Frau teilt ihr Fototagebuch aus der Psychiatrie

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Laura Hospes dokumentiert ihre Leidensgeschichte anhand von beeindruckenenden Bildern.
Foto: Laura Hospes

"Ich teile diese Bilder, um mich weniger allein zu fühlen"

Laura Hospes durchlebte die schlimmste Zeit ihres Leben, bis sie in eine Psychiatrie eingeliefert wurde. Mit diesen Fotos dokumentiert sie ihr Leiden. Bis zum heutigen Tag.

"In sozialen Netzwerken geht es nur darum möglichst glücklich zu wirken, auf jedem Bild so, als hätte man gerade die beste Zeit seines Lebens. Doch hinter verschlossenen Türen passiert jede Menge Scheiße", schreibt uns die Niederländerin Laura Hospes per Mail. Die Fotografin zeigt auf ihren Schwarz-Weiß-Bildern nicht das, was die Menschen gerne sehen würden. Die 21-Jährige bildet die Realität ab, ihre eigene Leidensgeschichte - die sie bis in die Psychiatrie führte.

Benannt nach der Nervenklinik "UCP-UMCG", in dem Laura Hospes sich aufhielt, begleitet die Serie die Fotografin bei ihrer immer noch andauernden Behandlung: Depression, Angstzustände, eine Essstörung bis hin zu einem kurzen Aufenthalt auf der Intensivstation nach einem ersten Selbstmordversuch. Die Künstlerin nimmt den Betrachter mit hinter "verschlossene Türen" - und mit in ein Leben einer jungen Frau auf dem Weg der Besserung. Mutig dokumentiert sie ihre innersten Gefühle mit der Kamera, ein ehrlicher Gegenentwurf zum sich selbst verherrlichenden Selfie-Wahnsinn.

"Alles fing 2011 mit einer Essstörung, Angstzuständen und einer leichten Depression an. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der für jedes Problem sofort eine Lösung gefunden wurde. So versuchte ich es auch damals und suchte mir einen Therapeuten. Nachdem dort meine Essstörung behandelt wurde, fühlte ich mich für einige Monate besser. Dann begann die Achterbahnfahrt meiner Stimmungsschwankungen. Mal fühlte ich mich sehr gut, doch die Tiefen waren jedes Mal sehr, sehr tief. Schließlich wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert, dort begann mein Projekt"

Am Tag der Einlieferung machte Laura Hospes das erste Foto. Damals noch mit dem iPhone, später mit einer Kamera. "Nur Rasierklingen und scharfe Gegenstände waren verboten", so Hospes. Nach einem zweiten Selbstmordversuch wurden die Regeln verschärft. Sie wurde in ein Isolationszimmer verlegt, durfte nur einen persönlichen Gegenstand bei sich behalten: "Ich wechselte zwischen meiner Kamera, dem Laptop, dem Handy und wieder der Kamera hin und her", sagt sie.

"Ich machte bereits früher viele Selbstportraits, um meine inneren Kämpfen besser zu kontrollieren. Daher war das Projekt auch in dieser Situation ein ganz natürlicher Schritt für mich. Ich lernte schon zuvor, dass Portraits mir dabei helfen, meine Gefühle auszudrücken und zu zeigen, wie ich mich an einem Tag oder einer Woche fühle. Auch in der Psychiatrie. Außerdem fühlte ich mich weniger allein, wenn ich meine Bilder teilte, fühlte mich gut dabei, dass es nicht mehr mein Geheimnis war, ich konnte darüber sprechen und ich selbst sein."

"Die Bilder sind vor allem dafür da, dass ich selbst mit meiner Situation klarkomme. Ich teile sie, um mich weniger einsam zu fühlen. Aber auch als meine eigene kleine Rebellion gegen das perfekte Leben, das sonst auf Facebook und im Social Media gezeigt wird. Es fühlt sich einfach so viel besser an, man selbst zu sein, ganz egal wo."

"Heute fühle ich mich okay. Ich habe immer noch oft Angstzustände, fühle mich, als würde ich die Tage bloß 'überleben'. Doch ich fühle auch, dass ich immer stärker werde."

Alle Fotos: Laura Hospes. Mehr Arbeiten der Fotografin finden Sie auf www.laurahospes.com .

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