Fragen an Hausärztin Dr. Petra Bracht

fotolia1867 paragrafenlupe bilderbox fotolia

Alles zu Naturheil- und Schulmedizin

Die Allgemeinärztin und Naturheilmedizinerin hat in Bad Homburg eine Privatpraxis. Hier steht sie Ihnen beratend zur Seite.

KRAMPFADERN: BEUGEN SIE VOR MIT TRAINING UND KALTEN GÜSSEN

Leider habe ich von meiner Mutter und meinem Vater die Neigung zu Krampfadern geerbt. Gibt es aus der Alternativmedizin Mittel oder Salben, die helfen? Maria P. (51), Mainz

    Antwort von Dr. Bracht: Das Wichtigste bei Krampfadern ist Muskeltraining. Die Blutgefäße bestehen einerseits aus Muskelzellen, andererseits werden sie von großen Muskelgruppen umgeben, die das Blut in den Venen weitertransportieren. Wenn also diese Muskulatur kräftig genug ist, klappt der Bluttransport einwandfrei und es gibt keinen Blutstau in den Gefäßen. Um die Venen fit zu halten, eignen sich Wassertreten oder Kneippsche Beingüsse mit abwechselnd kaltem und warmem Wasser. Lassen Sie doch gerade jetzt, wenn es draußen warm ist, die Beine auch mal in kaltem Bachwasser baumeln oder nutzen Sie Wasserquellen unterwegs. Durch das kühle Nass ziehen sich die Gefäße zusammen. So bleiben sie elastisch.

    Als Venengymnastik empfehle ich Ihnen die Zehen-Fersen-Wippe: Stellen Sie sich eine Minute mit den Fußspitzen auf eine Treppenstufe, lassen Sie Ihr Körpergewicht durchhängen und gehen Sie anschließend auf Zehenspitzen. Einfache Gymnastik können Sie auch am Küchen- oder Schreibtisch machen. Die Stärkung der Beinvenen ist aber nicht nur mit Anstrengungen verbunden. Hier noch ein bequemer Tipp: Die Beine möglichst oft hochlegen. Wenn Sie vor dem Fernseher liegen und entspannen, dann strecken Sie Ihre Beine auf dem Sofa aus oder legen Sie sie auf einen Hocker. Auch während des Tages tut es gut, die Beine zwischendurch hochzulegen, wann immer dies möglich ist. Um die Durchblutung in den Venen anzuregen, reiben Sie die Waden und auch die Füße am Abend am besten mit einfachem Franzbranntwein ein!

    BEI HÄMORRHOIDEN: BEWEGEN! VIEL TRINKEN!

      Ich hatte noch nie viel Sitzfleisch. Doch seit einiger Zeit habe ich oft Schmerzen, wenn ich im Theater bin. Das Ganze ist ziemlich unangenehm. Können das Hämorrhoiden sein? Sibylle W. (57), Augsburg

        Antwort von Dr. Bracht: Hämorrhoiden gehören zu den am weitesten verbreiteten Volkskrankheiten. Neben einer genetischen Disposition wirken sich vor allem Bewegungsmangel und schlechte Ernährung auf das Fortschreiten der Erkrankung aus. Jeder Mensch hat ein Gefäßpolster, das den Enddarm abdichtet. Sie können sich das vorstellen wie einen Schwellkörper, dessen netzartige Gefäße bei Bedarf mit Blut gefüllt werden. Diese Gefäße und der Schließmuskel sorgen dafür, dass der Stuhl im Enddarm zurückgehalten wird. Ärzte unterscheiden vier Erkrankungsstufen, je nachdem, ob diese knotigen Gefäße am After nach außen treten und sich wieder zurückziehen oder nicht.

