gut ist.
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Gesunde Ernährung

Kaffee gefährdet das Herz, Essen am späten Abend macht dick, dunkles Brot ist gesünder als helles - klar. Oder doch nicht? Auf kaum einem anderen Gebiet gibt es so viele Missverständnisse und Falschaussagen wie auf dem Gebiet der Ernährung. Fatal, denn unsere Nahrung ist entscheidend für unsere Gesundheit. Vieles stammt aus früheren Generationen. Aber Oma wusste halt auch nicht alles. Und sogar Wissenschaftler setzten Weisheiten in die Welt, die inzwischen als falsch entlarvt wurden. Die neue Forschung räumt nun mit den 23 wichtigsten Ernährungs-Mythen auf.

1. Traubenzucker bringt Energie

NEIN Dieser einfach aufgebaute Zucker treibt den Blutzuckerwert schnell hoch. Die Bauchspeicheldrüse schüttet viel Insulin aus. Deshalb sinkt der Blutzucker auch schnell wieder - oft unter den ursprünglichen Wert. Folge: Ein Energieloch, man fühlt sich matt. Gleichmäßige Energie liefern komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten und Gemüse, vor allem Möhren.

2. Brauner Zucker ist besser als weißer

NEIN Braunzucker wird aus Weißzucker hergestellt. Meist wird er nach Ende der Raffinierung mit etwas Saft der Rohstoffe (Zuckerrüben oder Zuckerrohr) wieder gefärbt. Seltener wird Braunzucker nur nicht völlig gereinigt. Er hat so viele Kalorien und schädigt die Zähne genauso wie weißer. Etwas gesünder ist echter Rohrzucker: Er liefert ein wenig Mineralien.

3. Aber Fruktose ist besser als Weißzucker

NEIN Zwar lässt Fruchtzucker den Blutzuckerspiegel kaum steigen. Aber heute weiß man: In größeren Mengen kann er die Leber verfetten, die Harnsäure im Körper erhöhen und damit eine Insulinresistenz fördern. Das ist dann die Vorstufe zu Typ-2-Diabetes.

4. Viel Zucker erhöht das Diabetes-Risiko

TEILS, TEILS Zumindest für viel Fruchtzucker trifft das zu. Aber wer Diabetes vor beugen will, sollte auch tierische Fette vermeiden, wie neue Studien zeigen. Und man sollte Übergewicht abbauen. Vor allem Bauchfett gibt mehrere Stoffe in den Körper ab, die das Diabetes-Risiko steigern.

5. Sojamilch ist besser als Kuhmilch

NEIN Viele Menschen reagieren allergisch auf Soja. Deshalb sollte man damit Kuhmilch nicht komplett ersetzen, vor allem nicht bei Kindern. Kuhmilch liefert viel Kalzium, Vitamin B2 und B12 für Knochen, Nerven und Gehirn.

6. Kaffee gefährdet das Herz

NEIN Selbst 5 bis 6 Tassen pro Tag steigern das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nicht. Das zeigen Studien mit über 400 000 Teilnehmern. 3 bis 4 Tassen täglich können sogar schützen. Das liegt an den vielen gesunden Pflanzenstoffen in den Kaffeebohnen.

7. Tee in Beuteln ist minderwertig

NEIN Da steckt der gleiche Tee drin, der sonst auch lose verkauft wird, nur feiner geschnitten. Das mindert die Qualität nicht, wie Untersuchungen zeigen. Aber: Beuteltee setzt seine Inhaltsstoffe schneller frei, deshalb sollte er nicht länger als 3 Min. ziehen. Empfohlen wird Bio-Ware. Neueste Erkenntnis: Grüner Tee hilft beim Abnehmen.

8. Aufbackbrötchen sind so gut wie frische

NEIN Oft steckt Propionsäure drin, damit Aufbackbrötchen länger halten. Der Verdacht aus Studien: Dieses chemische Konservierungsmittel kann bei regelmäßigem Verzehr den Fett- und Zuckerstoffwechsel stören. Das wiederum kann die Blutfettwerte erhöhen.

9. Knäckebrot hat die wenigsten Kalorien

NEIN Im Gegenteil: Knäckebrot enthält so gut wie kein Wasser und ist damit pures Vollkorn. Dadurch liefert die Spezialität aus Schweden mehr als 300 Kalorien pro 100 Gramm. Die gleiche Menge Roggenbrot kommt immerhin auf nur 210 Kalorien.

10. Vollkornprodukte sättigen am besten

NEIN Die Stärke in Vollkornprodukten, die eigentlich satt macht, zerfällt im Darm rasch, weil das Getreide gemahlen und gebacken wurde. Der beste Sattmacher ist Eiweiß. So ist z. B. ein Rindersteak erst nach etwa 5 Stunden verdaut und hart gekochte Eier sogar erst nach 6 bis 7 Stunden.

11. Eier erhöhen das Cholesterin im Blut

NEIN Ein gesunder Körper kann ein Ei pro Tag leicht verarbeiten, ohne dass sich das Cholesterin erhöht. Das haben neue Studien ergeben. Eier sind wertvoll: Ihr Eiweiß wird zu fast 100 Prozent verwertet.

12. Bio hat mehr Vitamine

NEIN Das wurde wissenschaftlich bisher nicht belegt. Gemüse oder Obst aus dem Bio-Regal haben nicht mehr Vitamine als normale Ware . Aber: In Bio stecken weniger Schadstoffe, z. B. 100-mal weniger Pestizide, also Mittel gegen Insektenbefall.

13. Konservierungsmittel sind schädlich

NICHT IMMER Die meisten Zusatzstoffe sind nützlich. Sie verhindern z. B. Fleischvergiftungen oder Krebserkrankungen durch Ausscheidungsprodukte von Schimmelpilzen. Sehr empfindliche Menschen können allerdings z. B. auf das Konservierungsmittel Benzoesäure reagieren.

14. Frisch vom Markt ist am gesündesten

NEIN Auch Ware vom Bauernhof, die auf Märkten angeboten wird, ist nicht das Beste, was man bekommen kann. Tatsächlich ist Tiefkühlgemüse einen Tick gesünder. Es wird 2 bis 4 Stunden nach der Ernte schockgefroren. Vitamine und Pflanzenstoffe halten sich bei minus 18 Grad viele Wochen. "Frische" Ware hat schon nach 1 bis 2 Tagen einiges von ihrem eigentlichen Vitalstoffgehalt verloren.

15. Margarine ist besser fürs Herz als Butter

NEIN Nicht nur tierische Fette, auch pflanzliche Fette, aus denen Margarine besteht, können herzgefährdende Arterienverkalkung fördern. Bei der Margarine-Herstellung entsteht aus den pflanzlichen Anteilen ein geringer Anteil an ungesunden Fettsäuren.

16. Braten zerstört Antibiotika im Fleisch

NICHT ALLE Ob Antibiotika-Rückstände unter Hitze zerfallen, hängt laut Bundesinstitut für Risikobewertung von der Art des Antibiotikums ab: Einige sind hitzestabil. Vor allem in der Hühnermast werden immer noch große Mengen Antibiotika eingesetzt. Bio- oder besser noch Demeter-Fleisch ist aber kaum bis gar nicht mit diesen Arzneimitteln belastet.

17. Light macht schlank

TEILS, TEILS Da müssen 3 Voraussetzungen gegeben sein: Das Light-Produkt hat tatsächlich weniger Kalorien (z. B. weniger Fett) als ein vergleichbares normales. Trotzdem sollte man sich mit dem Kauf von "Light" nicht beruhigen, wenn man an anderer Stelle "gesündigt" hat - und nicht mehr essen. Und: Süßstoff kann Heißhunger auslösen.

18. Je mehr Vitamine, desto besser

NEIN Experten warnen: Überdosierung kann ungesund sein. Vitamine, die man nicht in großen Mengen oder über längere Zeit nehmen sollte: Betacarotin (vor allem für Raucher), Vitamin A, B6 und E. Ausgewogene Ernährung liefert alle 13 lebenswichtigen Vitamine.

19. Dunkles Brot ist gesünder als helles

NEIN Weder die Farbe noch die Menge der Getreidekörner im Brot sind Garanten für Extra-Gesundheit. Ein dunkles Roggenbrot z. B. kann viel mehr Zucker, nämlich färbende Zuckercouleur, enthalten als helles Brot. Nur Brote mit einem Anteil von mindestens 90 Prozent Vollkorn dürfen als Vollkornbrot bezeichnet werden.

20. Spätes Essen macht dick

NEIN Nach 18 Uhr, besser nach 17 Uhr nichts mehr essen, dann nimmt man gut ab - eine lange Esspause bis zum Frühstück soll die Fettverbrennung begünstigen. Aber dafür gibt es keinen klaren wissenschaftlichen Beweis. Wann der Körper Nahrung aufnimmt, ist weniger entscheidend als die Gesamtzahl der Kalorien, die man während des ganzen Tages aufnimmt. Wer gern am Abend schlemmt, kann das tun, aber man sollte dann tagsüber leichter essen.

21. Kartoffeln fördern Übergewicht

NICHT IMMER Entscheidend ist die Verarbeitung. Salz- und Pellkartoffeln haben z. B. unter 100 Kalorien pro 100 Gramm. Außerdem: Kartoffeln dämpfen den Appetit, denn ihre Stärke hat einen hohen Sättigungswert. Aber: Wir essen immer mehr verarbeitete Kartoffeln, die oft mit Fett versetzt sind, etwa als Pommes frites, Fried Potatoes, Gratins oder in Fertiggerichten.

22. Konserven sind eine gute Alternative

NEIN Von den Vitaminen in Dosengemüse und Co. bleibt durch das Einkochen nicht viel übrig. Und Warentester bestätigen: Konserven sind immer mal wieder mit der Chemikalie Bisphenol A belastet. Studien zeigen Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem steckt oft viel Salz drin. Das kann den Blutdruck steigern.

23. Viele Menschen haben Nährstoffmangel

NEIN Mit den meisten Nährstoffen ist die deutsche Bevölkerung gut versorgt. Aber einige Gruppen müssen dennoch auf eine ausreichende Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen achten. Folsäure, Kalzium und Jod - bei Frauen auch Eisen - fehlen vor allem bei Schwangeren und Älteren. Und jeder, der sich wenig im Freien aufhält, riskiert eine Unterversorgung mit Vitamin D. Das bildet die Haut nämlich mithilfe der UV-Strahlung im Sonnenlicht.

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