Fremdgehen: Sollte man einen Seitensprung verzeihen?

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Wie kann er mir das antun?
Foto: Simone van den Berg, fotolia

Es war doch ein Versehen!

Wer vom Partner betrogen wird, fühlt sich zutiefst verletzt, verraten. Und fragt sich, ob es noch lohnt, die Beziehung weiterzuführen. Lesen Sie, was eine Paartherapeutin rät.

Es ist ein Schmerz, der das Herz zerreißt: Wenn wir herausfinden, dass der Partner fremdgegangen ist, fühlen wir uns verraten, um unser Versprechen, um die Liebe betrogen! Das Band scheint für immer zerrissen. Was bleibt, sind quälende Fragen: Warum? Wie soll es weitergehen? Vor allem aber: Werde ich dem anderen jemals verzeihen können?

Die Motive

Glaubt man aktuellen Umfragen, geht jeder Zweite, egal ob Mann oder Frau, mindestens einmal im Leben fremd. "Oft steckt Langeweile dahinter, die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Nähe und Bestätigung", so die Hamburger Paartherapeutin Annika Lohstroh: "Fremdgehen ist immer auch eine Flucht aus dem Beziehungstrott".

Spielt die Dauer des Fremdgehens eine Rolle?

Ja. Ein Seitensprung ist eine einmalige Angelegenheit. Wirkliche Nähe lässt der One-Night-Stand nicht zu. Bei einer Affäre hingegen handelt es sich um eine längere Beziehung. Dabei können tiefe Gefühle entstehen. Übrigens: Männer neigen eher zum Seitensprung, weil der so schön unverbindlich ist. Frauen ziehen Affären vor. Ihnen geht es nicht in erster Linie um Sex, sondern um das Gefühl, wieder begehrt zu werden und Komplimente zu bekommen.

Wo fängt der Betrug an?

Dem anderen in der Bar seine Nummer zustecken, mit ihm E-Mails austauschen, ein Flirt oder heiße Küsse: Für viele ist das schon Fremdgehen. Für andere dagegen beginnt der Betrug erst im Bett. "Das muss jeder für sich selbst entscheiden", sagt Annika Lohstroh. Wer jedoch in Gedanken immer von einem Liebhaber träumt, sollte sich Sorgen um die eigene Beziehung machen. "Irgendwas kann da nicht stimmen. Vermutlich erstickt Routine die Leidenschaft", erklärt die Psychologin.

Sollte man alles beichten?

Das kommt auf die Umstände an. "Einen einmaligen Ausrutscher sollte man besser für sich behalten", empfiehlt Annika Lohstroh. Da macht schonungslose Offenheit oft mehr kaputt, als sie hilft. Meist geht es dem Betrüger ohnehin nicht um Ehrlichkeit, er will mit der Beichte vor allem sein schlechtes Gewissen beruhigen. Dauert die Affäre jedoch länger und entwickeln sich dabei starke Gefühle für die Geliebte oder den Liebhaber, dann ist es an der Zeit, reinen Tisch zu machen. Denn der Partner sollte die Chance haben, für die Beziehung zu kämpfen. Wer sich nicht offenbart, nimmt dem anderen die Möglichkeit, etwas zu ändern.

Macht unsere Beziehung überhaupt noch Sinn?

Wichtig: Zunächst muss natürlich noch genug Liebe da sein! Dann sollten beide bereit sein, sich mit der Krise auseinander zu setzen. Vorwürfe und Schuldzuweisungen helfen jetzt nicht weiter. Die wahre Ursache einer Affäre ist immer bei beiden Partnern zu suchen. Eine langweilige Beziehung führt nie einer allein.

Wie kann ich wieder Vertrauen fassen?

Dafür braucht es etwas Zeit und feste Absprachen! Der Betrüger sollte bereit sein, Opfer zu bringen, sich sogar kontrollieren lassen, um dem anderen ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Beispiel: Stehen im Job Überstunden an, sollte man per Telefon erreichbar sein.

Kann ein Seitensprung auch eine Chance sein?

"Ja, wenn beide Partner gemeinsam nach dem Grund für den Betrug suchen", sagt Annika Lohstroh: "Was fehlt in unserer Beziehung und wie können wir wieder glücklich werden?" Paare, die sich mit diesen Fragen konstruktiv auseinandersetzen, haben den ersten Schritt in Richtung Neuanfang bereits getan!

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