        Bei manchen Patienten machen Hämorrhoiden keine Problem und jucken nicht. Lediglich am Toilettenpapier ist dann ein wenig Blut. Aber durch ständiges Sitzen und Stress, auch durch Schwangerschaft, entsteht eine Druckerhöhung und Gefäßerweiterung, die zu schwereren Formen führen kann. Diese machen sich durch starkes Jucken, Brennen, Blutungen sowie Entzündungen bemerkbar. Sitzen und jeder Toilettengang werden schmerzhaft. Bei Hämorrhoiden helfen bewährte Hausmittel. Sorgen Sie mit einer ballaststoffhaltigen Ernährung für einen weichen Stuhlgang und trinken Sie Sauerkrautsaft. Verstopfungen sollten unbedingt vermieden werden. Trinken Sie deshalb am besten mindestens zwei Liter am Tag. Ein abendliches Sitzbad mit Eichenrinden-Tee und Einreibungen mit Ringelblumen- oder Hamamelis-Salben lindern sanft die Beschwerden. Auch Schließmuskeltraining hilft: Ziehen Sie 20 bis 30 Mal die Aftermuskulatur fest zusammen und entspannen Sie sie wieder. Bitte keine Scham: Bei Schmerzen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

        LEBER: VORSICHT BEI SÜßEM UND FETT

          Meine Leberwerte sind immer leicht erhöht, obwohl ich keinen Alkohol trinke. Allerdings nasche ich gern, habe 20 Kilo Übergewicht. Sehen Sie darin einen Zusammenhang? Anja S. (51), Erfurt

            Antwort von Dr. Bracht: Aufgrund Ihrer Ernährungsgewohnheiten muss die Leber erheblich mehr arbeiten als bei einem normalgewichtigen Menschen. Es muss ein Zuviel an Zucker und Fetten verarbeitet werden, was bei jedem Fünften zu Leberproblemen führt. Daher rühren auch die ständig erhöhten Werte. Verzichten Sie deshalb besser weitgehend auf fette und süße Speisen. Übrigens: Die Leber kann sich selbst regenerieren, wenn man zum Normalgewicht findet und sich zuckerarm ernährt!

            IHR RECHT ALS PATIENT

            Was zahlt die Kasse? Wann habe ich Anspruch auf Schmerzensgeld? Gut, wenn man sein Recht kennt

            DIE KRANKENKAASSE KANN KÜNDIGEN

              Ich hatte einen Herzinfarkt und psychische Probleme. Mein Arzt schrieb mich für mehr als ein Jahr krank. Nun will mir die Krankenkasse kündigen. Geht das? Sabrina L., Simmern

                Sind Sie noch arbeitsunfähig, ist es leider so: Mit Ende des Anspruchs auf Krankengeld kann die Kasse Sie aussteuern. Ihre gesetzliche Mitgliedschaft endet so. Sie können sich nun freiwillig versichern oder über die Familienversicherung Ihres Mannes in der Kasse bleiben. Fragen Sie am besten einen Fachanwalt für Sozialrecht.

                KEIN ANSPRUCH AUF PÜNKTLICHKEIT

                  Kürzlich war ich bei meinem Hausarzt und musste 45 Minuten lang warten, bis ich an die Reihe kam. Obwohl ich einen Termin hatte! Simone R., Retzstadt

                    Laut Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt es keinen Rechtsanspruch auf pünktliche Behandlung. Denn der Arzt kann nicht einschätzen, wie lange jede Behandlung dauert. Manche umgehen das Problem und vergeben gar keine Termine. Patienten müssen also selbst entscheiden, ob sie trotz Wartezeit bei ihrem Arzt bleiben wollen oder nicht.

                    ZAHLUNG NUR BEI ORIGINALRECHNUNG

                      Beim Wanderurlaub in Österreich bin ich umgeknickt und musste dort zum Arzt. Die Kosten habe ich vorgestreckt. Nun zahlt die Auslandsversicherung nicht, weil ich nur eine Kopie der Rechnung habe. Was nun? Regine I., Forchheim

                        Tatsächlich muss eine Versicherung nur dann zahlen, wenn man die Originalbelege vorlegen kann. Wahrscheinlich hat Ihnen die Arztpraxis versehentlich die Kopie statt des Originals ausgehändigt. Bitten Sie um eine neue Ausfertigung der Rechnung. (AG München, Az. 113 C 16536/97)

Kategorien: