Frauen brauchen andere Medikamente als Männer

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Vermeiden Sie Fehldosierungen

Sind Männer und Frauen gleich zu behandeln? Nun, beim Arzt jedenfalls nicht immer. Denn die Organismen von Mann und Frau reagieren oft sehr unterschiedlich auf Medikamente. Aufgrund ihrer meist geringeren Körpergröße und Muskelmasse, ihrem höheren Körperfett-Anteil und einem anders funktionierendem Stoffwechsel müssen Frauen Arzneimittel meist anders dosieren.

Männliches Vorbild

Ärzte orientieren sich überwiegend an männlichen Beschwerdebildern. Außerdem werden viele Präparate nur an männlichen Versuchspersonen getestet. Welche Folgen das haben kann, beschreibt u. a. der „Arzneimittel-Report 2012“ der Barmer GEK. „Frauen vertragen nicht alle Medikamente genauso wie Männer“, heißt es da und: „Sie sind oft überdosiert“ (Karen Nieber, Professorin für Pharmakologie an der Uni Leipzig). Manche Mittel haben sogar unterschiedliche Wirkungen: So beugt Aspirin bei Männern einem Herzinfarkt vor – bei Frauen dagegen nicht. Und auch bei diesen Medikamenten sollten Frauen aufpassen:

Allergie-Präparate

Ihre Wirkung hält bei Frauen kürzer an, weil ihr Stoffwechsel diese Präparate schneller ausscheidet. Und: Der Wirkstoff Terfenadin (wird u. a. bei allergischen Hauterkrankungen und Heuschnupfen eingesetzt) kann bei Frauen häufiger als bei Männern Herzrhythmusstörungen auslösen. Er sollte daher möglichst niedrig dosiert oder durch andere Medikamente ersetzt werden.

Medikamente fürs Herz

Blutdrucksenkende Mittel (ACE-Hemmer) haben oft Nebenwirkungen wie Reizhusten, Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen . Besser als Blutdrucksenker sind für Frauen die sogenannten AT1-Antagonisten, da bei ihnen weniger Nebenwirkungen auftreten. Betablocker wiederum werden von der weiblichen Leber langsamer abgebaut. Daher wirken sie intensiver und sollten in niedrigerer Dosis verabreicht werden.

Schmerz-Pillen

Substanzen wie Acetylsalicylsäure (z. B. ASS; Aspirin) und Opiate wirken bei Frauen stärker. Ihnen reicht eine niedrigere Dosis. Dagegen hemmen Ibuprofen und Paracetamol Schmerzen bei weiblichen Patienten weniger gut. Die Anti-Baby-Pille mindert die Wirkung zusätzlich, sodass hier eine höhere Dosis nötig sein kann.

Beruhigungsmittel

Die Effekte von Psychopharmaka zeigen sich bei Frauen meist stärker und länger. Denn Wirkstoffe wie Diazepam (z. B. in Valium) können sich im Fettgewebe anreichern – und davon haben Frauen grundsätzlich mehr als Männer. Die Substanzen schränken die Reaktionsfähigkeit dann stärker ein und machen schneller müde. Für Patientinnen reicht oft die Hälfte bis drei Viertel der für Männer geeigneten Dosis.

Aber: Dosieren Sie Ihre Arzneimitel nie nach eigenem Gutdünken. Sprechen Sie bei Zweifeln an der richtigen Medikation bitte immer erst mit Ihrem Arzt!

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