Friends with benefits: Verlieben verboten

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Freunde mit gewissen Vorzügen
Foto: Thinkstock

Partnerschaft

Echte Freunde lachen und weinen zusammen. Und sie haben Sex miteinander. Sex? Ja - spontan und ungezwungen. ‚friends with benefits‘ (zu Deutsch: Freunde mit gewissen Vorzügen) nennt sich das Zeitgeistphänomen, das spätestens mit dem gleichnamigen Film in aller Munde ist. Eine unbekümmerte Freundschaft inklusive leidenschaftlichem Sex – frei von jeglichen Verpflichtungen und mit beidseitigem Einverständnis. Das soll funktionieren?

Vorteile gibt es nur auf den ersten Blick

Der eine kennt den anderen wie seine eigene Hosentasche. Seine Macken und Eigenheiten. Niemand stellt Erwartungen oder Forderungen. Stundenlanges Auf Brezeln und Hübsch Machen gibt es nicht. Jeder nimmt den anderen so wie er ist. Nervenauftreibendes Suchen nach einem potenziellen Sexualpartner: Geschichte. Der unpersönliche One-Night-Stand war einmal. Die Frage ‚wie man am nächsten Morgen schnellstmöglich verschwindet‘ auch. Eine aufregende Nacht, ein toller Liebhaber, Nähe und Vertrauen – im besten Fall läuft eine ‚friends with benefits‘-Beziehung genau so ab. Hört sich nach verdammt vielen Vorteilen an. Auf den ersten Blick zumindest. Auf den zweiten wird deutlich: ‚friends with benefits‘ ist nichts für einen längeren Zeitraum.

Verlieben verboten

Still und leise kommen sie dann doch irgendwann, die Gefühle. In den seltensten Fällen auf beiden Seiten. In den meisten auf einer. Wer glaubt, er könne jeglichem Gefühlsdrama aus dem Weg gehen, der irrt. Sich dem körperlichen Akt hinzugeben ohne auch jegliche Emotion zu verspüren ist eine Illusion. In zweidrittel aller ‚friends-with-Benefits‘-Beziehungen beginnen bei mindestens einem der Beteiligten die Schmetterlinge bereits nach kurzer Zeit das Schlagen. Problematisch wird es dann, wenn sie sich nicht im Zaum halten lassen.

Das Liebes- und Kuschelhormon

Medizinisch gesehen ist es nicht verwunderlich, dass die oben beschriebene ‚Win-Win‘-Situation eine Traumvorstellung ist. Beim Orgasmus wird das Hormon ‚Oxytocin‘ ausgeschüttet. Landläufig wird es auch liebevoll das ‚Kuschel-Hormon‘ genannt. Es schafft eine emotionale Bindung und sorgt für Liebe und Treue in einer Beziehung. Wahrlich schlechte Voraussetzung für eine Beziehung, die sich nur auf sexueller Ebene bewegt.

Mehr Vorzüge, weniger Freundschaft

Sex unter Freunden: ‚Das funktioniert nie‘. Die gleichnamige Komödie bringt es auf den Punkt. Anfänglicher Euphorie folgen schnell Niederschläge und Frustration. Nur wer ehrlich zu sich selbst ist, erkennt die Gefahr. Auch andere moderne Beziehungsformen, wie z.B. das Leben eines Mingles oder die offene Beziehung resultieren aus ein und demselben Grund: Tun und lassen was man will. Ohne Verpflichtungen und Kompromisse. Am Anfang war es ‚Sex ohne Gefühle‘. Und am Ende? ‚Gefühle ohne Sex‘.

Regeln sollten klar definiert sein

Wer den 'Casual Sex' trotzdem für sich entdeckt hat, der sollte sich zumindest an bestimmte Spielregeln halten. Und die Grenzen der ‚Beziehung‘ ganz genau mit seinem Sex-Freund feststecken. Wir haben einen kleinen ‚friends-with-benfits‘-Guide zusammengestellt.

- Diskretion ist das oberste Gebot. Facebook-Posts sind nicht nur peinlich sondern schlicht und ergreifend unangemessen. Auch der Rest der Öffentlichkeit darf gerne von Privatem verschont bleiben.

- Ebenfalls unerlässlich: Immer ehrlich sein! Sobald bei einem Schmetterlinge zu fliegen beginnen, sofort darüber sprechen. Werden die Gefühle nicht erwidert, die ‚Sex-Beziehung‘ beenden. Am einfachsten ist es den Kontakt komplett abzubrechen, ohne Kompromisse. Nur so entgeht man dem Gefühlschaos.

- Keine Pärchen Rituale entwickeln. Regelmäßige ‚Guten-Morgen-SMS‘ oder festterminierte Abendessen sind ein absolutes No-Go. Zahnbürste und Unterwäsche sollten ebenfalls keinen Platz in den vier Wänden des anderen finden. Im besten Fall bleibt man noch nicht einmal über Nacht. Wer sich in der Nacht an den anderen kuschelt und in seinen Armen einschläft, läuft schnell Gefahr Nähe und Gefühl für den anderen zu entwickeln.

- Sprechen sie nicht über Dates mit anderen. Eifersucht ist eine unausweichliche, natürliche Reaktion, auch bei dieser speziellen Form der Beziehung. Aber denken sie immer daran: Es gibt keine Untreue. Ihre Sex-Beziehung beruht auf beidseitigem Einverständnis.

- Niemals mit Kollegen eine ‚friends with benefits‘-Beziehung eingehen. Das erspart nicht nur tägliches Aufeinandertreffen sondern auch komplizierte Umgangsformen und Streitigkeiten. Ebenfalls schwierig: Der Sex mit Nachbarn. Was auf den ersten Blick praktisch erscheint, stellt sich am Ende als echte Herausforderung raus. Die ständige Nähe verleitet einen schnell zu Kontrollmechanismen und affektierten Eifersüchteleien.

- Es gibt keine Verpflichtungen. Das Handy klingelt, der andere hat aber gerade keine Lust auf Sex? Ehrlich sein. Wer nicht will, der will nicht. Bloß nicht zu etwas hinreißen lassen, bloß weil man es ja sonst auch tut.

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