Fremdgehen: Sorry Schatz, ich war dir untreu!

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Report: Fremdgehen
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Report: Seitensprung

Wenn der Partner fremdgeht, ist dies so ziemlich das Schlimmste, was einer Beziehung passieren kann. Doch wie geht man als Frau damit um: Sofort Schluss machen oder dem Betrüger noch eine Chance geben? Sieben Frauen erzählen, wie sie sich entschieden haben – und wie sich ihr Leben dadurch veränderte.

„Der Mistkerl war für mich gestorben!“

Sophie, 31, Assistentin der Geschäftsleitung aus Kassel

Vier Jahre waren Matthias und ich ein Paar. Jede freie Minute in dieser Zeit verbrachte ich mit seinen drei Kindern, die aus seiner früheren, gescheiterten Ehe stammen. Speziell für den Kleinsten war ich wie eine zweite Mama.

Matthias und ich waren Seelenverwandte – glaubte ich zumindest. Deswegen traf es mich völlig unvorbereitet, als mich einer seiner Kumpels anrief und erst mal bat, mich zu setzen: „Dein Freund schläft mit meiner Frau!“ Ich bin ein typischer Steinbock: Wenn man mich enttäuscht, ziehe ich die Konsequenzen.

Matthias beteuerte zwar, dass es nur, wie er das nannte, „unbedeutender Sex“ gewesen sei, doch ich war bis ins Mark verletzt. Klar tat es mir wegen der Kids total leid, trotzdem wusste ich innerhalb von Sekunden, was ich zu tun hatte: Der Mistkerl war für mich gestorben, Thema abgehakt.

Selbst Wochen später zweifelte ich nicht einen Moment an meiner Entscheidung. Matthias flehte mich an, ihm zu verzeihen, machte mir sogar einen Heiratsantrag. Doch den wies ich zurück. Eine Woche wohnten wir noch unter einem Dach, er im Keller, ich oben, dann zog ich aus und blockte alle weiteren Kontaktversuche ab. Bis heute bin ich stolz darauf, dass ich erhobenen Hauptes gegangen bin.

Trotzdem hat mich dieser Vertrauensmissbrauch verändert: Vier Jahre ist das jetzt her, danach gab es nur eine einzige kurze Liebelei . Ich bin sowieso eher ein misstrauischer Mensch, doch jetzt kann ich Männern überhaupt nichts mehr glauben. Während andere in meinem Alter heiraten und Babys bekommen, möchte und kann ich keine ernsthafte Partnerschaft mehr eingehen. Für mich stimmt wirklich: Männer sind Schweine! Da bleibe ich lieber allein.

„Ich fand Kondome in seinem Auto!“

Sandra, 40, Laborantin aus Oberschleissheim

Schon seit Wochen hatte ich ein komisches Gefühl. Nach sieben Jahre Ehe kannte ich Andreas in- und auswendig und irgendwie benahm er sich Anfang letzten Jahres anders … Als er sein Handy liegen ließ, schnüffelte ich herum.

Tatsächlich: Da waren eindeutige SMS einer anderen – mit „Bussi“ und „Schatzi“. Bei mir brannten alle Sicherungen durch: „Du Hure, lass meinen Mann in Ruhe!“, schrieb ich ihr rasend vor Wut.

Anfangs leugnete Andreas alles: Sie wäre nur eine Freundin und lesbisch. Als ich dann aber fünf Tage später Kondome im Handschuhfach seines Autos fand, warf ich ihn raus! Es zerriss mich fast und ich hielt es kaum aus, keinen Kontakt zu ihm zu haben. Von Tag zu Tag wurde ich weicher – bis ich ihm nach zwei Wochen erlaubte, nach Hause zurückzukommen.

Auch unserer Tochter zuliebe wollte ich ihm noch eine Chance geben. Jeder kann mal einen Fehler machen – aber eben nur einmal, auch wenn er es bis heute nicht richtig zugibt. Noch mal würde ich es nicht verzeihen. Andreas verwöhnt mich seitdem sehr, sagt mir immer, wo er ist. Aber selbst in den romantischsten Momenten, wenn er mich nach einem schönen gemeinsamen Dinner küsst, spukt dieser Vorfall irgendwie immer in meinem Hinterkopf herum.

„Wir weinten gemeinsam, als er es mir beichtete“

Marie, 29, Gesundheits- und Mentalcoach aus München

Heute bin ich Paul echt dankbar! Denn sein Seitensprung war für mich die Initialzündung,mein Leben in die Hand zu nehmen und meine Träume zu verwirklichen. Damals sah ich dasnatürlich ganz anders: Als mir Paul unter Tränen beichtete, dass er mich über zwei Monate hinweg betrogen hatte, stand ich unter Schock: Mir wurde kotzübel, heiß und kalt, ich begann zu zittern.

Zu sehr hatte ich meinen Freund zum Mittelpunkt meines Lebens gemacht, meine eigenen Interessen über die vier Jahre, die unsere Beziehung hielt, hintenangestellt. Paul war Leistungssportler – ich begleitete ihn jedes Wochenende zu seinen Wettkämpfen. Was ich selbst vom Leben wollte, hatte ich längst vergessen.

Und nun sollte auf einen Schlag alles vorbei sein? Dass Paul selbst litt wie ein Hund, machte mir meine Entscheidung nicht leichter. Er tat mir leid, als er so zerknirscht vor mir saß. Wir weinten zusammen und ich war nah dran, ihm noch eine zweite Chance zu geben. Doch irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass er mir noch mehr verschwieg.

Auf mein Drängen hin verriet mir seine Trainerin, der er sich anvertraut hatte, dass er auch schon im ersten Jahr unserer Beziehung mit drei anderen Frauen im Bett war. Nach dieser Enthüllung war meine Reaktion eine ganz andere: Mein Mitleid war von einer Sekunde auf die andere wie weggeblasen. Ich fühlte keinen Schmerz mehr – nur grenzenlose Enttäuschung.

Ich mietete mir einen Transporter, packte meinen Kram und fuhr von Jena nach München, um dort meine Ausbildung zum Gesundheits- und Mentalcoach zu Ende zu machen. Heute, drei Jahre später, ist mein Herz geheilt und ich gebe beruflich anderen Frauen in meiner Situation den Rat: „Bleibt euch selbst treu – ich spreche aus Erfahrung!“ Denn eine Trennung kann manchmal der Beginn von etwas viel Besserem sein.

„Es war wie in einem schlechten Film!“

Barbara, 20, Auszubildende zur Immobilienkauffrau aus Seefeld

Die Nummer, die Marc mit mir abzog, war wie aus einem sehr schlechten Film – doch leider konnte ich nicht umschalten. 2008 war er mein erster richtiger Freund und ich war auch nach zweieinhalb Jahren noch sehr verliebt, auch wenn wir noch nicht zusammen wohnten.

Gleich nach seinem BWL-Studium fand er einen tollen Job und ich freute mich mit ihm. Er war so stolz, sogar eine eigene Sekretärin zu haben. Als er immer öfter bis in die Nacht arbeiten musste, dachte ich mir nichts dabei. Erst als er über Stunden nicht an sein Handy ging, wurde ich misstrauisch. „Da bildest du dir was ein“, versuchte ich mich zu beruhigen.

Doch als ich an einem Freitagabend wieder einmal umsonst auf ihn wartete, wollte ich Klarheit. Marc hatte seinen Schlüssel bei mir vergessen, also fuhr ich in seine Firma. Ich öffnete die Tür zu seinem Büro – und erwischte ihn in flagranti mit seiner Sekretärin. Ihn zu sehen, wie er mit dieser zehn Jahre älteren Tussi Sex hatte, war wie ein Schlag ins Gesicht!

Ohne einen Ton herauszubringen, rannte ich zu meinem Auto und fuhr blind vor Tränen nach Hause. Sofort stellte ich alle Sachen, die er bei mir hatte, vor die Tür und wechselte meine Handynummer. Innerhalb von Stunden radierte ich ihn komplett aus meinem Leben. Mit den Narben, die sein Vertrauensbruch bei mir hinterlassen hatten, muss ich aber bis heute kämpfen: Auch nach zwei Jahren habe ich keinen Nerv für einen neuen Freund.

Trotzdem würde ich mich wieder so entscheiden: So etwas kann keine Beziehung überleben!

„Ich wurde doppelt hintergangen!“

Martina, 27, Verkäuferin aus Landshut

Für Markus ließ ich meine Familie in Sachsen zurück. Gemeinsam wollten wir nach Bayern ziehen und uns etwas aufbauen. Er war schon einen Monat vor mir in Landshut und als ich nachkam, verhielt er sich total distanziert. Zum Glück hatte ich Julia!

Markus hatte sie mir vorgestellt und sie wurde schnell zu meiner neuen, besten Freundin . Bei ihr heulte ich mich aus – bis mir eine Bekannte steckte: Als ich noch in Sachsen war, hatte Markus eine Affäre mit ihr! Zuerst wollte ich es nicht glauben.

Als die Wahrheit langsam in meinem Kopf vordrang, warf mich das komplett aus der Bahn. Dass mich meine momentan wichtigsten Menschen so verarscht hatten, tat mir doppelt weh! Sofort brach ich den Kontakt zu beiden ab. Inzwischen bin ich wieder glücklich, aber mein neuer Freund muss oft unter diesem traumatischen Erlebnis leiden: Die Angst, wieder betrogen zu werden, wird mich immer begleiten.

„Er nahm mir all mein Selbstvertrauen!“

Natalie, 33, Grafikdesignerin aus München

Neben dem Studium jobbte ich nachts in einem Club. Eines Abends beobachtete ich, wie der beste Kumpel meines Freundes Gürkan heftig mit seiner Freundin stritt. Verwundert schrieb ich Gürkan eine SMS: „Ich glaube, die machen Schluss!“ Nach Schichtende rief er mich dann an und gestand: Die Freundin seines Kumpels wäre in ihn verliebt, er hätte ihr nicht widerstehen können.

Dabei war er in der letzten Zeit so liebevoll zu mir gewesen! Wir telefonierten den ganzen Weg nach Hause und die restliche Nacht: Ich heulte, schrie, verfluchte ihn. Aber als ich morgens mit verquollenen Augen zu meinem zweiten Job im Schuhladen aufbrach, war klar: Ich bleibe bei ihm – trotzdem.

Gefühlte tausendmal hatte Gürkan in dieser Nacht beteuert, dass so ein Ausrutscher nie mehr vorkommen würde, und ich wollte ihm glauben. Doch mein Selbstvertrauen war von da an futsch, ich wartete sogar vor seinem Haus, um ihn zu kontrollieren. Ich konnte mich selbst nicht mehr leiden.

Die nächsten zwei Jahre plätscherte unsere Beziehung so dahin. Dann fuhren wir getrennt in Urlaub , er mit Kumpels, ich mit meiner Freundin. Etwas Abstand tut uns gut, dachte ich. Doch während ich treudoof einem heißen Brasilianer einen Korb gab, hatte er wieder etwas mit einer anderen, einer Türkin.

Mir wurde klar: Egal, wie sehr man sich bemüht oder wie hübsch man ist – einmal Fremdgänger, immer Fremdgänger. Tief getroffen brach ich den Kontakt nach vier Jahren Beziehung ab. Rief er an, drückte ich ihn weg. Jetzt bin ich seit drei Jahren Single – und schwer angeknackst: Männer unterziehe ich einem Extrem-Scan. Ist einer nett zu mir, denke ich sofort, mit dem stimmt was nicht.

„Er bereute es so – da verzieh ich ihm!“

Nadja, 29, Bürokauffrau aus München

Schon die ganze Zeit spürte ich, dass Andis Barkeeper-Kollegin scharf auf ihn war. Sorgen machte ich mir trotzdem keine, wir waren seit zwei Jahren – so dachte ich – sehr glücklich. Doch nach einer Schicht landete er mit ihr im Bett!

Danach quälte ihn sein schlechtes Gewissen, immer wenn er bei mir war, lag er nachts wach. Nach einem Monat gestand er es mir: „Sorry, Schatz, ich hab mit ihr geschlafen!“ Ich glaubte ihm, als er sagte, wie leid es ihm tat. Aber für mich war klar, dass ich mich trennen musste.

Mir ging es so schlecht, dass ich mich eine Woche krankschreiben ließ. Ich saß in meiner Wohnung und hatte ständig die Bilder im Kopf, wie sie übereinander herfielen. Trotz der Trennung rief Andi mich fast täglich an: Er kämpfte um mich, auch weil er Angst hatte, dass ich aus Rache etwas mit einem anderen anfangen würde.

An Silvester sahen wir uns nach drei Monaten wieder. Ich wusste, dass Andi auch auf der Party sein würde, und hatte schon davor einen flauen Magen. Als er vor mir stand, konnte ich nicht anders: Ich sprang über meinen Schatten und küsste ihn. Mir fällt es schwer, nicht bei jedem Streit wieder von seinem Fehltritt anzufangen.

Zwar kehrt das Vertrauen langsam zurück, aber ganz ausradieren kann man das Geschehene nicht.

„Viele Paare fangen danach wieder zu reden an“

Expertin: Paartherapeutin Andrea Bräu (47)

JOY: Wo fängt ein Seitensprung an?

Andrea Bräu: Beim einen beginnt er schon, wenn der Partner nur an jemand anderen denkt, beim anderen erst mit dem Geschlechtsakt.

Gibt es einen „Alleinschuldigen“?

Nein, ein Paar trägt jeweils zu 50 Prozent Beziehungsverantwortung. Gerne wird die Verantwortung aber auf den Partner geschoben, nach dem Motto: „Ich hab das nur gemacht, weil du mich vernachlässigst.“

Sollte man einen Seitensprung immer beichten?

Wenn die drohende Verletzung größer ist als das Ereignis selbst, muss man abwägen. Nur um Schuld abzuladen, ist es eher unklug, den Partner damit zu belasten.

Was kann man tun, um die Beziehung wieder zu verbessern?

Die Frage nach dem Warum ist wichtig. Ist etwa sexuelle Unzufriedenheit der Grund für den Seitensprung , kann man daran etwas ändern. Dann hat der Partner es nicht nötig, aus Frust fremdzugehen.

Wann ist es besser, sich zu trennen?

Wenn der Betrogene sagt: „Ich kann/will dir nie mehr vertrauen.“ Und es auch wirklich so meint.

Kann ein Seitensprung eine Chance für eine Beziehung sein?

Ja, in meiner Praxis erlebe ich, dass 99 Prozent der Paare durch einen Seitensprung erstmals oder nach langer Zeit wieder richtig miteinander sprechen.

Was halten sie von der Idee, aus Rache danach selbst fremdzugehen?

Nichts, das hilft nur dem Ego. Danach sind die Probleme nur verschoben. Und meist doppelt so groß wie vorher.

Wie kann man beim nächsten Partner mit seinem Misstrauen fertig werden?

Je selbstbewusster man ist, desto einfacher. Aber gegen gesundes Misstrauen ist nichts einzuwenden – in erwachsenen Beziehungen ist blindes Vertrauen kaum möglich.

Mehr Infos: www.beziehungspraxis.de

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